La Escondida Mezcal Reposado & Tuxedo Affumicato

So, nach einem geburtstagsbedingt etwas versetzten „Dry January“ geht es heute hier auch im Jahr 2024 weiter (ein wenig spät, ich weiß). Dabei mag man es der Proportionalität der Artikel über Agavenbrände hier im Blog vielleicht nicht direkt entnehmen können, aber ich liebe Mezcal und Tequila wirklich sehr. Im Grunde sind sie unter den „großen Spirituosen“ die bis dato jüngste persönliche Offenbarung, die mir widerfahren ist, auch wenn diese inzwischen auch schon mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel hat. Und deshalb freue ich mich, heute und in den nächsten Wochen einmal mehr über Brände aus genau jenem Spektrum hier (nichtsdestotrotz mit kritischer Unvoreingenommenheit) berichten zu können. Den Anfang macht dabei heute eine nicht ganz alltägliche Abfüllung. (zugesandtes Testprodukt)*

Zugegeben, „nicht ganz alltäglich“ in unseren Längengraden, denn in Mexiko stellt ein Reposado Mezcal eher keine Seltenheit dar. Aber letztlich ist er dort natürlich auch verhältnismäßig unterrepräsentiert, wenn man ihn mit seinem ungereiften Bruder vergleicht. Hierzulande kommt es mir hingegen so vor, als ob der Begriff Mezcal im Grunde synonym mit ungereiftem Mezcal verwendet wird. Bei Tequila verhält sich das tatsächlich anders und den meisten Gelegenheitskonsumenten oder Barbesuchern ist klar, dass es auch noch andere Varianten gibt (auch wenn der „goldene“ Tequila mit dem Hütchen da einen nicht unerheblichen, obgleich fragwürdigen Anteil dran haben dürfte).

Dass es aber auch im Mezcal-Segment nicht nur ungereiften gibt, habe ich zwar auch hier im Blog schon vor längerer Zeit schon einmal aufgezeigt, an der Seltenheit eines Reposado oder Anejo Mezcals hat das aber nichts geändert. Umso schöner, dass ich heute den La Escondida Reposado Mezcal hier verkosten kann. Zumindest die ungereifte Schwesterflasche hat mich vollends überzeugen können, weshalb natürlich die Erwartungen entsprechend hoch sind. Überhaupt: Wer noch mehr über die Hintergründe zur Marke La Escondida erfahren will, dem sei dieser Artikel hier ans Herz gelegt.

Der La Escondida Reposado wurde nun nach der Destillation für neun Monate in ehemaligen französischen Eichenfässern gelagert. Das ist im Grunde auch schon der ganze Unterschied. Aber geschmacklich erwarte ich hier durchaus einen nicht zu verkennenden Fußabdruck, den die französische Eiche im Mezcal hinterlassen dürfte. Mal sehen, wie der Mezcal in der Verkostung abschneidet.

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase entfaltet sich sofort ein schöner Rauch mit mineralischen Noten von Kalk- und Salzgestein, dahinter scheinen diffuse Kräuternoten durch, die am ehesten an feine Minze, subtile Kamille und Heidekraut erinnern. Etwas Vanille ist ebenfalls zugegen, die wohl der Fassreifung geschuldet ist und den La Escondida Reposado vom ungereiften Bruder unterscheiden, auch zeigt sich ein Hauch von Eiche. Verrückterweise muss ich an den Geruch eines Stutenkerls mit seiner Pfeife denken, dort mischt sich immer diese Nuance von Teig, Hefenoten und eben Ton.

Geschmack:  Oh ja, das ist ein Mezcal nach meinem Geschmack. Die rauchigen Töne sind auch am Gaumen zugegen, aber nicht überdominant, vielmehr lassen sie Raum für etwas weißen Pfeffer, Emser Salzpastillen, Kräuter, Vanille, sogar ein Hauch Karamell ist mit dabei, zudem eine feine Holznote – entfernt scheinen auch Beerennoten hindurch, am ehesten muss ich an Erdbeeren denken. Diese Assoziation hatte ich auch beim ungereiften La Escondida.

Abgang: lang und relativ trocken, mit Rauch, Gewürzen und einem Hauch Vanilleschote

Kurzum: Ich finde diesen Mezcal richtig, richtig gut! Aber die Fasseinflüsse sind eher auf der feineren, subtilen Seite, weshalb dieser Mezcal in vielen Cocktails, die nach eben jener Spirituosengattung verlangen, ein wenig verschenkt wäre. Hier sollte es eher ein gerührter Drink sein, in dem der Mezcal die Hauptrolle spielt. Und da habe ich an den Tuxedo Affumicato gedacht. Dabei handelt es sich um einen Martini style cocktail von Riccardo Aletta aus dem Holy Birds in London, wo er diesen im Jahr 2016 kreierte. Das Besondere Element wird dem Drink durch einen Sprühstoß Strega-Likör aus einem Zerstäuber zuteil, ein wirklich beeindruckender Drink, in dem der La Escondida Reposado zeigen kann, was in ihm steckt!

Rezept „Tuxedo Affumicato“ (von Riccardo Aletta, 2016):

4 cl La Escondida Reposado
2 cl Lillet Blanc
1 cl Maraschino
1 Dash Pechaud’s Bitters

Liquore Strega

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf den Strega auf Eis kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen. Mit einem oder zwei Sprühstößen Liquore Strega aus einem Zerstäuber sowie dem Öl einer Orangenzeste besprühen.

Glas: Nick & Nora, Goblet oder Martini

Garnitur: Orangenzeste

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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