Veritas White Blended Rum & Jabon Candado

Wer sich gänzlich neu auf das Parkett qualitativer Spirituosen wagt, der wird zwangsläufig ziemlich schnell mit einigen grundlegenden Basics in Berührung kommen. So z.B. dem Unterschied zwischen gereiften und ungereiften Spirituosen bzw. weißen und braunen. Dies kommt natürlich besonders bei den Spirituosenarten zum Tragen, die sowohl in ungereifter als auch gereifter Form angeboten werden. Und unter jenen Destillaten ist wohl mit Abstand der Rum der größte und bekannteste Vertreter. Da mag es vielleicht doch manchen verwundern, dass die Bezeichnung „ungelagert“ meistens gar nicht wirklich stimmt. (zugesandtes Testprodukt)*

Bereits Don Facundo Bacardí i Massó (ja, das war der Gründer der berühmten Rummarke) griff um 1860 zu einem Kniff: Er ließ seinen Rum für eine gewisse Zeit reifen bzw. lagern und anschließend durch Kohle filtrieren (bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte Pedro Diago auf Kuba Rum erstmalig gezielt in Tongefäßen reifen lassen). Sein weißer Rum war somit schlicht milder als der tatsächlich ungereifte weiße Rum der Konkurrenz, wies aber nicht die Trübung bzw. Färbung auf, die der Rum mit Diagos Reifemethode gezeigt hätte. Ein klarer Marktvorteil und der Grundstein für ein Rumimperium.

Heutzutage ist die Reifung bzw. Lagerung weißer Rums eher die Regel als die Ausnahme. Dabei wird allerdings meist zu Stahltanks gegriffen, so dass hier keine wirkliche Farbbeeinflussung stattfindet und dennoch eine gewisse Milde ins Destillat einziehen kann, die die Schärfe der Jugend ein wenig überdeckt. Dennoch gibt es auch weiße Rums, die für einen meist kurzen Zeitraum in Eichenfässern lagern dürfen und schließlich durch Aktivkohle wieder klargefiltert werden. Der Endverbraucher bekommt das alles meist gar nicht mit und freut sich schlicht über einen schmackhaften weißen Rum.

Die Flasche, die ich heute rezensieren möchte, geht hier bereits namentlich mit einem anderen Versprechen an den Start: Veritas – die Wahrheit also. Der Anspruch ist hier erwartungsgemäß, einen weißen Rum zu zeigen, wie er wirklich ist und aussieht. Der Blick auf die Flüssigkeit im Inneren entdeckt dementsprechend auch eine leichte Färbung. Aber es ist längst nicht nur der Verzicht auf eine Aktivkohlefiltrierung, die diesen Rum auszeichnet. Man hat sich hier offensichtlich vorgenommen, einen wahren Premium White Rum herzustellen! Der unabhängige Abfüller Habitation Velier aus Italien, der unter Rumkennern bereits ein Qualitätsversprechen verkörpert, greift mit dem erst in diesem Jahr (2018) erschienenen Veritas White Blended Rum zwei der renommiertesten Rumdestillen der Gegenwart auf, deren Destillate hier miteinander vermählt worden sind: die jamaikanische Hampden Distillery und die barbadische Foursquare Distillery. Abfüllungen beider Destillen erzielen regelmäßig gute Preise am Markt und werden oft mit Lob und Begeisterung überhäuft. Insofern versteht es sich von selbst, dass wir in diesem Zusammenhang nicht über eine nachträgliche Süßung oder gar eine Zugabe von Glycerin, Vanillin und Co reden müssen (wie es bspw. beim Don Papa Rum der Fall ist). Mit den beiden Destillen gehen hier auch zwei verschiedene Destillationsmethoden einher: Während der Foursquare-Anteil auf Säulendestillationsanlagen hergestellt worden ist (welche hier nach dem irischen Erfinder und Brennmeister Aeneas Coffey (1780–1839) auch als Coffey Stills bezeichnet werden), wurde in der Hampden Distillery auf den typischen Pot Stills gebrannt. Letztere sind vor allem für ein höheres Maß an aromatisch bedeutsamen Fuselölen (hier besonders die Carbonsäureester) bekannt. Abgefüllt wurde dann schließlich mit sehr vielversprechenden 47% vol. Kurzum: Auf dem Papier scheint man hier wirklich alles richtig gemacht zu haben und erfüllt somit – zumindest in der Theorie – all das, was sich ein Rum-Connaisseur von einem hochwertigen weißen Rum verspricht.

Tasting Notes:

Aroma: Wow, das ist mal eine Ansage für einen weißen Rum. Eine wundervoll intensive und aromatische Nase unterstreicht das Qualitätsversprechen der Hintergrundgeschichte dieses Rums. Vanille, Kokosblütenzucker, weiße Schokolade, dazu helle Fruchttöne (Mirabellen, Quitten, etwas subtile Ananas und Bananen) und subtile Wiesenkräuter. Hier steckt eine ganze Menge drin!

Geschmack: die 47% vol. bringen eine gewisse Kraft mit sich, transportieren dabei aber wunderbar süßliche Noten von Kokosblütenzucker, Vanille und wieder reichlich weißer Schokolade. Auch am Gaumen zeigen sich die hellen Früchte, bleiben aber etwas subtiler als in der Nase. Dafür kommen feine Gewürze wie Zimt und Muskat zum Vorschein, ein wenig gebackene Banane leitet den Abgang ein.

Abgang: für einen weißen Rum ungemein lang und würzig mit Vanille und der durchgehend präsenten, weißen Schokolade. Ein sehr schöner Tropfen, gar keine Frage!

Tja, natürlich liegt es nahe, diesen Rum in einem Daiquiri einzusetzen und seine Qualität wird sich hier auch ganz sicher bewähren. Dies gilt natürlich ebenfalls für die zahllosen Varianten dieses Cocktailklassikers. Auch z.B. in einem Chupacabras Daiquiri könnte ich mir den Veritas hervorragend vorstellen, da er genug Charakterstärke aufweist, um sich hier zu behaupten. Entschieden habe ich mich letztlich aber für eine etwas weniger bekannte Daiquirispielart, den Jabon Candado, der auf Seite 37 des Rezeptbüchleins „Bar Florida Cocktails – Obispo y Monserrate La Habana Cuba“ von 1937 auftaucht. Dort wird er unter seinem vollen Titel Jabon Candado (Ramoncito López special) aufgeführt. Neben der geschmacklichen Bühne, die dieser Cocktail einem guten weißen Rum wie dem Veritas überlässt, fiel meine Wahl aber auch vor dem Hintergrund der feinen, samtigen Textur des Drinks auf den Jabon Candado, die dem Veritas Rum ebenfalls sehr gut zu Gesicht steht.

Rezept „Jabon Candado“:

6 cl Veritas White Blended Rum
1,5 cl Limettensaft
ca. 2 Barlöffel weißer Rohrzucker
½ Eiweiß

Zubereitung: Alle Zutaten zunächst ohne Eis im Shaker einem „Dry Shake“ unterziehen. Schließlich Eis zugeben und nochmals kräftig schütteln. Schließlich ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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