Pure Spirits: Havana Club Pacto Navio & Blanc de Havana

Der Name Havana Club weckt bei den meisten Menschen relativ vorhersagbare Assoziationen: für viele ist es gar der Inbegriff der Spirituose Rum, allgegenwärtig in den Spirituosenregalen von Supermärkten, Bars und Diskotheken. Die meisten dieser Menschen denken fast im gleichen Atemzug auch an die einschlägigen Rum Cocktails: Cuba Libre, die schnöde Rum-Cola oder vielleicht auch noch an den Daiquiri. An wirklich hochwertigen Premium-Rum aus dem sogenannten „Sipping Segment“ denken die meisten jedenfalls nicht. (zugesandtes Testprodukt)*

Wenn man mal von den US-Amerikanern absieht, für die aufgrund der jahrzehntelangen Handelsembargos Havana Club eine begehrte Seltenheit war und noch immer ist, so werden vermutlich tatsächlich die wenigsten Interessenten, die über den Kauf eines hochwertigen Rums nachdenken, als erstes zur Marke Havana Club greifen. Dabei ist eine solche Perspektive im Grunde eigentlich ungerechtfertigt. In Zeiten, in denen über die Zugabe zahlreicher, nicht auf den Flaschen deklarierter Inhaltsstoffe im Rumbereich diskutiert wird (z.B. beim Don Papa, einem Rum, den ich noch zu einem Zeitpunkt rezensiert habe, als mir dies alles noch nicht bekannt war), ist ein Havana Club-Rum vor dem Hintergrund der kubanischen Rumgesetzgebung eine durchaus solide Wahl (Eye for Spirits hat hier beispielsweise einen lesenswerten Artikel zu veröffentlicht und mein Bloggerkollege Helmut Barro von schlimmerdurst.net hat zudem über den siebenjährigen Havana Club ebenfalls einen sehr schönen Beitrag veröffentlicht, in dem er für diese Abfüllung eine Lanze bricht).

Natürlich lässt sich ein einmal gefestigter Ruf nicht von heute auf morgen beseitigen und so wird Havana Club wohl weiterhin für die meisten Gelegenheitsrumtrinker die Standardqualität in Diskotheken, Bars und Clubs bleiben, die eher für das viel zitierte „Wirkungstrinken“ steht. Trotzdem hat man auch im Hause Havana Club die Zeichen der Zeit erkannt und möchte ein wenig mehr für den „Premium-Genießer“ und Freund hochwertiger Cocktails anbieten. Und damit sind wir auch schon bei der heutigen Flasche angelangt: dem Havana Club Pacto Navio.

Dieser zum Ende des Jahres 2016 erschienene Rum ist nach einem historischen Friedenspakt bezeichnet, welcher im Jahre 1815 zwischen Frankreich und Spanien geschlossen wurde. Der zwischenzeitig zum Erliegen gekommene Schiffshandel zwischen Kuba und Spanien konnte infolgedessen wieder aufgenommen werden. Soviel zum netten Marketingrahmen, den man hier offenkundig passend herangezogen hat, um der eigentlichen Besonderheit der Flasche einen Hintergrund zu geben. Der Pacto Navio ist nämlich ein fassgereifter Kubaner (ein Melasse-Rum, nur um Missverständnisse zu vermeiden), welcher im Anschluss an eine nicht genau benannte Fasslagerung in herkömmlichen Eichenfässern zusätzlich noch in ehemaligen Sauternes-Weinfässern finishen durfte. Letztere waren zuvor 18 Monate lang mit Sauternes-Weinen befüllt. Soviel also zum kubanisch-französischen Schulterschluss, der nun aber die entscheidende Frage aufwirft: Wie schmeckt der Havana Club Pacto Navio?

Tasting Notes:

Aroma: überraschend mild in der Nase mit Eichentönen, Honig, Vanille und Gewürzen, vor allem aber sind helle Früchte aus den Sauternesfässern präsent. Wie oft bei Sauternesfinishs finde ich einen subtilen, weißen Pfeffer.

Geschmack: auch hier zunächst jede Menge Vanille mit hellen Früchten (Pfirsichen, Trauben und Aprikosen, ein Hauch Zitronenschale), dahinter etwas Zimt, ein Blütenhonig und eine an Dessertcremes erinnernde Süße. Sehr schön und in der Reihe meist eher kräftiger, fassgelagerter Rums eine angenehme Alternative. Der blumige, kubanische Stil kommt hier schön zur Geltung und schafft es dabei, einmal etwas Anderes zu bieten.

Abgang: mittellang, würzig mit Eiche, Vanille und wieder eine Nuance weißem Pfeffer.

Und natürlich soll auch heute ein passender Cocktail nicht fehlen. Hier habe ich mich im Grunde für eine Variante des Rum Sours entschieden – eines New York-Style Rum Sours, um genau zu sein. Die Besonderheit liegt hier allerdings im Detail. Ein Barlöffel Benedictine und zwei Spritzer Orange Bitters geben dem Drink Tiefe, für die Säure sorgt statt Zitronensaft ein Verjus Royal und der klassische Rotwein-Float des New York Sours wurde durch einen Blanc de Noirs ersetzt (ein Rotwein, der weiß gekeltert wurde). Dadurch verzichte ich zwar freiwillig auf den optischen Effekt, erreiche aber dennoch einen trockenen Konterpunkt zur frischen Süße des Sours, die sich hervorragend mit dem Charakter des Pacto Navio verbindet und obendrein einen gewissen Überraschungseffekt bereithält. Genannt habe ich den Drink „Blanc de Havana“.

Rezept „Blanc de Havana“:

6 cl Havana Club Pacto Navio
3 cl Verjus Royal
1,5 cl Zuckersirup
1 Barlöffel D.O.M. Benedictine
2 Dashes Orange Bitters
1 Eiweiß
3 Barlöffel Blanc de Noirs

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf den Blanc de Noirs in einem Shaker zunächst ohne Eis einem “Dry-Shake” unterziehen. Dann Eiswürfel hinzugeben und kräftig für ca. 20 Sekunden schütteln. Ins vorgekühlte Glas abseihen und mit dem Barlöffel vorsichtig die Luftbläschen in der Schaumkrone flachstreichen und für einige Sekunden ruhen lassen. Dann vorsichtig den Blanc de Noirs mit dem Barlöffel auf den Drink geben.

Glas: Cocktailglas oder Coupette

Garnitur: ein getrocknetes Rad einer kleinen Orange (alternativ keine)

Bezugsquellen: Der Havana Club Pacto Navio lässt sich z.B. über Conalco beziehen.

*Die Flasche für dieses Review wurde mir von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet jedoch nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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