Werner Wermut White, Rosé & Red und der Martiné

Wenn der Name „Werner“ fällt, denken vermutlich auch im Jahr 2019 die meisten Menschen noch immer an die Comicfigur von Rötger Feldmann. Aber – das dürfte wenig verwundern – über den norddeutschen Biker werde ich hier heute nichts schreiben, sondern vielmehr eine Reihe von sehr interessanten Wermutabfüllungen unter die Lupe nehmen, die ebenfalls auf den Namen Werner hören. Mit norddeutschen Landen, Bikern und Bölkstoff haben diese Flaschen allerdings nichts zu tun, eher mit Weinen, Kräutern und Gewürzen – außerdem stammen sie aus der Südpfalz. (zugesandtes Testprodukt)*

Die Werner Wermuts nehmen ihren Anfang genau genommen in der Weinmanufaktur Ellermann-Spiegel, wo reinsortige Weine hergestellt werden, die dann die Basis für die Wermuts der Reihe bilden. Drei verschiedene Abfüllungen sind derzeit erhältlich, ein roter, ein weißer und ein Rosé-Wermut. Die genaue Rezeptur der Kräuter und Gewürze, mit denen diese schließlich hergestellt werden, wird hier allerdings nicht verraten. Neben dem obligatorischen Wermutkraut finden jedenfalls Früchte und Trockenfrüchte Verwendung, wobei ein Schwerpunkt auf Zitrusfrüchten liegt. Einer der zentralen Ansprüche der Werner Wermuts ist dabei, den authentischen Weincharakter zu bewahren und somit auch dem Basiswein einen stärkeren Entfaltungsraum zu bieten. Das Magazin VINUM verlieh dem seit 2017 erhältlichen Werner Wermut kürzlich den Titel als bester deutscher Wermut.

Obwohl es durchaus von Herstellerseite einiges Interessantes zu erfahren gibt, hätte ich mir noch einige Zusatzinformationen gewünscht, die zumindest über die Herstellerseite nicht in Erfahrung zu bringen sind. So bleibt es zum Beispiel vage, wo letztlich der Wermut hergestellt wird – lediglich die Herkunft der Ausgangsweine ist transparent aufgeführt.

Der RG White basiert auf einem Rieslingwein, der v.a. mit gelben Steinfrüchten, aber auch mit exotischen und Zitrusfrüchten aromatisiert wird. Die Abkürzung RG steht meines Wissens nach für die Weißweinsorte Rotgipfler, wobei ich auch hier mir etwas mehr Aufklärung gewünscht hätte – wenn schon nicht auf den Flaschen, dann doch zumindest auf der Webseite des Herstellers (insbesondere für all diejenigen, die über kein großes Insiderwissen aus der Weinwelt verfügen). Abgefüllt wird übrigens – wie auch bei den anderen beiden Sorten – mit einem Alkoholgehalt von 18% vol.

Tasting Notes „Werner Wermut RG White“:

Aroma: sehr frisch mit grünem Apfel, Honig, weißem Pfirsich und etwas Grapefruit. Eine Nuance Heu meine ich zudem zu vernehmen, dahinter finde ich wirklich nur sehr subtil Gewürznelken und einen Hauch Lorbeer sowie Salbei. Ein recht ansprechendes Aroma, das mich blind wohl auf einen Weißwein hätte tippen lassen.

Geschmack: grünlicher Pfirsich, Waldmeister und überhaupt muss ich zunächst unwillentlich an eine Mai-Bowle denken. Der Eindruck fängt sich aber schnell wieder – denn dieser Wermut schmeckt nicht wirklich wie eine solche. Stattdessen kommen Zitronentöne hindurch, Wermutkraut und frische, grüne Äpfel vermischen sich mit einer leichten Honignote. Insgesamt sehr frisch und überzeugend!

Abgang: grüner Apfel und eine nicht zu starke Traubensüße

Ein Rosé-Wermut ist nicht unbedingt das, was man als allgegenwärtig beschreiben kann. Ganz im Gegenteil: Sie sind äußerst selten. Beim Werner Wermut PN Rosé wird die Basis von einem weiß gekelterten Pinot Noir gebildet (hier ist die Abkürzung zum einen auch erklärt, zum anderen aber auch aufgrund der deutlich bekannteren Sorte relativ naheliegend). Auch bei dieser Abfüllung hält man sich mit konkreten Informationen zu Kräutern, Gewürzen und Früchten vornehm zurück.

Tasting Notes „Werner Wermut PN Rosé“:

Nase: Auch hier finde ich wieder Äpfel, diesmal allerdings weniger grünlich, dazu definitiv Erdbeeren und nach einiger Zeit auch Himbeeren, eine Nuance Minze sowie etwas Orangenschale.

