Plantation Single Cask Guatemala XO & Plantation Single Cask Panama 12 Years – Guatemala Julep & The Rubeus

Dass es mit süd- und zentralamerikanischen Rums des Öfteren so eine Sache ist, habe ich in letzter Zeit immer einmal wieder erwähnt. Erst im kürzlich verfassten Artikel über den mexikanischen Ron El Prohibido 15 musste ich doch auch einiges an Kritik unterbringen, die sich vor allem um die Praxis des nicht deklarierten „Nachbesserns“ durch Zuckerzusatz oder gar den Zusatz von sog. „Weichmachern“ wie Glycerin o.ä. dreht. Eine sehr gute Möglichkeit, sich Rums aus diesen Nationen von einer anderen Seite zu nähern, sind vor diesem Hintergrund externe oder unabhängige Abfüller. (zugesandte Testprodukte)*

Und als solcher betätigt sich im großen Stil u.a. auch das Cognac-Haus Ferrand mit seinen „Plantation“-Abfüllungen, über die ich schon an vielen Stellen geschrieben habe. Wirklich enttäuscht haben mich Plantation-Rums bisher eigentlich noch nie, dem verantwortlichen Masterblender Alexandre Gabriel kann ich bisher einfach nur ein exzellentes Händchen attestieren. Und dass Plantation im Zuge der jüngeren Entwicklungen in der Rumgenießerschaft auch immer mehr auf Transparenz und Information setzt, gefällt mir ebenfalls ausgesprochen gut.

Deshalb möchte ich heute auch gleich zwei Flaschen unter die Lupe nehmen, die aus zwei verschiedenen Ländern aus eben jener Region stammen. Zum einen habe ich mit dem Plantation Single Cask Panama 12 Years einen Rum aus einem Land vor mir, aus dem ich bereits einen Plantation Rum aus der Vintage Edition hier verkostet und rezensiert habe. Zum anderen steht mit Plantation Single Cask Guatemala XO ein guatemaltekischer Rum vor mir, der noch einmal besonders neugierig macht. Denn kaum ein Land steht vielleicht so exemplarisch für den rasanten Aufstieg und auch den gewissen Fall von bestimmten Rums, welche sich sowohl als auch in den letzten Jahren ereignet haben. Natürlich führt hier kein Weg am Name Zacapa vorbei, welcher noch vor fünf Jahren an allen Orten für Begeisterungsstürme sorgte, inzwischen (nach Bekanntwerden der nachträglichen Beigabe von Zusatzstoffen und auch angesichts der dubiosen Altersangaben) aber auch so manches Mal verächtlich als „gepanscht“ verschmäht wird.

Daher möchte ich auch an dieser Stelle mit dem Plantation Single Cask Guatemala XO beginnen. Dieser Rum wurde in der auch unter dem Namen Darsa bekannten Distillery of Alcohols and Rums hergestellt, welche zur Industrias Licoreras de Guatemala gehört. Jenes Rum-Unternehmen steht auch hinter der Marke Ron Zacapa, aber auch hinter der Marke Botran. Laut guatemaltekischem Gesetz darf Rum dort nur aus fermentierter „Virgin sugar cane honey“ hergestellt werden. Dieser unterscheidet sich von Melasse dadurch, dass hier frischer, zuvor gefilterter Zuckerrohrsaft so lange gekocht wird, bis man einen Sirup mit mindestens 72% Zuckergehalt erhält. Insofern ist dies nicht zu verwechseln mit einem aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellten Rhum Agricole. Das genaue Reifungsalters dieses Rums ist nicht angegeben, wir erfahren lediglich, dass es sich um einen Rum handelt, der mehrere Jahre in ehemaligen Bourbonfässern reifte. Wer also hier einhundertprozentige Transparenz bei einem Guatemalteken sucht, wird entsprechend leider auch enttäuscht. Aber ihn deshalb auf die gleiche Stufe zu stellen wie andere zuvor benannte Rums des Landes, würde ihm nicht gerecht. Denn von Seiten des Hauses Ferrand erfahren wir hier durchaus noch einiges. So hat man ihn – wie üblich bei Plantation – in Frankreich noch nachreifen lassen. Und zwar genau ein Jahr in einem ehemaligen Cognacfass und ein weiteres Jahr in einem Fass, welches zuvor roten Pineau des Charentes enthielt. Das klingt tatsächlich überaus spannend. Auch in Sachen Zuckerzusatz – im Hause Ferrand „Dosage“ genannt – macht man Angaben: Mit 20g Zucker pro Liter fällt hier diese Dosage wieder etwas höher aus als bei den zuletzt hier im Blog vorgestellten Plantation Single Casks, im Vergleich beispielsweise zum Zacapaflaggschiff mit der ominösen Nummer 23 ist die Menge aber nur in etwa halb so hoch. Dennoch werde ich wohl auch hier leider nicht wirklich erfahren, wie ein ungesüßter guatemaltekischer Rum schmeckt. Abgefüllt wird schließlich mit 41,2% vol.

Tasting Notes “Plantation Single Cask Guatemala XO”:

Aroma: Röstkaffee mit einer cremigen Note, fast schon an Cappuccino erinnernd. Dazu kommt eine leichte Zitrusnote, die sich mit den Röstnoten verbindet und Erinnerungen an Cola aufkommen lässt. Aprikose und etwas Kokosblütenzucker kann ich zudem finden.

Geschmack: Auch am Gaumen sind die Noten von Kaffee, Cola und leichte Fruchtassoziationen von Zitronen, Johannisbeeren und etwas Kirsche unverkennbar. Eine gewisse Süße macht sich auch bemerkbar, diese fällt allerdings längst nicht so vordergründig aus wie z.B. bei einem Zacapa.

