Príncipe de los Apóstoles Mate Gin Fuerza Gaucha, Vermouth Giovannoni & der Apóstoles-Espresso-Negroni

Es ist inzwischen etwa zweieinhalb Jahre her, dass ich über einen sehr interessanten und auch durchaus unkonventionellen Gin berichtet habe. Bis zum heutigen Tage muss ich auch zugeben, nur wenige Gins probiert zu haben, die so sehr vom Aromenprofil etwa eines klassischen Tanquerays oder Beefeaters abweichen – ohne dabei aber wie viele New Western Dry Gins voll und ganz auf Frucht und Citrusaromen zu setzen und schon fast zu einer Art Obstgeist zu werden. Und heute freue ich mich darauf, gewissermaßen den neuen großen Bruder des Príncipe de los Apóstoles Mate Gin kennenzulernen. (zugesandte Testprodukte)*

Jetzt mag man sich fragen, wie es sein kann, dass eine neue Abfüllung direkt von mir als großer Bruder bezeichnet wird? Nun, meine Bezeichnung war schlicht eine Anspielung auf den höheren Alkoholgehalt (53% vol. – die Standardversion enthält lediglich 40% vol.), den der neue Príncipe de los Apóstoles Mate Gin Fuerza Gaucha mit sich bringt (war der ursprüngliche Name schon ein Brett, setzt diese Abfüllung dem noch einmal die Krone auf!). Wer sich jetzt fragt, was außer dem erhöhten Alkoholgehalt noch am Príncipe de los Apóstoles Mate Gin Fuerza Gaucha (ich musste es einfach noch einmal ausschreiben) neu ist, dem kann man schlicht antworten: nichts. Es handelt sich wirklich nur um das ursprüngliche Destillat, welches nun mit erhöhter Trinkstärke daherkommt. Doch jedem, der sich mit Spirituosen etwas auskennt, wird klar sein, welch einen Unterschied so etwas mitunter ausmachen kann. Alkohol fungiert als Aromenträger und entsprechend erwarte ich auch spürbare Unterschiede. Achja: Wer sich nun fragt, was denn überhaupt der Principe de los Apostoles Mate Gin ist, wer Renato “Tato” Giovannoni ist und überhaupt wie es zum Príncipe de los Apóstoles Mate Gin kam, dem sei die Lektüre meines ursprünglichen Artikels empfohlen.

Tasting Notes “Príncipe de los Apóstoles Mate Gin Fuerza Gaucha”:

Aroma: Auch der Príncipe de los Apóstoles Mate Gin Fuerza Gaucha zeigt zunächst die sehr charakteristische Eukalyptusnote, die den normalen Príncipe de los Apóstoles Mate Gin bereits so einzigartig gemacht hat, dazu finde ich aber auch eine feinere Note, die mich an Wasserminze denken lässt. Dahinter finden sich dann würzige Matenoten, überraschenderweise Milchschokoladenanklänge (ein wenig muss ich an „After Eight“ denken), Wacholder, etwas Röstkaffee und auch hier wieder ein Hauch Grapefruit. Besonders die Assoziationen von Schokolade und Kaffee sind für mich hier völlig unerwartet gewesen.

Geschmack: Auch am Gaumen ist zunächst der Eukalyptus der Hauptdarsteller, die Minze erinnert hier eher an Pfefferminze, die Schokoladentöne sind allerdings kaum präsent, dafür kommen süßliche Nuancen von Cremedesserts durch, zudem Wacholder, wieder etwas Mate (wenn auch sehr subtil, niemand muss diesen Gin meiden, wenn er Mate-Tee nicht mag) und Grapefruit. Der höhere Alkoholgehalt ist nicht im Geringsten störend oder scharf, mir gefällt auch diese Variante wirklich gut!

Abgang: überraschend herb und eher trocken mit Eukalyptus; würzig und langanhaltend

Doch damit nicht genug, zudem habe ich heute – ebenfalls entworfen von Tato Giovannoni – zwei Wermutflaschen unter der Lupe. Einen roten Wermut und einen weißen. Beide weisen ihre Besonderheiten auf: der rote Wermut hört auf den Namen Vermouth Rosso de Mayo Giovannoni und wurde auf Basis von argentinischem Bonarda-Rotwein hergestellt (wer sich mit Wermut befasst, dem wird bewusst sein, dass der Großteil roter Wermuts lediglich gefärbt ist und auf weißen Weinen basiert), sowie mit Wermutkraut und argentinischen Kräutern und Gewürzen aromatisiert. Das gleiche gilt auch für den weißen Wermut mit dem Namen Vermouth Seco Giovanonni, nur dass dieser eben auf argentinischem Torrontés-Weißwein basiert. Beides sind sehr spannende Abfüllungen, die ich auch noch unter die Lupe nehmen möchte. Während der rote Wermut mit 15,5% vol. in die Flasche kommt, schlagen beim weißen sogar 18% vol. zu Buche.

