Nikka Coffey Malt Whisky & Coffey Addict

Wohl kaum ein Aufstieg war so kometenhaft wie der Aufstieg japanischer Whiskys in den letzten Jahren. 2014 war es der Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013, der in Jim Murrays berühmter „Whisky Bible“ den Rekord von 97,5 von 100 Punkten verzeichnete und damit eine regelrechte Lawine ins Rollen brachte. Die Folge war ein signifikanter Preisanstieg einhergehend mit einer ebenso signifikanten Verknappung der Bestände (man muss kein Experte für Ökonomie sein, um diesen Zusammenhang zu verstehen). Die Auswirkungen sind bis heute offensichtlich. (zugesandtes Testprodukt)*

So hat es beispielsweise neben den preislichen Veränderungen bei einige Abfüllungen dazu geführt, dass sie klammheimlich vom Markt verschwunden sind. Denke ich z.B. an den von mir sehr geschätzten 10-jährigen Yamazaki mit seinen unglaublich voluminösen Fruchttönen, werde ich noch immer manchmal wehmütig. Aber auch, wenn ich bedenke, dass man einst einen 18-jährigen Yamazaki für 80 Euro kaufen konnte. Heute liegt so eine Flasche fast bei 600 Euro und das Ende der Preisentwicklung ist vermutlich längst nicht erreicht. Interessant ist in diesem Zusammenhang aber eben auch die Flächenwirkung des Hypes japanischer Whiskys. Denn während man meinen könnte, dass nur die Nachfrage nach eben jenem Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013 hätte ansteigen müssen, so zeigen meine Beispiele die Breitenwirkung auf die gesamte Yamazaki-Range.

Aber auch bei den Yamazaki-Abfüllungen ist hier längst nicht Schluss. Während die Yamazaki-Whiskys zum Suntory-Konzern gehören, existiert mit Nikka ein weiterer japanischer Whiskyproduzent, dessen Geschichte eng mit der des heutigen Konkurrenten verbunden ist. Suntory war bis 1963 unter dem Namen Kotobukiya Company bekannt und wurde in den 1920er Jahren auch maßgeblich von Masataka Taketsuru dabei begleitet, die Yamazaki-Destille als erste japanische Whiskydestille zu errichten. Masataka Taketsuru war ein japanischer Geschäftsmann und Chemiker, der 1918 nach Schottland reiste und dort neben einem Studium der organischen Chemie sich vor allem auch intensiv mit der praktischen Herstellung von Malt Whisky befasste (v.a. in der Hazelburn Distillery in Campbeltown). Zurück in Japan arbeitete er dann zunächst für den Suntory-Vorläufer Kotobukiya, gründete dann aber im Jahr 1934 sein eigenes Unternehmen unter dem Namen Nikka und errichtete zunächst die Yoichi Distillery in Yoichi auf der nördlichen Insel Hokkaido. 1969 kam dann die Miyagikyo Distillery in Aoba-ku, Sendai im Norden der Hauptinsel Honshū hinzu.

Und auch Nikka Whiskys wurden bis zum heutigen Tag mit Lob und Preisen bedacht, so dass es wenig verwundert, dass eben auch das Nikka-Sortiment einem Wandel unterworfen ist und viele Altersabfüllungen aufgrund hoher Nachfrage und der mangelnden Bestände aus dem Portfolio genommen werden mussten.

Und damit bin ich dann auch bei der heutigen Flasche angelangt, die auf den schönen Namen Nikka Coffey Malt Whisky hört. Wer sich an dieser Stelle nun direkt fragt, was denn ein Kaffee-Malt ist und ob hier etwa Röstkaffee mitverarbeitet wurde oder dergleichen, den muss ich direkt wieder einfangen und auf diesen erstaunlich beliebten Fehler hinweisen: Coffey bedeutet nicht Coffee! Coffey ist vielmehr der Nachname eines irischen Ingenieurs gewesen. Jener bereits im Jahre 1852 gestorbene Aeneas Coffey war nämlich der Entwickler einer bis heute verwendeten Säulendestillationsanlage, die meist als Column Still, aber eben auch als Coffey Still bezeichnet wird. Und genau daher rührt auch der Name des Nikka Coffey Malt Whisky.

