El Ron Prohibido Gran Reserva 15 & Forbidden Pear

Heute geht es um etwas “Verbotenes”: den El Ron Prohibido. Dieser ist natürlich inzwischen längst nicht mehr verboten, blickt aber auf eine Geschichte zurück, die den merkwürdig anmutenden Namen erklärt. Ursprünglich wurde das Melassedestillat in Mexiko hergestellt und von dort aus über die kubanische Hauptstadt Havanna nach Spanien geschifft. Weil der Rum dabei so erfolgreich war, dass spanische Spirituosenproduzenten in Mitleidenschaft gezogen wurden, verbot der spanische König kurzerhand den Rum. Soweit erzählt es uns die Marketinggeschichte. (zugesandtes Testprodukt)*

Natürlich ist diese Geschichte sehr zugunsten des Produktes aufgebauscht worden, denn inwiefern tatsächlich ein illegaler mexikanischer Rum die spanische Spirituosenindustrie bedrohte, lässt sich wohl kaum gänzlich ermitteln. Zudem muss natürlich auch die Frage aufgeworfen werden, was der heutige El Ron Prohibido mit jenem verbotenen Rum der Geschichte noch gemein hat. Aber das soll auch heute nur am Rande interessieren, denn im Kern möchte ich natürlich den Rum auf Herz und Nieren prüfen.

Der El Ron Prohibido Gran Reserva 15 ist ein mexikanischer Solera Blended Rum, der aus Melasse destilliert wird. Und damit muss ich im Grunde direkt mit einer Kritik einsetzen: Wie auch schon in meinem Artikel über den Ron Cihuatán Solera 8 erwähnt, ist das mit einer Solera und einer dazugehörigen Altersangabe so eine Sache. Böse Zungen behaupten gar, man werde hier bewusst in die Irre geführt. Denn fest steht in jedem Fall: Dieser Rum ist nicht wirklich 15 Jahre alt, auch wenn man das angesichts seiner Bezeichnung vielleicht meinen könnte. Besonders im zentral- und südamerikanischen Raum wird hier mit den Altersangaben gerne etwas „gespielt“. Zum Teil liegt das an sehr laschen Gesetzesrahmenbedingungen, die eine Altersangabe auf dem Etikett schon dann erlauben, wenn nur ein kleines Tröpfchen des entsprechenden Alters in einer Flasche enthalten ist, zum anderen liegt es aber eben oft am Soleraverfahren, bei dem immer nur ein Teil des Rums wirklich das entsprechende Alter aufweist. Wer beim El Ron Prohibido Gran Reserva 15 also wirklich einen verlässlichen Vergleich bezüglich der Reifedauer mit anderen gereiften Spirituosen wie Scotch Whisky, Bourbon oder Rums anderer Nationen wie bspw. Jamaika sucht, der muss quasi enttäuscht werden.

Ich muss gestehen, so richtig weiß ich noch nicht, was ich von dieser Flasche erwarten soll. Abgefüllt wird der El Ron Prohibido Gran Reserva 15 mit 40% vol., Messungen haben allerdings ergeben, dass hier stolze 38g Zucker pro Liter hinzugegeben worden sind. Das ist schon ein relativ beträchtlicher Wert. Nunja, schauen wir doch mal.

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase vernehme ich braunen Zucker, Karamelltöne, dunklen Kuchenteig, der mich an Zupfkuchen denken lässt, sowie subtile Zitrustöne. Eine gewisse alkoholische Note ist ebenfalls zugegen, von der ich nicht so recht sagen kann, ob ich sie als störend empfinde.

Geschmack: der El Ron Prohibido Gran Reserva 15 ist süß, wirklich süß. Ein Rum, den man sofort als sog. „Süßrum“ kategorisieren kann. Die Süße fällt dabei leider jedoch auch ein wenig pappig aus und ist sehr einnehmend. In Kombination mit einer gewissen, metallischen Jugend erinnert er mich manchmal ein wenig an die Charakteristik von Süßstofftabletten. Dazu gesellt sich jede Menge Schokolade. Aber obwohl man angesichts der dunklen Schokoladentöne und der Farbe des Rums vielleicht etwas anderes erwarten könnte, so kann der El Ron Prohibido einfach nicht verbergen, dass seine 15 Jahre eben keine wirklichen 15 Jahre sind. Ein optischer Methusalem entpuppt sich hier eher als Schulkind. Freunden von schokoladigen Süßrums kann ich diesen Rum dennoch empfehlen, meinem inzwischen immer mehr sensibilisierten Geschmack kommt er allerdings nicht so wirklich entgegen. (In einer Zeit, in der ich z.B. auch über den Ron Botucal Reserva Exclusiva geschrieben habe, hätte ich hier vermutlich weniger Anstoß genommen.)

Abgang: süß, immer noch etwas pappig mit Karamell- und Schokoladentönen

Tja, dieser Rum ist offen gesagt für mich definitiv keine große Verlockung für den Purgenuss, hier würde ich doch eher zu anderen Rums greifen. Mit unter 30 Euro pro Flasche ist der Rum allerdings auch nicht unsäglich teuer – und für den Einsatz in Cocktails durchaus brauchbar, wie ich mit dem „Forbidden Pear“ hoffentlich zeigen kann. Dieser Drink, auf den mich ein Freund mit einem Artikel in einer Zeitschrift brachte, passt aromatisch ganz wunderbar in die Advents- und Weihnachtszeit und sei zur Nachahmung empfohlen!

Rezept „Forbidden Pear“:

6 cl El Ron Prohibido Gran Reserva 15
2,5 cl Limettensaft
1,25 cl Zuckersirup
2,5 cl Birnensaft aus dem Entsafter (falls fertiger “Nektar” verwendet wird, muss der Zuckersirupanteil deutlich gesenkt werden)
2 Dashes By the Dutch Ginger Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker auf Eis kräftig schütteln und doppelt ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: gehobelte Birnenscheibe

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online, z.B. bei Conalco.

*Die Flasche für dieses Review wurde mir von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet jedoch nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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