Conde de Cuba Rum

Kubanischer Rum genießt einen ausgezeichneten Ruf. Nicht nur in den USA, wo insbesondere die Marke Havana Club sinnbildlich für die eingeschränkte Verfügbarkeit von Rum aus der sozialisitischen Karibikinsel steht. Unter den spanischsprachigen Rumnationen gilt Kuba als vorbildliche, solide, klassische Größe. Eine verlässliche und strikte Rumgesetzgebung garantiert daher Qualität und verhindert explizit die Zugabe irgendwelcher künstlichen Geschmacksstoffe. Und auch wenn die Zugabe von Zucker nicht explizit ausgeschlossen wird, so ist sie nicht die Regel. (zugesandte Testprodukte)*

Vor allem wird kubanischem Rum aber ein bestimmtes Aromen- und Geschmacksprofil zugeschrieben, dass meist als leicht, blumig und sehr ausbalanciert beschrieben wird. Jetzt könnte man vielleicht erwarten, nach einem solchen Satz lasse ich nun etwas davon Abweichendes folgen und schreibe über einen kubanischen Rum, der aus der Reihe tanzt, doch das habe ich gar nicht vor. Stattdessen möchte ich heute eine Gruppe kubanischer Rums rezensieren, die relativ exemplarisch für die Rumnation stehen, aber international noch keinen so hohen Bekanntheitsgrad aufweisen wie andere Marken.

Conde de Cuba ist der Name jener Abfüllungen, die aus der „The Ron Sevilla Factory“ aus Las Tunas im Südosten Kubas stammen, wo man seit 1946 Rum brennt. Ganz im Einklang mit kubanischem Gesetz stellt man den Rum vollständig aus heimischem Zuckerrohr her. Die Sorte „Medialuna“ wird hier auf den eigenen Plantagen angebaut und auch dort zu Rum verarbeitet. Man kocht den frischen Zuckerrohrsaft zur Produktion von Melasse und lässt schließlich in großen Tanks mit eigenen Hefekulturen fermentieren. In der Ron de Cuba Reihe existieren verschiedene Abfüllungen und im Folgenden will ich hier einmal genauer hinschauen.

Conde de Cuba Silver Dry

Der Conde de Cuba Silver Dry ist die „ungereifte“ Qualität aus der Reihe, also der weiße Rum. So ganz stimmt das mit der Ungereiftheit allerdings auch hier nicht (erst kürzlich berichtete ich im Rahmen des Artikels über den Veritas White Blended Rums darüber), denn man vermählt hier auch gereifte Rums miteinander und filtriert im Anschluss nochmals, daher die weiße Farbe. Mit lediglich 38% vol. ist dieser Rum (wie auch die anderen Rums der Reihe) für meinen Geschmack vielleicht ein wenig schwach auf der Brust, aber möglicherweise werde ich ja hier eines Besseren belehrt.

Tasting Notes:

Aroma: Der Conde de Cuba Silver Dry bietet eine sehr leichte Nase. Vanille und Nuancen von Kokos steigen auf, wirklich vielschichtig und intensiv ist das aber nicht. Hier hat man es aber wohl auch weniger mit einer klassischen „Sipping“-Spirituose zu tun.

Geschmack: Auch am Gaumen ist dieser Rum schlank, schlicht und mild mit Vanille, wieder Assoziationen von Kokos und einer gewissen Cremenote.

Abgang: kurz und weich

Gut, es ist sicherlich nicht der beste weiße Rum, den ich bisher probiert habe. An die Qualität eines Veritas White Blended Rum oder auch die eines Plantation Three Stars kommt er nicht heran. Wer aber einen unkomplizierten, leichten Rum sucht und hier natürlich vor allem an den Einsatz in Drinks denkt, der wird nicht viel falsch machen können. Ich habe ihn jedenfalls in einem Ron Collins eingesetzt und war zufrieden.

Rezept „Ron Collins“:

5 cl Conde de Cuba Silver Dry
2 cl Limettensaft
1,5 cl Zuckersirup
Sodawasser

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf das Sodawasser in einem Shaker kräftig schütteln und in ein mit frischem Eis gefülltes Glas geben. Mit Sodawasser aufgießen.

