Rhum J.M 50° & Asparagus Sour

Wer ab und an hier bei mir im Blog vorbeischaut und meine Beiträge verfolgt, der wird vielleicht wissen, wie sehr ich Rhum Agricoles schätze. Gerade bei den gereiften Varianten finden sich oft regelrechte Kleinode, die einem breiten Publikum leider viel zu wenig bekannt sind und von denen ich mir sicher bin, dass sie vielen Whiskytrinkern eine willkommene Abwechslung bieten können. Ab und an spricht man daher beim Rhum Agricole auch vom „Missing Link“ zwischen Rum und Whisky. Auf ungereiften Rhum Agricole trifft dies allerdings weniger zu. Dennoch hat auch dieser ganz klare Stärken. (zugesandtes Testprodukt)*

Und diese Stärken liegen meist in seiner unverfälschten, kräftig-aromatischen Charakteristik mit grünlich-vegetalen und auch fruchtigen Noten sowie rustikalen Ecken und Kanten. Die aus reinem Zuckerrohrsaft hergestellte Spirituose enthält keinerlei Melassebasis wie der Großteil der global hergestellten Rums, sondern hier fermentiert nur der Saft der Pflanze und wird dann zu Rhum Agricole weiterverarbeitet. Mehr zu allgemeinen Grundlagen habe ich in der Vergangenheit in einem anderen Artikel bereits dargelegt.

Der Rhum J.M 50° stammt von der Französischen Antilleninsel Martinique, wo die Herstellung von Rhum Agricole durch französisches Recht geregelt ist (die AOC-Vorschriften gelten für die drei offiziell als Rhum Agricole-Produzenten lizensierten französischen Überseegebiete Martinique, Guadeloupe und La Réunion – auf Martinique gilt die dem AOC zugehörige Bezeichnung AOM: Appellation Contrôlée Martinique). Er stammt aus der im Norden der Insel gelegenen Brennerei J.M, welche bereits 1845 von Jean Marie Martin gegründet wurde (daher die Initialen – charakteristisch ist übrigens hier der fehlende Punkt hinter dem M). Seit 1914 befindet sich die Brennerei allerdings nicht mehr in Familienbesitz. Die Brennerei brennt ihren Rhum ausschließlich aus Zuckerrohr aus eigenem Anbau (einzigartig auf Martinique), welches in der Habitation Bellevue-Region zu Fuße des Stratovulkans Mount Pelée wächst. Die J.M-Destille wird daher manchmal auch als “Single-Domaine-Sugarcane Rhumerie” bezeichnet.

Mit 50 % vol. fällt der Rhum J.M 50° etwas kräftiger aus als seine ebenfalls ungereifte Geschwisterflasche J.M Rhum Blanc (40% vol.). Was der Rhum J.M 50° in der Purverkostung kann, gilt es nun herauszufinden.

Tasting Notes:

Aroma: Und sofort sind sie da, jene schönen, rauen und charakteristischen Agricole-Noten von grünlich-holzigem Zuckerrohr mit den vegetalen Tönen von leicht verkochtem Gemüse und eingemachtem Obst. Und sie fallen sehr satt und aromatisch im Rhum J.M 50° aus. Dabei kommen auch erdige, fast an gesottene Pilze erinnernde Noten mit durch, etwas Zucchini und Noten von Himbeeren. Mit der Zeit verfestigt sich der Eindruck und ich muss immer wieder an Obstgeiste denken.

Geschmack: Kraftvoll und urwüchsig tritt der Rhum J.M 50 an. Holzig-erdige Noten zeugen von der Zuckerrohrseele des Rhums. Die vegetalen Töne treten am Gaumen deutlich in den Hintergrund, dafür kommen mehr kräutrige Töne hervor. Auch hier finde ich Himbeeren und gegorenes Steinobst. Ein schöner und aromatischer Rhum Agricole, der sich auch als ungereifter Vertreter nicht nur für Cocktails empfiehlt.

Abgang: relativ trocken und holzig mit einer Nuance weißem Pfeffer

Tja, natürlich gehört zu einem Rhum Agricole immer auch ein Ti’ Punch und ich habe mich hier einmal mehr für meine favorisierte Art der Zubereitung (s. verlinkten Artikel) entschieden. Und daher übrigens einmal mehr braunen Zucker verwendet. Was ich in einer Caipirinha niemals tun würde, mag ich, allen Debatten zum Trotz, in einem Ti’ Punch sehr gern. Die leichten Karamellnoten des braunen Zucker will ich hier nicht missen. Und außerdem gilt natürlich nach wie vor: »Chacun prepare sa propre mort!« (“Jeder bereitet sich seinen eigenen Tod!“).

Ich wollte aber auch dem Klassiker etwas sehr Progressives gegenüberstellen und habe den landwirtschaftlichen („agricole“) Rum bzw. Rhum mit einem landwirtschaftlichen Produkt aus den heimischen Gefilden kombiniert: weißem Spargel. Wer jetzt denkt, dass ich spinne, dürfte überrascht davon sein, wie gut das in einem Drink funktioniert. Obwohl man auch frischen Spargelsaft in einem Drink einsetzen kann, habe ich etwas Rhum J.M 50° mit Spargelschalen infundiert, die normalerweise als Abfall bei der Spargelzubereitung anfallen. Für ca. 32 Stunden durften die Spargelschalen den Rhum infundieren, bevor ich sie wieder herausgefiltert habe. Als cremiger Sour mit frischem Eiweiß ergibt das einen herrlichen Frühlingscocktail, der im Grunde sehr einfach nachzumachen ist (und garantiert Eindruck schindet).

Asparagus Sour:

6 cl mit weißem Spargel infundierter Rhum J.M 50° (s.u.)
3 cl frischer Zitronensaft
2,5 cl Zuckersirup
1 Eiweiß
2 Dashes Fee Brothers Rhubarb Bitters (optional)

mit weißem Spargel infundierter Rhum J.M 50°: auf jeweils 250 ml Rhum einfach eine gute Hand voll Spargelschalen oder –reste geben und zwischen 32 und 48 Stunden infundieren lassen. Schließlich den Spargel durch ein feines Filtertuch wieder herausfiltern (ich verwende zum Infundieren eine spezielle Infundier-Flasche).

Glas: Tumbler

Garnitur: etwas Spargel und gedörrtes Zitronenrad

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

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