Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 8 Years & Colonial Ties

Ja, es gibt sie: die Tastings und Rezensionen, auf die man sich im Vorfeld etwas mehr freut als auf andere. Und das heutige zählt sicherlich dazu, was natürlich auch gute Gründe hat, auf die ich auch gerne noch eingehen möchte: ich kenne die Vorgängerabfüllung bereits (und habe sie geliebt), überhaupt bewege ich mich heute im Kernbereich meiner persönlichen Präferenzen und zudem schätze ich den Hersteller und die mit dem Produkt verbundene Transparenz sowie sein Renommee auf einem komplizierten und nicht immer ganz redlichen Markt. Heute geht es um Rum: Rum aus Jamaika, um genau zu sein – noch präziser: Rum aus Jamaika, gebrannt in der Hampden Distillery. (zugesandtes Testprodukt)*

Klar, wer sich mit Rum etwas auskennt und einen Überblick über verschiedene Stile und Geschmackswelten hat, der wird die Hampden Distillery natürlich kennen. Wohl kaum ein Name ist so stark verbunden mit den hoch-esterigen Rums aus dem Karibikstaat Jamaika wie der Name Hampden. Nicht jeder mag den „Jamaican Funk“ (manche hassen ihn gar), aber viele lieben ihn wiederum auch. Es gibt da die ein oder andere Parallele zum schottischen Whisky von der Hebrideninsel Islay. Jamaika ist gewissermaßen das Islay der Rum-Welt, um mal eine etwas steile These in den Raum zu werfen.

Nun habe ich in der Vergangenheit schon über zwei Abfüllungen berichtet, die bereits auf den ersten Blick als direkte Verwandte des heutigen Rums erkennbar sind. Da war einmal der Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum ohne Altersangabe (beim Blick auf diesen Artikel bekomme ich direkt Lust auf einen Trelawny Negroni) und der Hampden Estate Pure Single Jamaican Overproof Rum. Heute haben wir es gewisserweise mit dem Nachfolger der erstgenannten Abfüllung zu tun. Flasche und Etikett sind fast gleich geblieben, doch neben der Etikettenfarbe haben sich noch ein paar andere, entscheidende Details geändert: zunächst prangt nun eine Altersangabe von acht Jahren zentral auf dem Flaschenetikett, zum anderen hat sich neben dem Alter des Rums auch sein Rum-Marque geändert, was – um den Vergleich noch einmal zu bemühen – gewissermaßen eine Art Pendant zu den ppm-Angaben bei Islay-Whiskys darstellt (wem jamaikanische Rum-Marques überhaupt nichts sagen, dem sei ein Blick auf diese informative Seite zum Thema empfohlen). Das neue Rum-Marque des Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 8 Years ist nun OWH (Outram Warmold Hussey) und stellt mit Blick auf den Estergehalt das niedrigste Rum-Marque der Hampden Distillery dar. Hier ist nur ein Estergehalt von lediglich 40-80 gr/hL AA enthalten.

Das verwundert durchaus ein bisschen, dann natürlich sind es gerade die Esternoten, die viele mit Hampden verbinden und auch erwarten, inwieweit das allerdings bereits einen Vorabrückschluss über den Rum zulässt, sei erst einmal dahingestellt. Nach einer wilden Fermentation der Basismelasse wird auf einer kupfernen Double Retort Pot Still gebrannt und schließlich eine achtjährige Fassreifung durchgeführt. Mit 46% vol. kommt der Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 8 Years dann in die Flasche. Wie also schneidet er in der Verkostung ab?

