Pure Spirits: Casa Noble Reposado Tequila

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Nachdem ich vor kurzem hier über die wirklich tollen Mezcals aus der Miel de Tierra-Reihe berichtet habe, möchte ich nun auch endlich das Thema Tequila hier aufgreifen. Im Grunde wundere ich mich manchmal selbst, weshalb ich zu dieser Spirituose bisher so wenig verfasst habe, da ich eigentlich ein sehr großer Freund des Agavenbrandes bin. Zugegeben, das ist noch nicht ewig der Fall, denn lange Zeit war Tequila für mich das, was es sicherlich bis heute für die meisten Menschen ist: irgend so ein klarer mexikanischer Fusel, den man mit Zitrone und Salz runterstürzt (oder es besser sein lässt). (Zugesandtes Testprodukt*)

Doch die Wahrheit ist eine ganz andere und umso trauriger ist es, dass bis heute im deutschsprachigen Raum genau dieser Brauch die Hauptassoziation mit Tequila bildet. Ganz so abwegig ist dieser Brauch dabei gar nicht einmal, denn man findet ihn durchaus auch in Mexiko, aber er ist letztlich ein Markenzeichen der billigeren und leider meist auch mieseren Qualitäten – wer sonst käme auf die Idee, sich eine Spirituosendegustation mit purem Salz und einem Biss in eine Zitronenscheibe zu ruinieren? Für einen wirklich guten Premiumtequila ist das jedenfalls völlig unangemessen. Doch bevor ich auf den heutigen Premiumtequila zu sprechen komme, möchte ich noch einige weitere Grundlagen zum Tequila aufführen.

Zunächst einmal ist Tequila ein Mezcal. Aber nicht jeder Mezcal ist ein Tequila. Was also ein wenig so klingt wie mit Quadraten und Rechtecken, hat damit zu tun, dass die Produktionsvorschriften für Tequila deutlich enger gezogen sind als für die Obergattung Mezcal (zu letzteren mehr im Artikel über die Miel de Tierra Mezcals). Tequila ist somit eine besondere Art des Mezcals, die nichtsdestotrotz eine Menge Gemeinsamkeiten aufweist, aber eben ihre eigene Charakteristik mitbringt. Hergestellt wird Tequila meist in der Umgebung der namensgebenden Stadt Tequila im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Er darf rechtlich zwar auch noch in ausgewählten Verwaltungsbezirken der Bundesstaaten Guanajuato, Michoacán, Nayarit, und Tamaulipas produziert werden, der Löwenanteil stammt jedoch aus Jalisco. Wie beim Mezcal wird hierfür das Herz der Agave, die „Piña“ (und zwar ausschließlich aus der blauen Agave Azul, auch Agave Tequilana Weber genannt) nach jahrelanger Wachstumsphase geerntet und traditionell in Erd- oder Steinöfen gegart – in großen Massen aber auch in Autoklaven (große Stahldruckbehälter). Der Zucker und Saft der Agaven wird nun in Tanks fermentiert und anschließend zweifach, manchmal auch dreifach destilliert. Eine wichtige Unterscheidung bilden hier der – für Premiumqualitäten obligatorische – 100%-Tequila, der aus 100% Agavensirup hergestellt werden muss und der „Mixto“, bei dem nur 51% Agavensirup vorgegeben sind, der Rest kann aus anderen Quellen stammen. Es wird vermutlich wenig verwundern, wenn ich darauf hinweise, dass der weithin verbreitete Sierra Tequila mit dem roten Hut (egal ob „silber“ oder „gold“) ein Mixto-Tequila ist – aber unter Salz und Zitrone schmeckt man ja eh nicht mehr viel heraus.

Nach der Destillation kann der Tequila nun noch in Eichenfässern reifen, was maßgeblich für seine Klassifizierung ist. Entweder als „blanco“ (oder „silver“) – d.h. ein direkt in Flaschen gefüllter Tequila, „joven/oro“ (oder „gold“) – d.h. ein Blend aus Blancotequila und gereifteren Sorten, „reposado“ – d.h. mindestens zwei Monate im Fass gereifter oder „añejo“ – d.h. mindestens ein Jahr oder als extra-añejo – d.h. mindestens 3 Jahre in Fässern gereift.