Tasting Notes „Vermouth Rosso de Mayo Giovannoni“:

Aroma: Das erste, was mir entgegenströmt, ist ein tiefer, dunkler Waldhonig. Dahinter kommt dann der Bonarda-Rotwein mit fruchtigen und satten Brombeer- und Kirschnnoten, dazu ein kräutriger Einschlag mit Wermut, Nelke und ein feiner Hauch von Kampfer. Der Honig kommt jedoch immer wieder zurück und spielt für mich den lebhaftesten Ton im Ton im Orchester.

Geschmack: auch hier zeigt sich der Honig, jedoch weniger süß als erwartet. Es kommen würzige Bitternoten auf, die ich auf die verwendeten Kräuter und Gewürze zurückführe, schließlich dominiert jedoch klar der Rotwein. Nicht jeder rote Wermut bietet ein solch authentisches Rotweingefühl mit Tanninen, Beeren und adstringierendem Naturell (was v.a. auch daran liegt, dass die meisten roten Wermuts gar keinen Rotwein enthalten).

Abgang: trocken, würzig mit Beerennoten – im Abgang kaum von einem Rotwein zu unterscheiden.

Tasting Notes “Vermouth Seco Giovannoni“:

Aroma: Wow, ein sehr schönes und irgendwo auch unerwartetes Bouquet mit hellen Früchten steigt mir entgegen: Pfirsich, Grapefruit, Mirabelle, Zitrone, dazu ein schöner Nelkenunterton – fast schon meint man zwischenzeitig, an einem Fruchtsaft zu riechen. Wermutkraut und eine schwer zu bestimmende Note, die an würzige Vanille denken lässt, ebnet sich ihren Weg. Ich mag das Aroma des Vermouth Seco Giovannoni wirklich ausgesprochen gern.

Geschmack: Würzige und bittere Zitronenschalen eröffnen mit einem doch weniger süßlichen und fruchtigen Eindruck, als die Nase ihn hat erwarten lassen (auch nochmal im Vergleich zum Vermouth Rosso de Mayo Giovannoni). Gekochte Quitten und wieder Mirabellen vermischen sich mit einer tiefgehenden, herbalen Bittere, die an einen Wurzeltee erinnert. Ein sehr vielschichtiger und schöner Wermut – mein Kompliment!

Abgang: Komplexe Bitternoten mit Grapefruitschalen, überraschend langanhaltend

Den Vermouth Seco Giovannoni werde ich in Zukunft auch noch in einem Drink einsetzen, doch heute habe ich auf den Príncipe de los Apóstoles Mate Gin Fuerza Gaucha und den Vermouth Rosso de Mayo Giovannoni zurückgegriffen und diese in einem Signature Drink eingesetzt, den ich auf der deutschsprachigen Herstellerseite entdeckt habe und den ich einfach ausprobieren musste. Als bekennender Negroni-Liebhaber sprach mich die Idee des Apóstoles-Espresso-Negroni sofort an, zumal hierfür eine Infusion benötigt wird, die lediglich anderthalb bis zwei Stunden dauert und nicht eine ganze Nacht. Im Original-Rezept wird eigentlich der normale Príncipe de los Apóstoles Mate Gin verwendet, aber mit den zusätzlichen Prozenten und Aromen des Príncipe de los Apóstoles Mate Gin Fuerza Gaucha (insbesondere den Schokoladen- und Röstkaffeenoten) schien mir das Rezept gleich noch vielversprechender zu sein. Und das Ergebnis ist wirklich klasse, ein toller, vielschichtiger, tiefgründiger Negroni, in den ich mich sofort verliebt habe!

Rezept Apóstoles-Espresso-Negroni:

4,5cl mit Espresso-infusionierter Príncipe de los Apóstoles Mate Gin Fuerza Gaucha (s.u.)
3cl Vermouth Rosso de Mayo Giovannoni
3cl Campari

mit Espresso-infusionierter Príncipe de los Apóstoles Mate Gin Fuerza Gaucha: Einfach auf jeweils 100ml Gin etwa 15g Espressobohnen guter Qualität geben und maximal zwei Stunden infundieren lassen (ich habe mit anderthalb Stunden ein sehr gutes Ergebnis erzielt). Schließlich durch ein Sieb die Kaffeebohnen herausfiltern.

Zubereitung: Der Drink wird im Glas gebaut. Einfach alle Zutaten auf massive Eiswürfel in ein vorgekühltes Glas geben und vorsichtig umrühren. Zuletzt mit dem Öl einer Orangenzeste besprühen.

Glas: Tumbler

Garnitur: Gedörrte Orangenscheibe

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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