V-Sinne Schwarzwald Dry Gin & Crushing your Senses

Tja, heute ist es mal wieder soweit und ich wage mich an eine Flasche Gin. Das mag jetzt vielleicht etwas irritierend klingen, denn ich schätze einen guten Gin überaus, aber natürlich lässt sich schon seit Jahren nicht ignorieren, mit was für einer schier endlosen Masse an neu erscheinenden Wacholderdestillaten wir es inzwischen zu tun haben. Einer dieser Gins ist der V-Sinne Gin aus dem Schwarzwald. (zugesandtes Testprodukt)*

Da ich längst aufgegeben habe, sämtliche neu veröffentlichten Gins zu verfolgen, ist mir auch nicht genau bekannt, wann die erstmalige Markteinführung dieses Gins erfolgte. Da auf der Webseite des Hersteller keine Informationen darüber zu finden sind, gehe ich davon aus, dass dies noch nicht sehr lange her sein dürfte. Ich tippe auf das Jahr 2017. Und während die Bezeichnung Schwarzwald Dry Gin einmal ein (zumindest gefühltes) Unikat gewesen ist, wird sie inzwischen sogar von manchen Discounterketten ausgeschlachtet.

Trotz all dem hat ein Gin natürlich eine faire Chance verdient, so auch der V-Sinne Gin. Tatsächlich wurde mir neulich auf einem Gin-Tasting von diesem Gin regelrecht vorgeschwärmt, was mich sehr neugierig hat werden lassen. Zumindest rein äußerlich weiß mir der V-Sinne Gin auch zu gefallen. Die kleine und massive Flasche ist mit 0,5l Litern Fassungsvermögen zwar nicht besonders groß, dafür aber sehr formschön gestaltet mit einem nett anzusehenden Etikett. Abgebildet ist eine Szene aus dem Schwarzwald die als „Hirschsprung im Höllental“ bekannt ist, in dessen Rahmen ein Hirsch auf der Flucht vor einem Jäger eine breite Schlucht übersprang.

Wie dem auch sei, für mich ist natürlich vor allem der Inhalt interessant. Der Hersteller (hinter dem V-Sinne Gin stecken die beiden Gründer Viktor Svetlov und Johann Buchmüller) informiert darüber, dass der V-Sinne Gin auf Kolonnendestillen gebrannt wird, in denen zusätzlich zur vorherigen Mazeration auch noch Körbchen mit Botanicals eingehängt werden, so dass es zu einer zusätzlichen Dampfinfusion kommt. Apropos Botanicals: 31 an der Zahl finden den Weg in den V-Sinne Gin von denen lediglich Fichtensprossen, Heidelbeeren und Berberitzen sowie diverse Zitrusfrüchte benannt werden (Wacholder muss natürlich enthalten sein). Abgefüllt wird mit 45% vol. Das Ziel soll ein intensiv-aromatischer Gin sein, der sowohl die Zitrusseite, aber auch die kräutrig-„waldige“ Seite des Destillats betont und somit alle fünf Sinne auf eine Reise mit in den Schwarzwald nimmt.

Ob der Marketingrahmen dieses Gins nun gelungen ist oder nicht, muss jeder selbst für sich entscheiden. Ich möchte jedenfalls zunächst einmal meine Verkostungsnotizen hier präsentieren.

Tasting Notes:

Aroma: Tatsächlich kann der V-Sinne Gin seine eigenen Qualitätsmaßstäbe zumindest in der Nase mit Bravour erfüllen. Der Ersteindruck ist überaus intensiv und aromatisch und das Wort „Wald“ kommt mir unweigerlich als erstes in den Sinn. Wacholder, Fichten- und Kieferassoziationen, aber auch eine sehr fruchtig-frische Zitrone bilden die folgende Welle von Eindrücken. Auch beerige Noten mischen sich in das Geruchsbild, zudem finde ich etwas frisch geschnittenen Dill.

Geschmack: Auch geschmacklich kann ich nicht leugnen, dass dies ein wirklich gut gemachter Dry Gin ist. Sehr aromatischer Wacholder findet eine gelungene Balance zu frischen Zitrus- und Beerentönen. Auch hier wieder Kiefernnadeln, unbestimmbare Kräuterassoziationen aus denen vielleicht doch auch wieder etwas Dill herausragt und eine schöne Gewürzladung (Kardamom, ein Hauch Zimt).

Abgang: trocken, dabei aber sehr weich und lang anhaltend

Tatsächlich könnte ich jetzt schlicht etwas über mögliche Tonic-Kombinationen hier schreiben (ich würde das klassische Fentimans Tonic wählen), möchte aber stattdessen einen Cocktail hier ins Spiel bringen, der gewissermaßen eine Abwandlung des manchmal als „Signature Drink of Germany“ bezeichneten Bombay Crushed ist. Anstelle der Kumquats habe ich hier jedoch Limequats verwendet (eine Kreuzung aus Limette und Kumquat), zudem feinen, weißen Raffinadezucker, einen Spritzer Orangensaft und das Öl einer breiten Orangenzeste. Ob der Drink einen eigenen Namen verdient hat, darüber lässt sich sicherlich streiten, aber da Bombay halt eben klar mit einem anderen Ginhersteller assoziiert wird und der Drink geschmacklich doch auch etwas anders ausfällt, nenne ich ihn einfach „Crushing your senses“.

Rezept „Crushing your senses“:

6 cl V-Sinne Schwarzwald Dry Gin
eine Hand voll Limequats
2 Dashes frisch gepresster Orangensaft
eine breite Orangenzeste
3 Barlöffel weißer Raffinadezucker

Zubereitung: Zunächst Limequats halbieren und mit dem Zucker und der Orangenzeste im Shaker leicht zerdrücken. Dann den Gin und die beiden Spritzer Orangensaft zugeben und mit Eiswürfeln kräftig schütteln. Ohne abzuseihen den gesamten Inhalt ins vorgekühlte Glas gießen.

Glas: Tumbler

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online, z.B. bei Conalco.

*Die Flasche für dieses Review wurde mir von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet jedoch nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

2 thoughts on “V-Sinne Schwarzwald Dry Gin & Crushing your Senses

    • Tatsächlich schmecken sie anders, ja. Eben mit einer anderen Säure (sie schmecken tatsächlich so wie das, was sie sind: eine Kreuzung aus Kumquats und Limetten). Das Besondere ist ja auch, dass Du sie in Gänze essen kannst.

      Die Verfügbarkeitsproblematik kann ich natürlich verstehen, ich sehe sie auch nur sehr unregelmäßig in der Gemüseabteilung großer Supermärkte oder der Metro. Im Zweifel würde ich mir einfach einen Bombay Crushed mixen, aber wenn Du mal welche siehst, weißt Du jetzt ja, welcher Cocktail damit möglich ist. 😉

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