Rey Campero Joven Mezcal & Pandan Mezcal Crusta

Auf den heutigen Artikel habe ich mich ganz besonders gefreut, denn endlich habe ich einmal wieder die Gelegenheit, über einen vielversprechenden Mezcal zu schreiben. Nur um Missverständnissen vorzubeugen: natürlich schätze ich auch gute Tequilas (die ja im Endeffekt auch letztlich Mezcals sind), aber nachdem ich zuletzt diverse davon hier vorgestellt habe, freue ich mich doch auch einmal wieder auf ein wenig rauchiges Agavenflair. Vorausgesetzt natürlich, die heutige Flasche hält, was sie verspricht. (zugesandtes Testprodukt)*

Es handelt sich dabei um den Rey Campero Joven Mezcal. Dieser stammt aus der Destilería Herencia de Sánchez im kleinen Gebirgsdorf Candelaria Yegole im Bundesstaat Oaxaca, die von Romulo Sanchez Parada betrieben wird. Rey Campero bedeutet übersetzt soviel wie „König des Landes“ (bzw. der Landschaft) und ist wohl eine Anspielung auf den Agrarcharakter eines Mezcals, der nunmal eben aus Agaven hergestellt wird, die auf dem Land angebaut und geerntet werden. Etwa 6 bis 7 Jahre dürfen die Agaven der Sorte Espadin für diesen Mezcal wachsen, bevor sie anschließend geerntet werden. Über die Herstellung von Mezcal habe ich hier im Blog schon so oft geschrieben, dass ich die einzelnen Schritte nicht noch einmal erneut hier aufführen möchte. Einige Grundbegriffe habe ich jedenfalls vor längerer Zeit in einem Artikel erklärt, den ich zu diesem Zweck hier noch einmal verlinken möchte.

Der Rey Campero Joven Mezcal wird doppelt auf kupfernen Brennblasen gebrannt, zuvor – und das ist hier sicherlich eine erwähnenswerte Besonderheit – wird die Agavenmaische jedoch mit wilden Hefen zur Fermentation gebracht. Man lässt sie also offen gären und setzt dabei auf den langwierigeren und weniger exakt kontrollierbaren Effekt freier Hefen aus der Umgebungsluft. Schließlich wird der Mezcal mit vielversprechenden 48,7% vol. in die Flasche gefüllt.

Bei der Recherche zu diesem Mezcal bin ich zudem auf einige etwas vage Angaben gestoßen. So hießt es z.B. auf einer englischsprachigen Seite, einige Batches des Rey Campero würden anschließend an die Destillation in Glasballons reifen. Auf einer deutschsprachigen Seite fand ich die gleiche Formulierung, die offenbar eine einfache Übersetzung der zuvor gefundenen Quelle war. Inwiefern also diese Glasnachreifung, die es bei Mezcal und Tequila zuweilen gibt, auf den Joven Mezcal der Marke Rey Campero zutrifft, kann ich letztlich nur vermuten. Über die Reifedauer fand ich hingegen keine Informationen. Wie dem auch sei, schauen wir doch einmal, wie der Mezcal so abschneidet.

Tasting Notes:

Aroma: Man kann hier ziemlich schnell sagen, dass die Gesamtkomposition stimmt! Das Aroma fällt sehr harmonisch und ausbalanciert aus, der Rauch des Mezcals ist keinesfalls zu dominant und überlagernd, er lässt Raum für würzige, fast schon fruchtige Agavennoten mit weißem Pfeffer, blumig-kräutrigem Einschlag und einer Nuance Zitronenschale. Auch finde ich leicht mineralische Noten, etwas Kreide und Assoziationen von kristallinem Salz.

Geschmack: Oh ja, der Rey Campero bietet mit seinen 48,7% vol. schon einen sehr selbstbewussten Antritt, bringt sofort würzige Agave nach vorne mit etwas Salz, weißem Pfeffer, kaum isolierbaren Wiesenkräutern und einer überraschenden, sehr schönen Süße – ich muss an kandierte Zitronenschalen und Emser Salzpastillen denken. Trotz des aussagekräftigen Antritts fällt der Rey Campero Joven keinesfalls zu scharf aus, der Alkohol ist sogar verhältnismäßig mild.

Abgang: würzig, grünliche Agavennoten und wieder etwas bittere Zitronenschale

Ja, das ist doch wirklich einmal mehr ein schöner Agavenbrand, den ich auch für den Purgenuss sehr empfehlen kann. In puncto Cocktail wollte ich damit heute einmal etwas Außergewöhnliches machen. Und zwar eine Pandan Mezcal Crusta. Tja, was eine Crusta ist, habe ich vor längerer Zeit schon im Zusammenhang des Brandy Crusta erklärt (auch wenn der Artikel im Grunde inzwischen überarbeitet werden müsste), insofern will ich hier direkt in medias res gehen: Man braucht für diesen Cocktail – oh Wunder – Pandanblätter. Die findet man allerdings problemlos in Asiamärkten. Daraus habe ich einerseits einen Sirup gekocht (s.u.) und andererseits einfach einige Blätter mit Zucker in einem Mörser zu einem grünlichen Pandanzucker zerstoßen, um damit die „Crusta“ zu erstellen. Zusammen mit frischer Zitrone und einer Nuance Dry Curacao ist der Drink mit seiner frischen, grasig-vanilligen Note und dieser Nuance Popcorn, die Pandanblätter mitbringen, ein toller und obendrein ungewöhnlicher Rahmen für den Rey Campero Joven Mezcal.

Rezept “Pandan Mezcal Smash”:

6 cl Rey Campero Joven Mezcal
1,5 cl Pandansirup (s.u.)
2 cl Zitronensaft
2 Barlöffel Pierre Ferrand Dry Curacao
2 Dashes By the Dutch Ginger Bitters

Pandansirup: Auf 250 ml Wasser zwei Hand voll geschnittene Pandanblätter geben und zusammen in einem Mixer fein pürieren. Schließlich durch ein Filtertuch filtrieren und die gefilterte Flüssigkeit dann ein zweites Mal im Mixer pürieren. Danach abermals filtrieren. Nun das grüne „Pandanwasser“ in einer Pfanne im Verhältnis 1:1 mit Zucker zu einem Sirup einkochen, abkühlen lassen, fertig.

Zubereitung: zunächst die Hälfte einer Zitrone möglichst in einem Stück schälen, so dass man eine rundherum und breit geschnittene Zitronenschale erhält. Nun das leicht vorgekühlte Glas mit etwas Zitronenfruchtfleisch befeuchten und in einem Teller mit Pandanzucker drehen (dafür Zucker und Pandanbläter im Mörser zermahlen), so dass ein Zuckerrand entsteht. Jetzt vorsichtig die Zitronenschale so in das Glas geben, dass sie feststeckt und nicht auf den Glasboden fällt. Anschließend alle Zutaten auf Eis kräftig shaken und vorsichtig doppelt in das Glas abseihen, ohne den Zuckerrand zu beschädigen. Jerry Thomas empfiehlt in seiner Anweisung zur Herstellung einer Crusta, man solle bei diesem Schritt nun lächeln. Am besten seiner Anweisung folgen!

Glas: Crusta (ein Sour- bzw. Proseccoglas funktioniert auch)

Garnitur: Pandanblatt, Pandanzucker als Crusta und Zitronenschale (s.o.)

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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