Pure Spirits: Plymouth Navy Strength Gin & Springtime in Plymouth

Neben dem klassischen London Dry Gin gibt es wohl kaum einen Gin, der so stark die britische Gintradition repräsentiert wie der Plymouth Gin. Die Stadt Plymouth ist zudem eng mit der Geschichte der Royal Navy verwoben und ist auch heute noch Heimat eines wichtigen Flottenstützpunktes. Was das alles mit Gin zu tun hat und inwiefern Plymouth Gin nun etwas Besonderes ist, werde ich im Folgenden kurz zu umreißen versuchen. Im Mittelpunkt stehen aber natürlich der Gin selbst und auch ein passender Cocktail für die Frühlingssaison. (zur Verfügung gestelltes Testprodukt)*

Um eines von vornherein klarzustellen: Plymouth Gin ist in der Tat eine völlig eigenständige, offizielle Ginkategorie, die auch im Sinne einer geschützten geographischen Ursprungsbezeichnung durch die Europäische Union als solche anerkannt ist. Dieser Umstand wird auch nicht dadurch geschmälert, dass es heutzutage lediglich einen einzigen Plymouth Gin eines einzigen Herstellers gibt. Und dieser Hersteller ist die Black Friars Distillery, ein ehemaliges Kloster, welches in früheren Tagen Seeleute beherbergte. Die Geschichte der Brennerei reicht bis ins Jahr 1793 zurück und laut Herstellerangaben produziert man den Gin bis heute nach dem gleichen Rezept wie auch in jenem Jahr.

Auf der Rückseite kann man einen Mönch durchscheinen sehen, der von der Geschichte der Brennerei zeugt).

Was aber macht Plymouth Gin nun aus? Im Gegensatz zu einem klassischen London Dry Gin fällt ein Plymouth Gin nicht ganz so trocken aus, dafür aber würziger und erdiger, wie auch die Tasting Notes weiter unten verraten. Der klassische Plymouth Gin wird mit 41,2 % vol. abgefüllt, da ich aber mitunter auch schon die große Seefahrertradition der Stadt Plymouth erwähnte, soll es heute um den Plymouth Navy Strength Gin gehen. Was ist aber nun wiederum eine Navy Strength?

Im Grunde vergeht wohl kaum ein Gin-Tastingseminar ohne die Anekdote von der Navy Strength: Da die Matrosen der Royal Navy auf ihren Fahrten sehr weite Strecken zurücklegten, Alkohol bekanntermaßen die Moral hob und hochprozentiger Alkohol diesbezüglich sehr ergiebig ist, gestand die Royal Navy im 19. Jahrhundert ihren Matrosen eine tägliche Ginration zu. Da aber die Gefechtsbereitschaft über allem stand, musste sichergestellt werden, dass selbst dann, wenn die Matrosen mit ihrem Gin unvorsichtig umgingen oder gar ein Fass zu Bruch ging, die Brennbarkeit von getränktem Schießpulver nicht beeinträchtigt war. Deshalb wurde der Gin in der sog. Navy Strength von mind. 57,15% vol. abgefüllt, was daher auch 100 britischen Proof entspricht (Proof vom englischen Begriff für „Beweis“ – eben der Beweis, dass es brennt).

Plymouth Gin basiert auf sieben Botanicals: Wacholder, Koriander, Zitronenschalen, Orangenschalen, Angelikawurzel, Veilchenwurzel und Kardamom. Hergestellt wird der Gin mit Weizenalkohol und Wasser aus dem Dartmoor National Park. Wie schlägt sich das nun in einem Navy Strength-Gin nieder?

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase zeigt sich ein eher mittelstark ausgeprägter Wacholder vor einer deutlichen und für diesen Ginstil charakteristischen, erdigen Note. Was ein wenig an feuchten Erdboden erinnert, verbindet sich mit einer frischen Zitronennote und Gewürzen. Mit ein paar Tropfen Wasser zur Reduktion der Trinkstärke wird die Zitronennote betont, es kommen zudem etwas Lavendel und Kampfer hindurch.

Geschmack: Wow, dieser Gin ist wirklich anders und gefällt mir ausgesprochen gut! Auch hier ist der Wacholder eher dezent, versteckt sich dabei jedoch nicht wie in einem New Western Dry Gin. Die Zitronennote ist sehr ausgeprägt und verbindet sich mit erdigen, fast moosigen Assoziationen. Im Hintergrund zeigen sich florale Töne und Kräuter wie Koriander und Salbei.

Abgang: Zitrustöne und erdig-würzige Anklänge verweilen lang am Gaumen

Tja, was macht man mit so einem Gin? Natürlich kann man ihn problemlos in einem Gin & Tonic unterbringen. Sowohl mit klassischen, aber auch mit floralen Tonics lässt sich der Plymouth Navy Strength Gin problemlos kombinieren (man sollte aber die 57% vol. im Kopf behalten). Ich wollte aber einen etwas anderen Weg einschlagen und habe mich für eine Art Collins entschieden, der den erdig-würzigen Noten mit einem Kräuter-Ingwer-Sirup begegnet. Für den Säurepart sorgt ein wenig Verjus Royal und schließlich rundet ein Spritzer Wermut diesen frühlingshaften Cocktail ab, bevor er mit Soda zu einem spritzig-erfrischenden Collins aufgegossen wird. Springtime in Plymouth sozusagen. (Wie man sehen kann, habe ich Metallstrohhalme verwendet, um ein Zeichen gegen Umwelt- und Tiergefährdung durch Strohhalmabfälle zu setzen – auf früheren Bildern sind zwar noch Plastikstrohhalme zu sehen, in Zukunft werde ich dies jedoch vermeiden.)

Rezept „Springtime in Plymouth“:

4,5 cl Plymouth Navy Strength Gin
1 cl Lillet Blanc
2,5 cl Kräuter-Ingwer-Sirup (s.u.)
2 cl Verjus Royal
Sodawasser

Kräuter-Ingwer-Sirup: Zunächst einen Kräuter-Ingwer-Tee auf folgende Art zubereiten: ein daumengroßes Stück Ingwer in Scheiben schneiden und zusammen mit einer Hand voll Kräuter und zwei Zitronenzesten (s.u.) mit 200 ml siedendem Wasser übergießen und für 20 Minuten ziehen lassen. Die verwendeten Kräuter sind Minze, Koriander, Salbei, Eberraute (im Notfall weglassen), Thymian und ein wenig Rosmarin. Schließlich Ingwer, Zesten und Kräuter herausfiltern und in einer Pfanne mit 200 g Zucker auf schwacher Hitze zum Köcheln bringen. Der Zucker sollte sich auflösen und der Sirup ein wenig eindicken. Abkühlen lassen, fertig.

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf das Sodawasser kräftig auf Eis schütteln und in ein mit frischen Eiswürfeln gefülltes Glas geben. Mit Sodawasser toppen.

Glas: Highball

Garnitur: Kräuter und Zitronenzesten

Der “Tee” für den Kräuter-Ingwer-Sirup

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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