Tasting Notes:

Aroma: Oh ja, das ist ein Hampden, keine Frage. Und die Befürchtungen, mit dem niedrigsten Marque ginge hier jeglicher „Funk“ verloren, bewahrheitet sich auf jeden Fall nicht. Klar, wir reden hier immer noch über einen Estergehalt, der weit über dem liegt, was die meisten Rums da draußen so bieten. Ich nehme direkt eine Mischung aus vergorenen Früchten (vordergründig die typische Ananas) mit Noten von Verbranntem wahr. Es erinnert ein wenig an leicht angebranntes Fleisch, vielleicht eine spanische Chorizo (das klingt sehr komisch, ich weiß, ist aber wirklich toll!). Dazu gesellen sich diffuse, kräutrige Noten, die Fruchtkomponenten erweitern sich mit der Zeit in Richtung anderer Tropenfrüchte (etwas Mango, ein Hauch Passionsfrucht), auch etwas Klebstoff ist mit von der Partie – zudem eine feine, hintergründige Vanille und Rosinen scheinen durch. Er fällt definitiv anders als sein Vorgänger aus, aber natürlich sind Parallelen klar erkennbar, vor allem mit Blick auf den Brennereicharakter.

Geschmack: auch am Gaumen ist das hier eine Granate! Klar, es sind „nur“ 46% vol. (wer mich jetzt für verrückt hält, dem sei gesagt, dass die meisten Hampden-Abfüllungen, die in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich zogen, in der Regel – teils deutlich – oberhalb der 50% liegen), aber dennoch kleidet der Hampden sofort den gesamten Mundraum mit seinem intensiven Charakter aus. Tropenfrüchte (weniger deutlich an der Ananas orientiert als in der Nase, eher in Richtung von Mango und Guave), geröstete Banane (und wieder etwas Chorizo), Gärobst, Assoziationen von Röstkaffee und wieder etwas Vanille.

Abgang: sehr lang und anhaltend mit angebrannter Banane, Ananas und würzigen Eichentönen

Im direkten Vergleich zur Vorgängerversion lassen sich durchaus viele Gemeinsamkeiten erkennen und wer nun befürchtet hat, angesichts des OWH-Marques sei hier nun plötzlich „kaum noch Hampden“ in der Flasche, den kann man beruhigen. Dennoch zeigt sich natürlich auch, dass der Rum ein klein bisschen weniger „nerdig“ geworden ist und sich nun auch an ein ester-unerfahreneres Publikum richtet, ohne direkt zu sehr zu polarisieren. Mir gefällt aber auch diese Abfüllung wirklich außerordentlich gut.

Nun hatte ich also die Ehre, den Rum im Rührglas sanft ein wenig Karussell fahren zu lassen und etwas Schönes damit zu machen. Und da kam mir ein Drink in den Sinn, den ich neulich in einem anderen Kontext schon einmal probiert hatte – und welchen ich ganz fantastisch fand. Dabei handelt es sich in gewisser Weise um eine Abwandlung des klassischen Sazerac: der Colonial Ties Cocktail von Eric Alperin aus der Bar des „The Varnish“ in Los Angeles. Im Original wird – in Abhängigkeit vom verwendeten Eis – die Zugabe von 1 cl Wasser empfohlen. Zwar verwende ich massives und kein feuchtes Eis, mir schmeckt der Drink aber mit 0,5 cl oder gar keinem Wasser irgendwie besser.

Rezept „Colonial Ties“ (von Eric Alperin, Los Angeles):

3 cl Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 8 Years
3 cl Straight Rye Overproof Whiskey
0,75 cl Muscovado-Zuckersirup (Im Verhältnis Zucker zu Wasser von 2:1)
2 Dashes Orange Bitters
0,5 cl kaltes Wasser (optional)

ein Barlöffel Absinth

Zubereitung: Zunächst das wirklich gut vorgekühlte (!) Glas mit dem Absinth „auswaschen“: Absinth ins Glas geben und in der Hand drehen, so dass die Innenseite möglichst von einem dünnen Film Absinth bedeckt ist. Dann zunächst die anderen Zutaten in einem Rührglas auf Eis kalt rühren und ins mit Absinth ausgewaschene Glas abseihen.

Glas: Tumbler

Garnitur: keine (kein Schnickschnack nötig)

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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