Glas: Highball

Garnitur: Limettenachtel

Conde de Cuba 3 Años

Der Conde de Cuba 3 Años ist nun die nächsthöhere Reifestufe, die drei bis vier Jahre in Eichenfässern reifen durfte (dass hier keine direkt aus den USA importierten Ex-Bourbon-Fässer verwendet wird, verwundert angesichts der angespannten Beziehungen zwischen den USA und Kuba vermutlich wenig. Stattdessen regelt der Gesetzgeber in Kuba hier, dass v.o. schottische oder auch irische Ex-Whisk(e)y-Fässer verwendet werden – die natürlich möglicherweise davor aus den USA stammten).

Tasting Notes:

Aroma: So richtig viel will sich hier in der Nase noch nicht zeigen. Der Ersteindruck ist wirklich sehr leicht, leichte Eichennoten mischen sich mit einem gewissen, feinen Kräuterton. Assoziationen von Vanillecreme gehen mir flüchtig durch den Kopf.

Geschmack: Auch am Gaumen ist dies ein sehr milder und feiner Rum mit einem recht schmalen Körper. Eine cremige Vanille, etwas Eichenholz, Zimt und Orangennoten sind alles, was ich hier finde. Auch das ist kein wirklich ausgemachter Sippingrum, wohl aber ein solider Dreijähriger.

Abgang: relativ kurz und überraschend trocken

Mit seinen drei Jahren ist der Conde de Cuba 3 Años noch sehr nah am Silver Dry, weshalb ich mich auch für einen sehr interessanten Drink entschieden habe, der auf einen weißen Rum gemünzt ist. Der „Lilli“ ist ein Cocktail von Davide Demarchi, den ich im Cocktailian Band 2 über Rum und Cachaça  entdeckt habe. Die Kombination von weißem Rum mit Rosmarin und Salbei ist eine tolle Sache und hier harmoniert der dreijährige Conde de Cuba wirklich gut!

Rezept „Lilli“:

6 cl Conde de Cuba 3 Años
3 cl Zitronensaft
2 cl Zuckersirup
1 Rosmarinzweig
3-4 Blätter Salbei
Sodawasser

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf das Sodawasser mit Eiswürfeln im Shaker für ca. 10 bis 15 Sekunden schütteln und schließlich ohne abzuseihen komplett in das vorgekühlte Glas geben. Nur noch mit Sodawasser auffüllen.

Glas: Highball

Garnitur: keine

Conde de Cuba 5 Años

Beim Conde de Cuba 5 Años weist der Hersteller eine Produktion im Solera-Verfahren aus. Und das ist leider – entgegen meiner Vorschusslorbeeren für kubanische Rums – nicht wirklich ein Pluspunkt, v.a. nicht hinsichtlich der Produkttransparenz. Etwas mehr bin ich hierauf im Kontext meiner Rezension zum Ron Cihuatán Solera 8 eingegangen. Dennoch: im Endeffekt entscheidet für mich natürlich etwas anderes!

Tasting Notes:

Aroma: Solera hin oder her, mehr Reife zeigt sich hier im Vergleich zum Dreijährigen allemal. Besonders die Orangentöne kommen stärker zur Geltung, auch werden die Kräuter betont: hier finde ich vor allem etwas Salbei. Ansonsten mischen sich Karamell, Eiche, Muskat und etwas Zimt zu einem insgesamt recht ansprechenden, dabei aber immer noch sehr leichtem Rum.

Geschmack: Relativ süffig, aber nicht sonderlich komplex. Orange und Vanille geben sich hier die Hand, Gewürznoten von den Fässern sind ebenfalls zugegen und bieten einen sehr unkomplizierten Rumgenuss.

