Plantation Black Cask Barbados & Fiji, Pierre Ferrand Pineau des Charentes & der Corrino Cocktail

Heute möchte ich gleich zwei Flaschen hier näher unter die Lupe nehmen und in diesem Rahmen auch kurz vorstellen. Im Grunde haben beide nicht viel miteinander zu tun (abgesehen davon, dass sie beide vom französischen Cognachaus Ferrand vertrieben werden und in gewisser Weise somit auch jeweils auf ihre Art vom Cognac beeinflusst wurden). Vielmehr hatte ich auch zunächst überhaupt nicht vor, beide Flaschen gemeinsam zu rezensieren, doch das hat sich dann im Endeffekt geändert als mir die Idee zum heutigen Cocktail kam. (zugesandte Testprodukte)*

Die Abfüllungen sind dabei aber beide durchaus zunächst auch für sich genommen recht spannend. Zum einen ist da der Plantation Black Cask Barbados & Fiji – ein blended Rum ohne Altersangabe, zum anderen der Pierre Ferrand Pineau des Charentes. Und mit letzterem will ich an dieser Stelle auch beginnen.

Pineau des Charentes ist sicherlich eine sehr spezielle Gattung innerhalb des Spektrums alkoholhaltiger Getränke und außerhalb der französischen Grenzen auch nur wenig bekannt. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Eau de Vie de Cognac und unfermentiertem Traubenmost, wobei beide Grundprodukte aus dem selben Jahrgang stammen müssen, so will es das französische AOC (Appellation d’Origine Contrôlée). Eau de Vie de Cognac ist nichts anderes als der White Dog der Cognacproduktion, also destillierter (Weiß)weinbrand, der aufgrund mangelnder Lagerzeit im Fass eben noch nicht Cognac heißen darf. Dieser wird nun also mit unfermentiertem Traubenmost vermischt, wobei hier gemeinhin in einem Verhältnis von etwa drei Teilen Traubenmost und einem Teil Eau de Vie de Cognac vermählt wird. Anschließend darf der Pineau des Charentes noch einige Zeit in Eichenfässern reifen. Der Pierre Ferrand Pineau des Charentes reifte laut Angaben des Herstellers für mindestens zwölf Monate in Eichenfässern, insgesamt jedoch 18 Monate. Wo er die anderen sechs Monate gelegen hat, wird nicht verraten, ich schätze jedoch, dass man hier zu konventionellen Stahltanks gegriffen hat. Die Rebsorte, aus der dieser in den Départements Charente und Charente-Maritime in Westfrankreich hergestellte Aperitif besteht, ist ebenfalls nicht offiziell angegeben. In die Flasche kommt er schließlich mit 17% vol.

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase zeigt sich ein würziger Honig, fruchtige, helle Weintrauben mit Nuancen der Fruchtkerne, Quitten und etwas Vanille; dazu ganz subtil etwas Apfel und helle Pflaumen. Mit der Zeit finde ich auch einige Kräuternuancen (v.a. Zitronenverbene), ein wenig fühle ich mich an einen sehr trockenen Met erinnert.

Geschmack: sehr und süffig und weich zeigt sich der Pierre Ferrand Pineau des Charentes im Mund. Er bringt fruchtig-frische Noten von Pfirsich und Pflaume mit sich, weist zudem eine sehr ansprechende Balance aus Lindenhonigsüße und säuerlichen Noten des Traubenmosts auf. So ein Pineau des Charentes ist schwer vergleichbar, ich würde ihn tatsächlich am ehesten irgendwo zwischen Weißwein und trockenem Met verorten. Im Vergleich zu Dessertweinen fällt er jedenfalls nicht süß genug aus.