Der Nikka Coffey Malt Whisky wird nämlich auf eben solchen Coffey Stills in Nikkas Miyagikyo Distillery gebrannt. Das ist insofern besonders, als dass Coffey Stills für gewöhnlich für die Produktion von Grain Whiskys verwendet werden und nicht für Malts bzw. Single Malts. Und auch wenn die Miyagikyo Distillery ihre Coffey Stills vor allem für Grain Whiskys im Zuge der Blended Whisky-Herstellung verwendet, so wurde in diesem Fall eben ein Malt Whisky aus gemälzter Gerste auf den Coffey Stills gebrannt, wovon man sich einen ganz eigenen, geschmacklichen Charakter verspricht. Ein genaues Reifungsalter erfahren wir zwar nicht (vgl. meine Anmerkungen über die nach und nach verschwundenen Altersabfüllungen), dafür bekommen wir mit 45% vol. eine recht vielversprechende Alkoholstärke geboten (und dazu noch eine sehr nett gestaltete Verpackung und ein gelungenes Flaschendesign). Mal schauen, wie sich der Nikka Coffey Malt Whisky in der Verkostung schlägt.

Tasting Notes:

Aroma: Helle Früchte (rötliche Äpfel, auch etwas Birne und eine Nuance Nektarine) und Zitrustöne bilden nebst Lebkuchengewürzen den Ersteindruck. Eine schöne Vanille und Röstkaffeenoten mit herbem Kakao, getrocknetem Tabak und etwas Honig runden das Aromenbild ab. Im Vorfeld bin ich des Öfteren auf die Erwähnung intensiver Klebstoffnoten gestoßen, diese finde ich hier aber nur mit viel Fantasie und kann mich der damit einhergehenden Kritik nicht wirklich anschließen.

Geschmack: Auch hier sind die hellen Früchte zugegen, müssen aber deutlich mehr Raum an die Fassnoten abtreten, die sich mit Eichennoten, Gewürzen und Vanille bemerkbar machen. Auch ist wieder etwas Röstkaffee mit von der Partie. Mit der Zeit kristallisiert sich vor allem eine Williamsbirne heraus, die mir sehr gut gefällt.

Abgang: relativ trocken, dabei aber lang und würzig

Auch wenn ich mit meinem Cocktail sicherlich nicht dazu beitrage, die Missverständnisse rund um die Bezeichnung „Coffey“ aus der Welt zu schaffen, so haben mich doch vor allem die schönen Röstkaffeetöne im Whisky zu diesem Drink inspiriert. Dazu habe ich den Nikka Coffey Malt mit einem Likör aus der spanischen Region Galicien kombiniert (ich berichtete über die Region und Aspekte der dortigen Trinkkultur im Rahmen meines Artikels über die Queimada), welcher auf Basis des galicischen Tresterbrandes Orujo hergestellt wird – im Notfall funktionieren aber auch andere Kaffeeliköre als Substitut. Hinzu kommen zwei Dashes der sehr schönen Dr. Sours Bitters #12, die mit dem Rauch der Mezcalbasis sehr schöne Schokoladen- und Teetöne mit einbringen. Abgerundet wird alles zur Unterstreichung der Fruchtnoten mit einem Hauch gereiftem Calvados. Ich konnte wirklich gar nicht genug von diesem Cocktail bekommen und deshalb habe ich ihn schlicht „Coffey Addict“ genannt.

Rezept „Coffey Addict“:

6 cl Nikka Coffey Malt
1,5 cl Pazo Valdomiño Licor Café de Galicia (alternativ ein anderer Kaffeelikör)
2 Dashes Dr. Sours Bitters # 12 Xoco Tea
1 Barlöffel Daron Calvados XO

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Martini

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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