Abgang: etwas länger als beim Dreijährigen, v.a. mit Gewürzen und Eiche

Conde de Cuba 15 Años

Tja, fast bin ich schon am Ende der kleinen Vorstellungsrunde angelangt, denn mit dem 15jährigen Conde de Cuba habe ich gewissermaßen eine kleine Probe des Premiumflaggschiffs der Reihe vor mir stehen. Es gibt aber auch noch eine sieben- und eine elfjährige Variante, auf die ich heute nicht eingehen kann. Daher soll zunächst der 15-jährige für sich sprechen:

Tasting Notes:

Aroma: Das deutlich höhere Alter macht sich in Intensität und Komplexität sofort bemerkbar. Eichentöne sind überdeutlich und bringen eine ganze Ladung von Gewürzen mit sich: Zimt und Muskatnuss sind wieder mit dabei, subtile Nelke, Vanille, Safran und ein ganz feiner Rauch kommen zudem hindurch. Von Fruchtnoten ist hier nichts mehr zu finden, dafür ein reichhaltiger Honig, Karamell und Kaffee.

Geschmack: Am Gaumen zeigt sich ein ähnliches Bild, denn auch hier findet sich im Grund keinerlei Frucht mehr, dafür würzige Eiche mit einer Ladung Gewürze, Vanille und Karamell, Honig, Milchschokolade, Kaffee und Zimt. Ein schöner Rum, der als Sippingqualität überzeugt und dabei dennoch gekonnt das leichtfüßige Kuba-Flair herüberbringt.

Abgang: langanhaltend mit Gewürzen und Eiche

Conde de Cuba Elixir

Beim Conde de Cuba Elixir haben wir es nicht mehr wirklich mit einem Rum zu tun, sondern mit einem Punch au Rhum, wie es auch das Etikett ausweist. Man hat also nebst reichlich Zucker noch regionale Gewürze und Früchte hinzugegeben, die im Detail allerdings nicht genannt werden. Mit lediglich 32% vol. fällt der Conde de Cuba Elixir daher auch deutlich schwächer aus.

Tasting Notes:

Aroma: Man riecht die Süße, gar keine Frage. Dennoch bleibt auch der Conde de Cuba Elixir eher zurückhaltend und leicht in seinem Auftreten. Die volle Ladung Frucht und Gewürz, die ich zunächst beim Begriff „Punch au Rhum“ erwartet hatte, (in etwa wie beim Clément Créole Shrubb) zeigt sich hier nicht. Eher erinnert der Duft an Zuckerrohrsaft.

Geschmack: Süßlich, zuckrig und würzig. Hier hat man tatsächlich etwas im Glas, das auch eher subtil und leicht bleibt, dabei aber v.a. die Freunde süßer Geschmäcker ansprechen dürfte. Wenn man bedenkt, dass manch eine Spirituose unter dem Namen „Rum“ verkauft wird, die deutlich süßer als der Conde de Cuba Elixir daherkommt, dann kann man problemlos eine Empfehlung an Freunde solcher „Süßrums“ aussprechen.

Abgang: zuckrig mit Gewürzen, mittellang

Auch hier war ich neugierig auf einen Cocktail und habe mich an eine Variante des Daiquiri gewagt, in der der Conde de Cuba nebst frischer Minze und Pierre Ferrand Dry Curacao einen eigenen Akzent setzen sollte. Die Variante hört schlicht auf den Namen: Las Tunas Daiquiri, um die Herkunftsregion des Conde de Cuba zu ehren.

Rezept “Las Tunas Daiquiri”:

3 cl Conde de Cuba Silver Dry
3 cl Conde de Cuba Elixir
0,5 cl Pierre Ferrand Dry Curacao
3 cl Limettensaft
1,5 cl Zuckersirup
6 Blätter frische Minze

Zubereitung: Alle Zutaten kräftig auf Eis schütteln und schließlich doppelt ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: keine

Alles in allem erfinden die Conde de Cuba Rums sicherlich nicht das Rad neu und auch wenn mit dem 15-jährigen hier schon auch ein wirklich empfehlenswerter Sipping Rum zur Verfügung steht, so denke ich doch vor allem an Cocktails im Zusammenhang mit der Reihe. Das soll nicht einmal eine qualitative Degradierung der Rums darstellen (noch soll es heißen, Sipping-Spirituosen hätten im Gegenzug keinen Platz in Cocktails), sondern einfach nur verdeutlichen, dass mit den Conde de Cuba Rums eine Menge anzufangen ist, wenn man nicht den Anspruch verfolgt, hier in der Purverkostung reihenweise die Konkurrenz auszustechen.

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.