Abgang: leichte Gewürze und eine zurückhaltende Traubenmostsäure, dazu etwas Honig

Mir gefällt der Pierre Ferrand Pineau des Charentes durchaus gut – und neben seiner klassischen Verwendung als Aperitif kann ich ihn mir natürlich auch als Cocktailzutat gut vorstellen (was ich weiter unten noch konkretisiere). Hier kann er durchaus verschiedene Rollen bekleiden, ich würde ihn aber vor allem in die Nähe mancher Sherrys rücken (auch das greife ich weiter unten auf), er kann aber auch durchaus Wermut- oder Madeirarollen übernehmen, vorausgesetzt man stimmt ihn adäquat auf die Rezeptur ab.

Als zweite Flasche habe ich – wie bereits angekündigt – den Plantation Black Cask Barbados & Fiji vor mir stehen. Wie auch der in der Vergangenheit hier schon vorgestellte Plantation Black Cask N°3 handelt es sich dabei um einen Blend aus Rums zweier verschiedener Herkunftsländer. Und auch hier ist wieder Barbados eines dieser Länder. Dazu kommt nun Rum aus Fiji (abermals aus der South Pacific Distillery), was mich besonders aufhorchen lässt, denn der Plantation Vintage Edition Fiji 2009 hat mich (und seitdem auch nicht nur mich) wirklich begeistern können. Ein genaues Alter wird hier einmal mehr nicht verraten, lediglich, dass die Rums in ihren jeweiligen Herkunftsländern bereits einige Jahre reiften. Auch wie lang die für Plantation obligatorische Nachreifung in Cognacfässern dauerte, ist nicht angegeben. Abgefüllt wird jedenfalls mit unkomplizierten 40% vol.

Tasting Notes:

Aroma: Eine verführerische Vanille paart sich sogleich mit einem duftenden Obstkorb voller Früchte. Hier finde ich vor allem Pfirsiche, Bananen und Nuancen einer überreifen Mango. Gewürze kommen ebenfalls zum Vorschein (Muskat, ein Hauch von Nelke) wie die Eichennoten des Fasses, wobei letztere eher hintergründig bleiben.

Geschmack: Der Plantation Black Cask Barbados & Fiji kommt recht weich und ausgewogen daher, der Alkohol ist kaum präsent, wenn auch nicht gänzlich verborgen. Er transportiert auch hier zunächst Vanille mit hellen Früchten (wieder Pfirsiche, zudem helle Trauben), aber auch Assoziationen von Nüssen. Mit der Zeit wandelt sich die Vanille mehr in Richtung von Toffee, ich muss aber auch an Zuckerwatte denken.

Abgang: relativ lang mit gegorenem Obst, eher trocken

Wie gesagt, ein gemeinsamer Cocktail war zunächst überhaupt nicht meine Intention, hat sich dann aber doch ergeben. Verbindungselement ist hier ein Sherry, genau genommen der Lustau Almacenista Manzanilla Pasada de Sanlúcar, der mit seinen schönen Walnuss- und Trüffelnoten ganz hervorragend den Pineau des Charentes und den Rum an die Hände nimmt. Abgerundet habe ich den Drink dann noch mit 2 Dashes der Dr. Sours Bitters #7 Orange, die mit ihrem leichten Rauch und den sehr aromatischen Orangentönen hier wirklich hervorragend funktionieren. Inwiefern ein anderer Manzanilla Sherry oder andere Orange Bitters hier funktionieren, kann ich nicht mit letzter Gewissheit sagen, aber denkbar ist es natürlich auch. Der Drink heißt übrigens Corrino Cocktail – benannt nach dem Familiennamen einer Dynastie in Frank Herberts Dune-Zyklen. Einen tieferen Sinn dahinter gibt es nicht, abgesehen davon, dass ich gerade in diesem Buch gelesen habe, als ich ihn trank.

Rezept „Corrino Cocktail“:

4,5 cl Plantation Black Cask Barbados & Fiji
2,5 cl Pierre Ferrand Pineau des Charentes
1,5 cl Lustau Almacenista Manzanilla Pasada de Sanlúcar
2 Dashes Dr. Sours Bitters #7 Orange

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis in einem Rührglas kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen. Zuletzt mit dem Öl einer Zitronenzeste besprühen.

Glas: Coupette

Garnitur: Zitronenzeste

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

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