Hampden Estate Pure Single Jamaican Overproof Rum & Almighty Strawberry Goddess of the Seas

Mein heutiger Artikel ist im Grunde genommen die Fortsetzung einer bereits vor einigen Monaten veröffentlichten Rezension. Mit großem Lob und Begeisterung habe ich im Oktober des letzten Jahres den Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum hier vorgestellt und obendrein in einer wirklich interessanten Negroni-Variante eingesetzt. Heute folgt nun also gewissermaßen Teil 2 des Ganzen, denn schon wieder steht ein Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum vor mir. Diesmal allerdings in der Overproof Variante. (zugesandtes Testprodukt)*

Aus diesem Grund sehe ich an dieser Stelle auch davon ab, noch einmal auf Produktionshintergründe, das Etikett und die Brennerei bzw. den Abfüller einzugehen, sondern verweise an dieser Stelle eben auf den oben verlinkten Artikel zur „Standardabfüllung“. Wer interessiert an Rum oder generell an Spirituosen ist und hier auch regelmäßig Neuigkeiten verfolgt, der wird sicherlich bemerkt haben, wie viel Lob dem Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum entgegengebracht worden ist. Aus meiner Sicht auch vollkommen zu Recht, denn insbesondere angesichts der in den letzten Jahren sehr stark gestiegenen Preise (auch bzw. gerade bei besonders ester-betonten, jamaikanischen Abfüllungen einzelner Brennereien) hat man es hier mit einem echt Preis-Leistungskracher zu tun.

So weit, so gut, nun steht aber mit 60% vol. durchaus eine andere Hausnummer vor mir auf dem Tisch. Man darf also auch hier ein Feuerwerk intensiver Aromen erwarten, ggf. auch so viel alkoholischen „Wumms“, dass mancher auch zu ein paar Tropfen Wasser greifen mag. Worin aber im Wesentlichen die Unterschiede liegen, kann letztlich nur die Verkostung zeigen.

Tasting Notes:

Aroma: Was für ein Aroma! Sofort sind sie da, die intensiven Esternoten voll exotischer Früchte. Auch wenn ich hier im Vorfeld manches Mal gelesen habe, dass die Overproof-Version im Gegensatz zum Hampden mit 46% vol. weniger distinktive Fruchtnoten aufweisen soll, so kann ich das überhaupt nicht bestätigen. Ich finde eine fruchtige Mango, vollreife Bananen, vergorene Ananas und dazu fast schon an den fruchtig-würzigen, Nuancen von Aprikosen aufweisenden Duft einer frisch aufgeschnittenen Habanero erinnernde Noten. „Funky“ trifft es hier wirklich sehr gut, denn da geht einiges ab in der Nase. Mit der Zeit kommen auch Kräuter- und Gewürztöne zum Vorschein (ganz feine Anklänge von Rosmarin, etwas Zimt und Piment), zudem kandierte Zitronenschalen und Eichenholz. Eine sagenhafte Nase, wirklich toll und komplex.

Bei einem Alkoholgehalt von 60% vol. mag mancher vielleicht einige Tropfen Wasser zugeben, dies verändert das Aroma ein wenig (es verwundert kaum) in Richtung des 46%-igen Hampden: Das Früchte-Potpourri bleibt erhalten, wird insgesamt jedoch etwas „heller“. Zudem finde ich nun den Duft von Kokosblütenzucker, außerdem mischen sich vereinzelt auch eher vegetale Töne ins Gesamtbild.

Geschmack: Dafür, dass hier 60% vol. im Glas sind, ist der Alkohol sehr angenehm. Natürlich zeigt sich eine gewisse Schärfe auf der Zunge, diese trägt aber unglaublich viele Geschmacksnuancen. Gewürze, gegorene Früchte (Mango, Ananas) die teilweise fast schon an gereiften Käse erinnern, ohne dabei jedoch auch nur im Ansatz unangenehm oder herausstechend zu wirken. Hinzu kommen wieder Assoziationen von fruchtiger Habanero auf. Es sind tatsächlich auch ein wenig an gegrilltes Obst erinnernde Röstnoten zugegen, die minimale Rauchassoziationen mit sich bringen. Mit der Zeit kristallisieren sich Gewürze heraus, v.a. Nelken, Piment und eine Prise Zimt kann ich finden. Hintergründig bringt der Fasseinfluss ein wenig Vanille mit ein.

Die Zugabe einiger Tropfen Wasser mildert erwartungsgemäß die alkoholische Schärfe noch weiter ab, bringt eindeutig Mango und Ananas noch weiter in den Vordergrund. Habanero, die Assoziationen von gereiftem Käse und ein Teil der Gewürzfracht verschwinden, dafür finde ich nun Bananen, grüne Äpfel und etwas Karamell.

Abgang: der Abgang fällt sehr lang, warm und dabei überraschend trocken aus. Es zeigen sich holzig-würzige Töne unreifer Früchte mit Gewürzen.

Tja, was kann man mit so einem schönen Rum hinter der Bar anfangen? Fraglos eine ganze Menge! Im Grunde genommen sogar eigentlich fast „alles“. Hier kann ich mir durchaus einen hervorragenden Rum Old Fashioned vorstellen (wer die Fruchtnoten noch betonen will, könnte mit dem Hampden Estate Pure Single Jamaican Overproof Rum z.B. auch einen Fiji Gloaming zubereiten – auch wenn der Name des Drinks dann natürlich reichlich albern wird und abgewandelt gehört). Aber auch in Kombination mit ausgebauten Weinen oder mit Bitterlikören würden mir hier einige Ideen einfallen. Aber gerade weil dieser Rum so eine unglaubliche Power und Ausdrucksstärke aufweist, habe ich mich für einen Tiki Punch entschieden. Dabei wollte ich ein wenig auf die saisonale Karte setzen und Erdbeeren mit ins Spiel bringen, weil diese einfach viel zu selten in Cocktailrezepturen auftauchen, obwohl man mit ihnen ganz fantastische Drinks zubereiten kann. Inwiefern die Erdbeere botanisch in ein polynesisch-karibisches Setting passt, darf natürlich bezweifelt werden. Aber im überzeichneten und oft auch albernen Tiki-Genre ist das im Grunde ja auch herzlich egal. Albern und überzeichnet ist deshalb auch der Name des Cocktails – auf den Geschmack trifft das allerdings nicht zu, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass der Drink das Zeug dazu hat, viele Leute zu begeistern. Obendrein kommt der Hampden Overproof hier super zur Geltung, er ist also auch nicht einfach durch einen x-beliebigen anderen Rum ersetzbar (wie es gerade bei Tiki Punches manchmal doch der Fall ist). Ich präsentiere: Almighty Strawberry Goddess of the Seas.

Rezept “Almighty Strawberry Goddess of the Seas”:

4,5 cl Hampden Estate Pure Single Jamaican Overproof Rum
2 cl Rhum J.M 50°
2 cl Limettensaft
1,5 cl Velvet Falernum
1 Barlöffel Zuckersirup
1 Zweig Rosmarin
4 frische Erdbeeren
2 Dashes Bittermens Elemakule Tiki Bitters

Zubereitung: Zunächst Erdbeeren und Rosmarinzweig in den Shaker geben und mit einem Barstößel kräftig muddeln, bis die Erdbeeren zerdrückt sind und sich Öle aus den Rosmarinnadeln lösen. Restliche Zutaten zugeben und kräftig für ca. 30 Sekunden schütteln. Schließlich doppelt ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Tikimug

Garnitur: Rosmarinzweig und frische Erdbeere

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

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