Terralta & G4 Tequila

Wenn man sich mit Tequila als der mexikanischen Spirituose schlechthin auseinandersetzt, liest man natürlich zunächst eine ganze Menge über die eigentliche Warenkunde. Da geht es dann um Gattungsbezeichnungen, um das Verhältnis zum Mezcal, den Rohstoff und typische Herstellungsverfahren, regionale Herkunftsbezeichungen und geschützte Begrifflichkeiten und so weiter und so fort. Aber man stößt auch durchaus auf die Namen besonderer Personen, die für das Genre eine herausragende Rolle einnehmen. Eine solche Person ist Felipe Camarena. (zugesandte Testprodukte)*

Die Camarena-Familie hat sich bereits seit Langem einen Namen in der Tequilaproduktion gemacht und steht für handwerklich solide und unverfälschte Destillate. Felipe Camarena führt diese Tradition nun in vierter Generation fort. Mit seinem Namen sind auch insbesondere drei Tequilamarken verbunden, welche unter seiner Ägide hergestellt werden: Pasote, Terralta und G4. Während die Pasote-Tequilas sehr bekannt und hochgelobt wurden, sind die beiden anderen Versionen zumindest hierzulande etwas weniger bekannt. Diese möchte ich heute jedoch unter die Lupe nehmen. Gerade die Marke G4 (4. Generation) verzeichnete in den USA zuletzt zunehmende Popularität. Aber auch der Terralta Tequila stammt aus der gleichen Destille, nämlich der mit der NOM 1579 versehenen Destileria el Pandillo in Jesús María, Jalisco. Beide Tequilas werden aus biologisch von Camarena selbst angebauten Agaven hergestellt. Der besondere Unterschied der beiden Marken ist hierbei das verwendete Wasser: Terralta wird mit einem aus dem Boden gewonnen Quellwasser hergestellt, das aus einer Tiefe von 140 Metern stammt und somit mineralische Erdaromen mit ins Destillat einbringen soll. Der G4 hingegen wird zu 50% mit Quellwasser und zu 50% mit Regenwasser nach der Destillation auf die gewünscht Trinkstärke herabgesetzt. Abgefüllt werden sie allesamt mit 40% vol.

Hervorzuheben ist auch der explizite Verzicht auf Zusatzstoffe – selbst innerhalb des eigentlich erlaubten Spielraums wird auf die Verwendung von Zuckercouleur verzichtet, die Färbungen sind also ausschließlich auf die Fassreifungen zurückzuführen.

Für mich besonders interessant in der Purverkostung sind meist die Reposadovarianten, weshalb ich diese im Folgenden näher beleuchten werde. Exemplarisch habe ich mich zudem für einen Blanco (G4) und einen Extra Añejo (Terralta) entschieden. Ich kann aber vorwegnehmen, dass mich auch die hier nicht im Detail mit Verkostungsnotizen bedachten Qualitäten durchweg überzeugen konnten. Mit zweien dieser finden sich auch entsprechend noch Vorschläge für den Einsatz in Cocktails weiter unten.

Tasting Notes „G4 Blanco“:

Aroma: Ein ansprechender Blanco mit mineralischen und würzig-frischen Agavenaromen, im Vergleich zum Terralta (den ich nicht noch gesondert aufführe) etwas zurückhaltender, aber im Gesamtspektrum der Blancos definitiv auf der großzügigen Seite. Gewürze bahnen sich mit der Zeit ihren Weg, typischer, weißer Pfeffer mit grünlichen Holznoten, dann etwas Kardamom und ein Hauch Vanille. Der Alkohol ist perfekt eingebunden. Wer dem Klischee vom „scharfen“ Tequila anhängt, sollte einen G4 Blanco probieren.

Geschmack: Vegetale Noten von grünem Holz (mit Anklängen grüner Äpfel) und Gras, eine Idee Blumenwiese und dazu etwas weißer Pfeffer. Mit der Zeit kristallisiert sich eine subtile Vanillecreme heraus, die von einer Idee Salz aufgefangen wird.

Abgang: mittellang, dabei angenehm und mild-würzig

Tasting Notes „Terralta Reposado“:

Aroma: Typische Agavennoten stechen sofort heraus, zudem zeigt sich von Anfang an ein aromatischer Pfeffer, dazu andere, schwer isoliert zu betrachtende Gewürze und Kräuter, Thymian sticht jedoch deutlich heraus. Eine Idee Rosmarin im Hintergrund verbindet sich mit zartem Eukalyptus, Kristallsalz und einer Prise Piment.

Geschmack: Am Gaumen gefällt mir der Terralta Reposado ausgesprochen gut. Schöne und voll-aromatische Agave und auch hier ein würziger, weißer Pfeffer werden von einer feinen Süße begleitet, die aber eher hinter grünlich-holzigen und kräutrigen Tönen zurücksteht. Auch hier finde ich wieder Thymian, Piment und eine Nuance Eukalyptus. Dieser Reposado zeigt Ecken und Kanten von ihrer ausdrücklich gewünschten Art, ein schönes Handwerksprodukt.

Abgang: lang und sehr ausdrucksstark mit Gewürzen und grünem Apfelholz

Tasting Notes „G4 Reposado“:

Aroma: Im Vergleich zum Terralta Reposado fällt sofort auf, dass dieser hier weniger kantig und rau daherkommt, dafür mit einer ausgeprägteren Honigsüße. Dahinter verbergen sich Gewürze und Kräuter (Zimt, feine Vanille, wieder etwas Thymian, eine Nuance Anis), aber auch Fenchel, der an Fencheltee erinnert. Mit der Zeit wird die Vanille immer präsenter, auch das unterscheidet ihn gänzlich vom Terralta Reposado. Auch grünliche Töne sind da, aber nur sehr schwach. Vielleicht hätte ich bei einer Blindverkostung hier auf einen Añejo getippt.

