Samurai No Mon Shōchū & der Shimazu Highball

Heute freue ich mich, einmal mehr über japanischen Shōchū schreiben zu dürfen. Bereits im März dieses Jahres habe ich letztmalig einen Artikel über einen Vertreter dieser Spirituosenkategorie veröffentlicht und dort den Sato No Akebono Gold Shōchū rezensiert, welcher mir überaus gut gefallen hat. In einem Negroni ist er wahrlich ein Gedicht! Während der Sato No Akebono Gold allerdings ein Zuckerrohr-Shōchū ist, habe ich es heute mit einem Shōchū aus Süßkartoffeln zu tun. Aber das ist längst nicht das einzig Besondere! (zugesandtes Testprodukt)*

Der Süßkartoffel-Shōchū (Imo) hört auf den klangvollen Namen Samurai No Mon und kommt in einer sehr schönen Flasche aus dunklem Glas mit Washi-Papier-Etiketten daher. Auf der Verpackung ist zudem ein Katana abgebildet, so dass man also auch optisch ein Stück weit bekommt, was man angesichts des Namens erwartet. Als bekennender Freund der japanischen Kultur und Geschichte habe ich zudem auch das Symbol am Flaschenhals zur Kenntnis genommen, welches mir u.a. durch ein Computerspiel bekannt war. Nachdem ich dann recherchierte, dass der Samurai No Mon Shōchū aus der Präfektur Kagoshima auf der Insel Kyūshū stammt, war bzw. bin ich mir doch recht sicher, hier das Symbol des alten Shimazu-Adelsgeschlechts (島津氏) zu erkennen, dessen Samurai in der japanischen Geschichte eine tragende Rolle gespielt haben und deren Daimyat Satsuma in der heutigen Präfektur Kagoshima lag.

Satsuma Samurai während des Boshin-Krieges

Wie dem auch sei, der Shōchū stammt aus der Schmiede von Ookubo Shuzo, welche bereits 1893 als Kubo Jozo gegründet wurde. Die Süßkartoffeln für den Shōchū werden eigens am Fuße des Mount Kirishima-Vulkans angebaut, wo vulkanische Böden gute Anbaubedingungen bieten. Die Herstellung dieses Shōchū ist auf 2500 Flaschen pro Jahr begrenzt, was auch nicht weiter verwundert, wenn man berücksichtigt, dass bei Ookubo Shuzo lediglich 12 Personen alle Herstellungsschritte per Hand durchführen. Der für die Herstellung des Samurai No Mon Shōchū verwendete Koji-Reis wird aus einer Reissorte gemacht, die nur bis zur Meiji-Ära (1868) angebaut wurde und nun – 160 Jahre später – wieder neu kultiviert wurde. Eine weitere Besonderheit ist der schwarze Koji, der für einen intensiven Umami-Geschmack sorgen soll. Abgefüllt wird schließlich mit 25% vol. (Für einige Hintergrundinformationen zur Herstellung von Shōchū möchte ich an dieser nochmal auf den bereits oben verlinkten Artikel zum Sato No Akebono Gold Shōchū verweisen.)

Nun ist es aber an der Zeit, einmal genau hinzuriechen und zu schmecken.

Tasting Notes:

Aroma: In der Nase zeigt sich ein doch recht ausgeprägtes Aroma, das an trockenen Sherry erinnert, es fällt deutlich intensiver aus als bei anderen Shōchūs, die ich bisher verkostet habe und die nicht mit Hilfe von schwarzem Koji hergestellt wurden. Es treten leichte, mineralische Noten hervor, die mich an Kreide erinnern, auch erdige Noten mit Assoziationen von Wiesenpilzen sind auszumachen. Eine ganz feine Note von Sauerbrotteig und Steinsalz ist ebenfalls zugegen.

Geschmack: am Gaumen bemerke ich ebenfalls leicht süßliche Noten von Steinsalz, subtile Lakritztöne, die stark in Richtung Süßholz tendieren und wieder Assoziationen von Sherry (am ehesten ein Manzanilla), aber deutlich kraftvoller, was auch den 25% vol. geschuldet ist. Und dann sind sie wieder da, vegetale, pilzige Noten mit einer ausgeprägten Umami-Note, die wirklich schön zur Geltung kommt.

Abgang: mittellang, relativ trocken mit mineralischen Noten und leichten Salzassoziationen, ein anhaltender Umami-Charakter bleibt am Gaumen zurück.

Ja, dieser Shōchū ist spannend und ganz anders als die, die ich bisher in meinem Glas hatte. Die Einsatzmöglichkeiten sind hier ziemlich groß, denn er lässt sich sicherlich ähnlich wie ein Gin oder ein trockener Manzanilla einsetzen, evtl. sogar als interessantes Substitut zu einem Wodka – auch in einr Art Dirty Martini-Spielart könnte ich mir diesen Shōchū hervorragend vorstellen. Aufgrund der hohen Temperaturen wollte ich heute jedoch einen Highball kreieren, der durch den Samurai No Mon Shōchū eine ganz besondere, würzig-einzigartige Note erhält. Dazu habe ich ihn mit etwas Limettensaft, dem Dwersteg Orangen-Liqueur (eine Art Bio-Curacao auf Weindestillatbasis mit Bitterorangen) und 2 Dashes Bob’s Coriander Bitters auf Eis geshaked und schließlich ins Highballglas gegeben und mit etwas Ginger Beer aufgegossen. Das Ergebnis ist der „Shimazu Highball“, ein säuerlich-frischer, würziger, leicht scharfer Highball mit der einzigartigen Note des Schwarzkoji- Shōchū und einem Hauch Koriander.

Rezept „Shimazu Highball“:

4,5 cl Samurai No Mon Shōchū
2 cl Limettensaft
1,5 cl Dwersteg Orangenlikör
2 Dashes Bob’s Coriander Bitters
Ginger Beer

Zubereitung: Zunächst alle Zutaten bis auf das Ginger Beer in einem Shaker auf Eis kräftig schütteln und auf einen Eisspeer ins vorgekühlte Glas abseihen. Mit Ginger Beer toppen.

Glas: Highball

Garnitur: Blüte

Der Dwersteg Orangenlikör wird auf Weindestillatbasis mit Bitterorangen hergestellt.

Bezugsquellen: Den Samurai No Mon Shōchū kann man bei Ginza Berlin online erstehen.

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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