Elephant Sloe Gin & Sloegroni

Wann immer ich ein Gin-Tasting moderiere, stehe ich vor der schwierigen Frage der richtigen Auswahl an Gins. Dabei hängt es letztlich stark davon ab, was man eigentlich genau mit dem Tasting bezwecken will: Soll es um eine möglichst große Bandbreite verschiedener Ginstile und –geschmäcker gehen? Sollen vielleicht eher die Feinheiten unterschiedlicher London Dry Gins im Fokus stehen? Beschränkt man sich auf das Label „Dry Gin“ und geht einen Mittelweg? Eine richtig Entscheidung zu treffen, ist dabei gar nicht immer so einfach. (zugesandtes Testprodukt)*

Das hängt natürlich auch maßgeblich mit der Erwartungshaltung der Teilnehmer zusammen. Wenn sich so ein Tasting-Seminar an Einsteiger richtet, wähle ich meist die etwas größere Bandbreite, um auch ein wenig Werbung für die Vielfalt im Ginsegment machen zu können. Doch auch hier ist eine Frage stets schwer zu beantworten: Soll ich einen Sloe Gin mit ins Boot holen?

Die Frage ist deshalb schwer, weil Sloe Gin ja nunmal eigentlich gar kein Gin ist. Dennoch hat er natürlich irgendwo einen Platz in der Geschichte des Gins verdient und daher landet er schließlich doch auch ab und an als Schlusspunkt auf meinen Verkostungslisten. Aber der Reihe nach:

Sloe Gin stammt ursprünglich – wie könnte es anders sein – aus England, wo er meist durch das Versetzen frischer Schlehenfrüchte mit Gin und Zucker hergestellt wurde. Ganz so einzigartig britisch ist er allerdings dann doch nicht, denn unter dem Namen Schlehenfeuer oder Schlehenlikör existiert er auch historisch im deutschsprachigen Raum und auch andere kontinentaleuropäische Länder stellen traditionell Schlehenliköre her. Das Besondere hier war eben nur, dass man in England meist Gin als Spirituosenbasis verwendete. Und wenn ich schreibe „meist“, dann ahnt man schon, dass dies nicht wirklich flächendeckend der Fall war und auch nicht flächendeckend der Fall ist (es muss überhaupt kein Gin darin enthalten sein, was natürlich seltsam ist – und ein solcher Sloe Gin hätte natürlich auch bei einem Gin-Tasting nichts verloren). Dennoch schützt die Europäische Union mit Blick auf die historischen Wurzeln den Begriff Sloe Gin und schreibt vor, dass hier mindestens 25% vol. enthalten sein müssen und der Likör durch die Mazeration mit Schlehenfrüchten hergestellt werden muss. Es handelt sich also gewissermaßen um die einzige Spirituose, die den Namen „Gin“ auf dem Etikett tragen, aber weniger als 37,5% vol. aufweisen darf.

Der Sloe Gin, den ich heute unter die Lupe nehmen möchte, ist der Elephant German Sloe Gin. Über Elephant Gin habe ich bereits vor längerer Zeit einmal einen kurzen Artikel verfasst, auf den ich an dieser Stelle auch nochmals verweisen möchte. Der norddeutsche, afrikanische inspirierte Gin wurde nun für den Elephant Sloe Gin mit frischen Schlehenfrüchten und Zucker versetzt und anschließend nicht wieder gefiltert. Daher weist diese Abfüllung auch eine leichte Trübung auf. Mit recht üppigen 35% vol. sticht der Elephant German Sloe Gin allerdings aus der Reihe sonstiger Sloe Gins recht vielversprechend und voll Selbstvertrauen hervor. Auch soll der Zuckergehalt etwas geringer als bei anderen Vertretern des Genres ausfallen, was natürlich aufhorchen lässt. Überprüfen wir das Ganze doch einmal!

Tasting Notes:

Aroma: Schöne, warme Schlehentöne mit Assoziationen dunkler Pflaumen, reifer Kirschen, Zimtrinde und etwas Vanille sind die ersten Eindrücke, die mir bei der Verkostung in den Sinn kommen. Auch eine gewisse, säuerliche Komponente ist mit von der Partie, die Ginbasis bleibt hingegen deutlich im Hintergrund. Nuancen von Nelken, Muskat – im Grunde das volle Potpourri von Weihnachtsgewürzen ist vernehmbar.

Geschmack: der recht geschmeidige Elephant Sloe Gin bringt natürlich eine spürbare Süße mit, die aber nicht unangenehm ausfällt, vielmehr bindet sie die Säure der Früchte gut ein und transportiert schöne, dunkle Fruchtnoten (allen voran natürlich Schlehennoten). Untrennbar ist aber auch am Gaumen der Geschmack von weihnachtlichen Gewürzhen präsent, der an Lebkuchen und Spekulatius denken lässt. Ein schöner, aromatischer Sloe Gin.

Abgang: Im Abgang verweilen vor allem Gewürztöne und eine fruchtige Säure

Als Cocktail denke ich hier natürlich sofort an einen Sloe Gin Silver Fizz – ein großartiger Cocktail, den ich sehr schätze. Ich wollte aber gerne auch einmal einen Drink ausprobieren, dem ich mich bisher noch nicht widmen konnte: den Sloegroni. Hier existieren (wenig verwunderlich) verschiedene Varianten, entschieden habe ich mich aber für die sehr vielversprechende Version von Svetlana Holz aus dem Le Lion in Hamburg. Einziger Unterschied: Sie verwendet eigentlich 1,5 cl Sloe Gin aus dem Hause Plymouth, da dieser allerdings etwas süßer als der Elephant ausfällt, habe ich die Gewichtung leicht verändert und diesen durch 2 cl des Elephant German Sloe Gin ersetzt und dafür den Americano-Anteil leicht reduziert.

Rezept „Sloegroni“ (leicht veränderte Variante):

3 cl Citadelle Reserve
3 cl Cocchi Rosa Americano
2 cl Elephant German Sloe Gin
1,5 cl Campari

Zubereitung: Alle Zutaten zunächst auf Eis im Rührglas kalt rühren und schließlich auf ein großes Eisstück im Tumbler abseihen.

Glas: Tumbler

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online, z.B. bei Conalco.

*Die Flasche für dieses Review wurde mir von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet jedoch nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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