Geschmack: Deutlich weicher, milder, mit Honigsüße vor Fenchel und Kräutern (Thymian und Heidekraut), dazu mehr Vanille (fast schon Assoziationen von Karamell). Aber auch die Agave ist präsent, erdig, charaktervoll mit weißem Pfeffer (sehr subtil). Mein Añejo-Verdacht würde sich hier auch noch stützen lassen, wenn er auch sicherlich aus dem Kontrast zum Terralta hervorgeht – für sich genommen bietet auch der G4 Reposado noch zu viel Agave bei zu wenig Eichennoten. Der Alkohol ist unglaublich gut eingebunden.

Abgang: mittellang bis lang, auch im Abgang ausgesprochen weich

Tasting Notes: „Terralta Extra Añejo“:

Aroma: Eine ausdrucksstarke Nase voll warmer Töne: Vanille und Karamellanklänge, Honig (v.a. Thymianhonig), Feigen und Assoziationen von Zimt und auch Leder verbinden sich mit etwas frischeren Noten, die vor allem von der Agave herrühren. Hier finde ich etwas grünes Heu, Zitronengras, Bambus und eine Prise „Gartenteich“ (ich weiß nicht, wie ich diese feucht-warme Impression besser beschreiben soll). Sehr komplex und ansprechend.

Geschmack: Am Gaumen dominieren hier zunächst holzige und würzige Töne, die aber schnell von süßem Karamell und Honig eingefangen werden. Mit der Zeit geht es immer mehr in Richtung von Vanillepudding (was mir oft bei gereiften Tequilas so geht), bleibt aber auch ansprechend vielschichtig. Auch hier sind erdige Noten mit von der Partie.

Abgang: relativ lang mit Gewürzen und Eiche

Zwei Cocktails möchte ich hier zudem noch vorstellen. Zum einen eine Art entfernten Negroni-Verwandten, der sich deutlich an Freunde bitterer Drinks (wie mich) richtet. Dabei habe ich aber keinen Nischencocktail kreieren wollen, sondern durchaus auch eine gewisse Mehrheitskompatibilität im Blick behalten. Es handelt sich also nicht um einen Bitterdrink, den man nur Bitter-Freaks vorsetzen kann. Wer einen Negroni zu bitter findet, sollte aber die Finger davon lassen. Es mag vielleicht merkwürdig anmuten, 1 cl Lemon Bitters in einen Drink zu geben, das passt hier aber ganz wunderbar. Der Drink hört auf den Namen Fourth Taste Harvest.

Rezept „Fourth Taste Harvest“:

4,5 cl Terralta Blanco
1,5 cl Cynar
1,5 cl Weißer Portwein
1 cl Faude Feine Brände Sauerkirsche
1 cl The Bitter Truth Lemon Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten in eine mit massiven Eiswürfeln gefülltes Glas geben und kurz verrühren.

Glas: Tumbler

Garnitur: Zitronenzeste

Der zweite Drink basiert auf einem Drink namens Tequila Highball, den ich einmal auf bonappétit.com entdeckt habe. Im Endeffekt nicht viel mehr als ein Tequila-basierter Collins mit Holunderblütensirup und jeder Menge Zesten. Die Sachen mit den Zesten fand ich (mehr aus optischen Gründen) ganz nett, wollte aber keinen Holunderblütensirup in meinem Drink, sondern stattdessen etwas aromatische Zitronensüße. Also habe ich Oleo-Saccharum (s.u.) verwendet und dem Drink so in Verbindung mit Zitronensaft eine intensiv-aromatische Zitronennote gegeben. Da mir diese Version deutlich besser gefällt, habe ich mir heraus genommen, den Drink Improved Tequila Highball zu nennen. Bitte nehmt mir das nicht krumm, liebes Bonappétit-Team.

Rezept „Improved Tequila Highball“:

4,5 cl G4 Añejo
2 cl Oleo Saccharum (s.u.)
2 cl Zitronensaft
dünne Zestenstreifen einer halben Zitrone
Sodawasser

Oleo-Saccharum: Zesten von 10 Zitronen (ja, tatsächlich, sorry) mit einem Sparschäler rundherum abschneiden und in einen Vakuumierbeutel geben. Schließlich mit vier gehäuften Esslöffeln Zucker vermischen und den Beutel dann vakuumieren. Für 12 bis 24 Stunden ruhen lassen. Dann aufschneiden und das Oleo-Saccharum abgießen (es handelt sich dabei um einen öligen Sirup, der sich gebildet hat) und in einem luftdicht verschlossenen Behälter lagern. Hält sich mindestens einige Wochen.

Zubereitung: Obwohl dieser Drink Zitronensaft enthält, kommt ausnahmsweise kein Shaker zum Einsatz! Einfach alle Zutaten bis auf das Sodawasser (aber inklusive der Zesten) in ein Highball- oder Longdrinkglas geben, das Glas mit Eiswürfeln füllen, mit Soda aufgießen und ein paar Mal vorsichtig umrühren.

Glas: Highball

Garnitur: dünne Zestenstreifen

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese (z.T. nur noch Reste enthaltenden) Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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