Pure Spirits: Ron Cihuatán Solera 8 & Old Bill

Die Welt des Rums ist eine schillernde, chaotische und natürlich auch faszinierende Sparte des internationalen Spirituosenmarktes. Es ist schwer, genau anhand eines Jahres zu benennen, wann Rum für mich selbst erstmalig wirklich interessant wurde, in jedem Fall zähle ich aber zu den Leuten, die letztlich über den Umweg des Whiskys auf den Rum aufmerksam wurden. Und seitdem hat sich eine ganze Menge auf dem Rummarkt getan. Sowohl was das Angebot, aber auch was die Nachfrage betrifft. (zugesandtes Testprodukt)*

Vermutlich ist es inzwischen gute 5 Jahre her, dass ich mich erstmalig tiefergehend mit Rum beschäftigt und ein wenig hinter die bloße Oberfläche des Zuckerrohrdestillats geblickt habe. Im Vergleich zum weitestgehend klar regulierten Whisk(e)ymarkt war der Eintritt ins Rumsegment entsprechend chaotisch und verwirrend. Eine Fülle nationaler Bestimmungen, die ohne vergleichbare internationale Handelsorganisationen nebeneinander existieren (und im Vergleich deutlich lockerere EU-Richtlinien) machen im Bereich „Rum“ so einige Dinge möglich, die die Whiskyanbieter schlicht rechtlich nicht umsetzen dürften und die die meist streng puristisch geprägte Whiskygemeinde auch sicher weniger gutheißen würde. Vor diesem Hintergrund ist vor allem die nachträgliche Süßung von Rum ein Thema geworden, das die Rum-Community mitunter spaltet. Lehnen einige gesüßte Rums kategorisch ab und fordern mitunter vehement eine Reformierung der Richtlinien für den Vertrieb von Rum innerhalb der EU, treten demgegenüber auch regelrechte Verfechter der sogenannten „Süßrums“ für ihre liebgewonnenen, süßeren Tropfen ein. Ein Grabenkampf, der argumentativ mitunter vielschichtig ist, der allerdings sicherlich aufgrund von unklaren und lockeren Deklarationspflichten seine Daseinsberechtigung hat. Wie dem auch sei: Auch für mich war das Thema der nachträglichen Süßung lange ein unbekanntes, bis schließlich maßgeblich durch die Veröffentlichung von Analyseergebnissen schwedischer und finnischer Behörden die Rolle der Empörung losrollte. Vor allem südamerikanische Rums, die zuvor großes Prestige genossen (z.B. Zacapa, Ron Botucal), aber auch sich sehr gut verkaufende „Exoten“ wie der philippinische Don Papa Rum waren plötzlich als Zuckerbomben entlarvt, denen teilweise sogar noch über Zucker hinausgehende Geschmacksstoffe zugesetzt werden.

Während mehr oder weniger streng regulierte Karibikstaaten wie z.B. Jamaika oder Barbados (allen voran die nach dem französischen AOC regulierten französischen Überseegebiete mit ihren Rhum Agricoles) gesetzlich keine nachträgliche Zuckerung möglich machen, ist besonders südamerikanischer Rum in Verruf geraten. Wie stehe ich nun zu der ganzen Angelegenheit? Nun, auch ich würde mir eine transparente Deklarationspflicht nachträglichen Süßens wünschen und ich muss auch offen zugeben, dass ich mir als Konsument im Zuge dieser Enthüllung ein wenig hintergangen vorkomme, dennoch muss ich aber gestehen, dass ich auch ab und an einen „Süßrum“ sehr zu schätzen weiß. Ob es nun vermessen ist, diesen unter dem Namen „Rum“ oder nicht zu genießen, sei einmal dahingestellt.

Warum erzähle ich das alles? Nun, ich möchte heute nach langer Zeit einmal wieder einen Blick auf einen Rum aus Südamerika werfen. Genau genommen auf einen Rum aus El Salvador, was nun wahrlich nicht die erste Adresse ist, die einem Rumkenner zum Thema einfallen würde. Von dort stammt der Ron Cihuatán aus der Destillerie Licorera Cihuatán, wo erst seit 2004 Rum hergestellt wird (der erste kommerziell vertriebene Rum El Salvadors). Cihuatán bedeutet so viel wie “neben der Frau” und ist dem Namen einer archäologischen Stätte entnommen, die unweit der Destillerie von der Maya-Pipil Kultur zeugt, die hier ihren Wirkungskreis hatte. Nach eigenen Angaben wird den Rums aus der Licorere Cihuatán Zucker um die 23g pro Liter zugegeben (nachgemessen habe ich das nicht). Die Flasche, die ich hier heute rezensieren möchte, trägt die Altersangabe „8 Jahre Solera“. Auch hier wird mancher Freund klarer Vorgaben die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denn bei der ursprünglich aus der andalusischen Sherryproduktion stammenden Solerareifung werden mehrere Fassreihen unterschiedlichen Alters übereinandergestapelt (für diesen Rum allesamt ehemalige Bourbonfässer) und nach der Entnahme von Rum aus den ältesten Fässern in der unteren Reihe diese wieder mit Rums aus den darüber liegenden Reihen aufgefüllt usw. Es ist also immer nur ein Teil des Rums wirklich 8 Jahre alt bzw. je nach Häufigkeit der Entnahme auch keine gleichbleibende Alterskonzentration garantiert.

Viele kritische Anmerkungen, die trotzdem hinter der eigentlichen Verkostung zurückstehen sollen. Wie schneidet der Ron Cihuatán Solera 8 Jahre nun also in der Verkostung ab?

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase zeigen sich schöne, tiefe Aromen von Vanille, Toffee, Orangen und feinen Gewürzen (wie z.B. Zimt, Muskatnuss und Nelken) sowie etwas Röstkaffee.

Geschmack: Eines zuallererst: für einen „Süßrum“ fällt die Süße doch relativ dezent aus. Hier hat man es nicht einem pappig-klebrigen Rum der Marke A.H.Riise zu tun. Die Ähnlichkeiten zu beispielsweise einem Ron Zacapa sind allerdings nicht zu verleugnen: Vanille, eine feine Kaffeenote, ein Hauch Kokos und Gewürz, dazu subtile Eichentöne, Anklänge von Orange. Eine gewisse Jugend merkt man dem Rum dennoch an: Er macht etwas früher schlapp als manch älterer Vertreter und verflacht etwas zuungunsten eines lang anhaltend komplexeren Aromas. Dennoch schmeckt mir dieser Rum, auch wenn er sicher nicht zu meinem Allzeitfavoriten wird.

Abgang: eher mittellang bis kurz mit Gewürzen, v.a. Vanille und etwas Kaffee

Natürlich ist auch der Einsatz in einem Cocktail hier interessant. Dazu habe ich mich für einen gerührten Cocktail entschieden, der stark von einem Drink namens Old Bill inspiriert wurde, den Neya White in San Francisco erstmalig kreierte. Meine Variante besteht aus Ron Cihuatán, Pedro Ximenez Sherry, Manzanilla Sherry, Spanischem Brandy, Maraschino und Orange Bitters.

Rezept „Old Bill (my way)“:

2 cl Ron Cihuatán Solera 8 Jahre
1 cl spanischer Brandy
1 cl Pedro Ximenez Sherry
0,5 cl Manzanilla Sherry
1,5 cl Maraschino
3 Dashes Orange Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis im Rührglas kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Martini

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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