Abgang: Äpfel, Gewürze und Eiche und wieder Assoziationen von Cola, mittellang

Nun aber zurück nach Panama. Hier möchte ich gar nicht so weit ausholen wie beim Plantation Single Cask Guatemala XO, so dass ich mich hier direkt auf die inneren Werte konzentrieren will – aber natürlich nicht, ohne noch ein wenig auf den Entstehungsrahmen einzugehen. Dieser Rum stammt aus der Destille „Alcohols Del Istmo“, welche in der südlichen Provinz Herrera gelegen ist. Der Plantation Single Cask Panama 12 Years reifte für neuneinhalb Jahre in ehemaligen Bourbonfässern, bevor er dann in Frankreich einer Nachreifung unterzogen wurde. Und hier wird es einmal mehr spannend, denn diese erfolgte für das fast obligatorische eine Jahr in ehemaligen Cognac-Fässern, für weitere anderthalb Jahre aber in ehemaligen Fässern der schottischen Arran Whisky-Destillery. Und das freut mich ganz besonders! Nicht nur, weil ich mit zwei Freunden bereits die (damals leider noch nicht eröffnete und sich im Bau befindende) Arran Distillery besuchen konnte, sondern weil ich die Single Malts aus Lochranza wirklich gerne mag. Gesüßt wurde hier zwar auch, aber mit 6g pro Liter nur in sehr geringem Maße. Abgefüllt hat man den Rum schließlich mit 46,2% vol. – ich bin gespannt!

Tasting Notes “Plantation Single Cask Panama 12 Years”:

Aroma: Noten von noch rohem Mürbeteig mit feinem Zimt- und Muskateinschlag gesellen sich zu einer eher zurückhaltenden Süße. Würzige Eichennoten, Orangen und gebackene Birnen machen definitiv Lust auf den ersten Schluck.

Geschmack: Eher trocken, auch hier nur leichte Süße, Eichenholz, Anklänge von Gebäck und schöne, vielschichtige Gewürznoten mit Vanille und Süßholz. Die Arranfasseinwirkung zeigt sich von ungewohnter, aber voll gelungener Seiote. Orangenschalen und Nüsse sind ebenfalls zugegen. Gefällt mir ausgezeichnet!

Abgang: trocken, würzig mit Eiche, langanhaltend

Zwei Rums, zwei Cocktails – das ist an dieser Stelle meine Mission. Und hier habe ich mich für zwei relativ verschiedene, in sich aber nicht zu komplexe Ansatzweisen entschieden. Die Röstkaffee- und Colanoten des Guatemala XO ließen mich zunächst ganz intuitiv an eine geschmackliche Kombination mit Kirschen denken, was ich schließlich in einem Julep-Cocktail umgesetzt habe. Inspiriert wurde ich dabei vor allem vom Stagger Lee Julep, obwohl hier doch noch einiges anders läuft. Entscheidend ist etwas Tia Maria, welcher insbesondere die genannten Facetten im Rum wunderbar unterstreicht. Weil mir zu Guatemala neben Rum ohnehin Kaffee einfällt und mir kein innovativerer Name einfiel, habe ich den Drink schlicht „Guatemala Julep“ genannt.

Rezept “Guatemala Julep”:

6 cl Plantation Single Cask Guatemala XO
2 Barlöffel Kirschmarmelade
0,5 cl Tia Maria
6 Blätter frische Minze

Zubereitung: Minze mit den restlichen Zutaten im Glas bzw. Silberbecher mindestens fünf Minuten ziehen lassen. Dabei gelegentlich umrühren und die Minze an die Wand des Glases drücken, um ein wenig Aromen zusätzlich frei zu kitzeln. Dann die Minze herausnehmen (oder wahlweise drin lassen), das Glas bzw. den Silberbecher mit gestoßenem Eis füllen und so lange rühren, bis das Glas oder der Silberbecher von außen beschlägt. Zuletzt mit gestoßenem Eis auffüllen und mit übriger Minze und Kirschen dekorieren.

Glas: Silberbecher

Garnitur: Minze und eingelegte Kirschen

Demgegenüber stand nun der wunderbare Plantation Single Cask Panama 12 Years und hier wusste ich sofort, dass ich einen Wermutcocktail kreieren wollte. Die Kuchenteignoten des Rums und die Nachreifung im Arranwhiskyfass brachten mich daher auf die Idee, ihn tatsächlich mit etwas Arran Whisky aus einem ehemaligen Portweinfass zu kombinieren und das alles mit etwas Dubonnet (alternativ funktioniert auch – mit kleinen Abstrichen – ein italienischer Wermut, bspw. Carpano Antica Formular), Ruby Port und einer Nuance Guignolet de Dijon zu kombinieren (hier käme alternativ auch ein Cherry Heering in Frage). Ein Spritzer Angostura Bitters und etwas Zitrusöl auf den Drink und fertig ist ein überaus aromatischer, vollmundiger Drink: der Rubeus.

Rezept “Rubeus”:

5 cl Plantation Single Cask Panama 12 Years
2 cl Dubonnet rouge
0,75 cl Arran Port Cask Finish Single Malt Whisky
0,5 cl Ruby Port
2 Barlöffel Guignolet de Dijon
1 Dash Angostura Bitters

(Zitronenzeste)

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis in einem Rührglas kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen. Zuletzt optional mit dem Öl einer Zitronenzeste besprühen.

Glas: Martini

Garnitur: eingelegte Kirsche

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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