Geschmack: Der Rosé fällt ein kleines bisschen süßer aus als der weiße Werner Wermut (zumindest kommt es mir so vor) und überzeugt mich geschmacklich ebenfalls vollauf mit etwas Hagebutte, Erd- und Himbeeren, Lorbeer, einer Idee Orange und Nelkenassoziationen. Die Fruchteindrücke „verdunkeln“ sich mit der Zeit etwas in Richtung von Brombeeren, aber auch Pflaumen.

Abgang: säuerlich frisch mit Beerentönen

Und zu guter Letzt wäre da noch der Werner Wermut PN Red, welcher das jüngst Pferd im Werner-Stall ist. Auch hier ist ein Pinot Noir der Ausgangswein (in diesem Fall natürlich nicht weißgekeltert) – und auch hier war es das im Grunde auch schon mit den Informationen.

Tasting Notes „Werner Wermut PN Red“:

Aroma: Wow, viel süßer, voller und reicher ist der Ersteindruck dieses Wermuts. Gut, irgendwo erwartet man das auch von einem roten, v.a., wenn er auf echtem Rotwein basiert und nicht wie viele rote Wermuts schlicht gefärbt wurde. Und tatsächlich ertappe ich mich abermals bei der Illusion, einen eher lieblichen, aber sehr voluminösen Rotwein im Glas anzunehmen. Früchtetee mit dunklen Beeren, etwas Waldhonig, auch wieder Hagebutten und Sauerkirschen. Pflaumen, ja, auch die sind hier wieder zugegen. Tabakblätter, minimale Töne von gegerbtem Wildleder und ein Gewürzhintergrund machen diesen Wermut hier zu meinem Favorit (zugegeben, ich trinke am liebsten Rotwein und meine Cocktailfavoriten basieren auch z.T. auf rotem Wermut).

Geschmack: Ja, das ist richtig toll und gefällt mir unglaublich gut! Vollreife Kirschen mit Zimt und einer Idee Nelken, dazu wieder etwas Honig (keinesfalls zu süß), Tannine, sogar ein Hauch Lakritz stellt sich ein. Das ist ein toller Wermut, ich freue mich schon auf einen Negroni mit diesem Tropfen!

Abgang: trocken mit adstringierenden Bittertönen und dunklen Früchten

Tja, was soll ich sagen? Die Werner Wermuts sind – meiner unterschwelligen Kritik an der geringeren Informationslage zum Trotz – wirklich ganz hervorragend! Ich hatte neulich schon mit den Giovannoni Wermuts recht genuin weinbetonte Wermuts im Glas, aber diese hier setzen diesem Trend definitiv die Krone auf! Sehr aromatisch, sehr authentisch, weniger süß, kurzum: ein wirklicher Genuss – nicht nur für erklärte Weinliebhaber (aber eben auch für solche)! Dass man mit diesen Tropfen hier einiges im Shaker, v.a. aber im Rührglas wird anfangen können, daran bestehen wenig Zweifel. Insofern habe ich auch zunächst mit einem Klassiker begonnen und wollte den Werner Wermut RG White unbedingt in einem Martini ausprobieren. Das hat hervorragend funktioniert! Zusammen mit bspw. einem Nikka Coffey Gin erhält man hier wirklich ein knackig-frisches Aromenfest voller Zitrustöne mit Tiefgang und jeder Menge Freude.

Klar, auch einen Negroni wollte ich unbedingt ausprobieren und habe daher den Werner Wermut PN Red zur Feuerprobe gebeten. Und die hat er ebenfalls mit Bravour bestanden. Ich liebe Negronis und bin hier durchaus anspruchsvoll in der Erwartungshaltung, insofern kann ich dem herrlich fruchtig-bitteren Werner Red mit seinen Tanninen und der Kirsche hier – gerade auch aufgrund der wenig ausgeprägten Süße – die Bestnote verleihen! Wirklich wunderbar!

Bleibt noch der Werner Wermut PN Rosé – und hier wollte ich etwas Eigenes ausprobieren. Gut, das ist vielleicht etwas zu hoch angesetzt, denn im Endeffekt habe ich nur eine Martini-Variation ausprobiert, die mir gut gefallen hat. Hier kommt der Eden Mill Love Gin in Kombination mit dem Werner Rosé, etwas Aperol, Lemon Bitters und einer Idee Fernet (wirklich nur eine Idee, es darf auf keinen Fall mehr als ein Dash sein!) in Spiel. Genannt habe ich den Drink einfach augenzwinkernd „Martiné“.

Rezept „Martiné“:

5 cl Eden Mill Love Gin
3 cl Werner Wermut PN Rosé
1 cl Aperol
1 Dash The Bitter Truth Lemon Bitters
1 Dash Fernet

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Martini

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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