Wild Turkey Rare Breed & Arbitrary Nature of Time

Die willkürliche Natur der Zeit – was für ein Name für einen Cocktail! „I mean, have you ever really thought about it?“ fragt Maksym Pazuniak in seinem zusammen mit Kirk Estopinal herausgegebenen, absolut fantastischen Rezeptbüchlein „beta cocktails.“. Tja, und weil der Titel dieses Cocktails so eine satte Steilvorlage darstellt, mache ich heute etwas, was ich sonst eigentlich nicht tue: ich greife die Frage – ganz unabhängig vom Cocktail – einmal augenzwinkernd auf! (zugesandtes Testprodukt)*

Ist Zeit also tatsächlich willkürlich?

Nun, wenn man sie aus einer physikalistischen Perspektive betrachtet, dann ist Zeit zunächst einmal relativ, wie wir ja alle wissen (lieben Gruß an Herrn Einstein). Inwiefern Relativität eine Willkür darstellt, ist sicherlich eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage, es mag vielleicht so scheinen, ja. Fasst man Zeit im aristotelischen Sinne als verändernde Kraft auf, dann entspricht sie vielmehr einem Konzept einer über die Kausalität übergestülpten Kraft mit dem Zweck der Erklärung von Wandel. Somit wäre sie theoretisch innerhalb der naturwissenschaftlichen Gesetze völlig vorhersehbar. Ausgehend vom begrenzten menschlichen Verstand und seinen Kapazitätsgrenzen kann das aber natürlich nur hypothetisch angenommen werden. Praktisch scheint die Vorhersage der Gesamtheit an Veränderungen völlig unmöglich. Was die Zeit letztlich dann tatsächlich irgendwie ziemlich willkürlich machen würde.

Dem entgegen wäre ein Thomas von Aquin mit seiner ausgeklügelten Zeitsystematik allerdings vermutlich nicht ganz mit dem Titel dieses Cocktails einverstanden gewesen (ob er ihn gemocht hätte, darüber lässt sich höchstens spekulieren), aber ändert das etwas an der Natur der Zeit an sich?

Aus einer eher subjektivistisch-phänomenologischen Perspektive heraus geriert sich die Zeit noch viel wankelmütiger und selbst dem Wandel unterworfen (diesen Satz hätte Aristoteles allerdings vermutlich gar nicht gemocht). Und was wäre erst der Existentialismus (sowohl Französisch und nicht-Französisch) ohne die Offenheit einer subjektiven Zukunft? Ein essentieller Selbstentwurf wäre gar nicht erst denkbar – unter diesem Gesichtspunkt wäre es also ein Glück, dass die Zeit scheinbar so willkürlich ist!

Und mahnt uns nicht der Buddhismus daran, zu erkennen, dass Vergangenheit und Zukunft nur fiktiv sind? Die Gegenwart ist hier immerhin verlässlich, in ihr können wir uns ganz auf das konzentrieren, was wir gerade tun! Zum Beispiel diesen hervorragenden Cocktail von Maksym Pazuniak zu genießen. Es handelt sich wahrlich um eine faszinierende Mischung aus Wild Turkey 101 (ich habe allerdings den Rare Breed verwendet, einfach, weil ich mehr Kraft im Drink wollte), Campari, Cherry Heering, Orange Bitters und den sehr gelungenen Bittermens Mole Bitters, die uns hier in den beta cocktails dargeboten wird. – Schlussendlich kann ich nun also zumindest für den Moment mit Fug und Recht behaupten: Ja, ich habe über die willkürliche Natur der Zeit nachgedacht! Aber wer weiß schon, wie ich morgen darüber denke! Verdammte Willkür!

Rezept „Arbitrary Nature of Time“:

3,75 cl Wild Turkey 101 (im Original wird nach Wild Turkey 101 verlangt)
3 cl Campari
2,25 cl Cheery Heering
1 Dash Orange Bitters (im Original wird nach Regan’s verlangt)
2 Dashes Bittermens Mole bitters

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis kalt rühren und in ein mit einem großen Eisstück gefülltes Glas abseihen.

Glas: Tumbler

Garnitur: Orangenzeste

Achja, fast hätte ich beim Philosophieren vergessen, mich mit dem Whiskey zu befassen. Der Wild Turkey Rare Breed stammt aus der Wild Turkey Distillery in Lawrenceburg, Kentucky. Im Gegensatz zu seinem weiter verbreiteten Bruder, dem Wild Turkey 101, wird der Rare Breed mit stolzen 56,4 % vol. abgefüllt (128,8 amerikanische Proof). Laut österreichischem Gourmetjournal „falstaff“ war der Wild Turkey Rare Breed gar der beste amerikanische Whiskey des Jahres 2015. Gut, solche dubiosen Auszeichnungen seien mal dahingestellt, überzeugen wollte ich mich aber natürlich auch von seinen puren Qualitäten.

Tasting Notes:

Aroma: Eine sehr intensive, würzige Bourboncharakteristik zeigt sich in Kombination mit recht ungewöhnlichen Noten, die mir sehr gut gefallen. Zu Vanille, Zimt und Eiche treten Himbeeren, Honig, eine Blumenwiese und reife Orangen. Sehr facettenreich und interessant! Die Zugabe von etwas Wasser unterstreicht vor allem die blumigen Töne, nimmt ihm aber ein wenig seines Charmes und lässt ihn weniger kantig werden, was ich schade finde.

Geschmack: Am Gaumen dominiert vor allem eine würzige Vanille mit Orangen, Honig, einem Hauch weißem Pfeffer, Eiche und Zitronenschalen. Ein wenig Tabak ist ebenfalls mit von der Partie und verleiht dem Wild Turkey Rare Breed eine sehr interessante Tiefe. Mit etwas Wasser kommen mehr Gewürze zum Vorschein, die Honigsüße tritt ein wenig in den Hintergrund und ledrige Tabaknoten intensivieren sich. Die Nase verliert etwas durch die Zugabe von Wasser, geschmacklich gewinnt er dadurch aber durchaus eine sehr interessante Nuance.

Abgang: würzig, recht trocken und lang

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online, z.B. bei Conalco.

*Die Flasche für dieses Review wurde mir von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet jedoch nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

One thought on “Wild Turkey Rare Breed & Arbitrary Nature of Time

  1. Hallo
    Guten Tag
    Schöner Blog-Post. Bieten Sie beste Informationen für jeden über Wild Turkey Rare Breed. Danke, dass du diese Art von Idee und Informationen an uns alle weitergegeben hast. Ich hoffe, bald mehr informativen Blog-Post von dir zu lesen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Onma

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