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So weit, so gut. Beim heutigen Tequila haben wir es mit einem Reposado zu tun. Und zwar mit einem exzellenten! Ich beginne selten eine Rezension bereits in den ersten Sätzen mit überschwänglichem Lob, aber dieser Tequila hat es wirklich verdient, denn er hat mich wirklich vom ersten Moment an geschmacklich umgehauen. Die New York Times hat ihn gar als weltbesten Tequila bezeichnet und auch viele andere Kritiker sind voll des Lobes über diese Flasche. Dieser Casa Noble Tequila Reposado, so sein voller Name, weist dabei einige Besonderheiten auf, auf die ich ebenfalls noch eingehen möchte.

Er stammt aus einer Destillerie in der Stadt Tequila selbst, die auf eine Geschichte bis ins Jahr 1776 zurückblickt. Auf destillerieeigenem Land wachsen auf 650 Hektar ausschließlich Bio-Agaven (USDA Certified Organic), welche zudem die ausschließliche Grundlage des Tequilas bilden. Es sind also keine Piñas von anderen Jimadores (mexikanische Agavenbauern) für den Tequila angekauft worden – erinnert also ein bisschen an Single Malt Whisky. Nach der Garung in Steinöfen und der anschließenden Fermentation wurde er zudem dreifach destilliert, was man im sehr feinen Geschmack auch bemerkt.  Dass auf der Verpackung angegeben ist, bei der Ernte bis zu 14 Jahre alte Agaven auszuwählen, muss man natürlich ein wenig mit Vorsicht genießen, denn der Zusatz „bis zu“ lässt ahnen, dass dies nicht unbedingt die Regel sein muss.

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Dennoch möchte man innerhalb der Reposadokategorie das Maximum herausholen und gewährt dem Casa Noble Reposado 364 Tage der Reifung, also genau einen Tag weniger, als man für einen Añejo benötigen würde. Als Marketinggag hat Jose „Pepe“ Hermosillo, der Kopf hinter der Casa Noble-Reihe, übrigens Carlos Santana als Paten für die Casa Noble Tequilas gewonnen, welcher selbst aus Jalisco stammt. Nun möchte ich aber nicht länger auf die Folter spannen und den Grund präsentieren, wieso ich eingangs so begeisterte Worte wählte.

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Tasting Notes:

Aroma: In der Nase zeigt sich eine betörende Vanille mit aromatischen Zitrustönen, ein wenig Pfeffer und rote Beeren des brasilianischen Pfefferbaums („Rosé-Pfeffer“), erdige Noten und süßer Honig. Dazu im Hintergrund eine vielschichtige Kräutersymphonie. Eine tolle Nase offeriert dieser Tequila, man könnte den ganzen Abend nur daran riechen.

Geschmack: Im Geschmack fällt der Casa Noble Reposado zunächst sehr würzig aus, bleibt dabei aber hinsichtlich des Alkohols ausgesprochen mild, die Zitrustöne (tatsächlich mit etwas Zitronengrass) sind ebenso da wie die Vanille. Hinzu gesellen sich Pfeffer (aber subtiler als in der Nase), Heidekraut und ein feiner Lavendelhonig. Die Eiche kommt im Hintergrund mit Gewürzen durch. Und natürlich bietet der Casa Noble Reposado den charakteristischen Agavengeschmack seines Genres. Ein komplexer, wunderbarer Geschmack.

Abgang: sehr lang, wieder mit etwas mehr Pfeffer und Eiche, dabei aber süßlich und warm. Wow, ich bin wirklich begeistert.

Für die Verwendung in Cocktails finde ich diesen erstklassigen Tequila schon fast zu schade, aber dennoch kann ich ihn mir gut in Cocktails vorstellen, in denen er nur wenig von anderen Zutaten überdeckt wird. Hierzu werde ich in Zukunft noch etwas vorstellen.

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Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online. Der Casa Noble Reposado Tequila wird mit 40% vol. abgefüllt und kostet um die 50 € (0,7l Flasche).

*(Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.)

6 thoughts on “Pure Spirits: Casa Noble Reposado Tequila

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