Freimeisterkollektiv Krauseminze & der Deconstructed Rye Julep

Minze ist nicht gleich Minze – das wird jedem Cocktailbegeisterten schnell klar. Trotzdem ist es für viele längst keine Selbstverständlichkeit und gerade Erstversuche von Einsteigern können zu unerwarteten Ergebnissen führen. Ein Cocktail, der nach frischer Minze verlangt (und das tun unzählige) steht und fällt eben mit der Wahl der richtigen Minze. Und das ist gemeinhin die Krauseminze oder auch Grüne Minze genannt, welche im Gegensatz zur Pfefferminze kein Menthol enthält. Verwechselt man beide, merkt man das sofort. Verwechselt man sie in einem Cocktail und gibt Pfefferminze statt der (Grünen) Minze hinzu, ruiniert das i.d.R. sofort den ganzen Drink. Weder ein Mojito noch ein Mint Julep sollen einem das Gefühl eines Pfefferminzbonbons geben. (zugesandtes Testprodukt)*

Jetzt mag mancher sich fragen, warum ich sowas hier erzähle, wo ich scheinbar diese Unterscheidung bisher doch immer stillschweigend vorausgesetzt habe. Zugegeben, ich hätte diese Aufklärungsarbeit auch anderswo unterbringen können, vielleicht gar einen ganzen Artikel nur über Minze schreiben können, aber heute soll es um etwas Anderes gehen, nämlich um einen Krauseminze-Kräutergeist. Erst vor ein paar Tagen habe ich hier über das Freimeisterkollektiv geschrieben – und bin heute gewissermaßen wieder dort gelandet. Denn ich habe den Freimeisterkollektiv Krauseminze (Kräutergeist) vor mir stehen.

Dieser stammt aus der Schmiede von Georg Hiebl, welcher seines Zeichens der Sprössling einer Landwirtschaftsfamilie aus dem niederösterreichischen Mostviertel ist, die dort den Vierkanthof betreibt. Georg Hiebl spezialisierte in den 90er Jahren den Betrieb und widmet sich seit 1997 ausschließlich der Destillation von Edelbränden. Krauseminze in einem Geist zur Geltung zu bringen, ist etwas, das mir persönlich in dieser Form bisher nicht begegnet ist. Georg Hiebl bietet hier also eine echte Innovation, die natürlich super spannend für den Einsatz in Cocktails ist. Der mit 40% vol abgefüllte Kräutergeist ist also etwas, das ich so noch nicht im Glas hatte.

Tasting Notes:

Aroma: Tja, normalerweise unterteile ich hier meine Notizen klassisch in Aroma, Geschmack und Abgang. Im Falle des Freimeisterkollektiv Krauseminze-Kräutergeists von Georg Hiebl ist das allerdings eigentlich überhaupt nicht nötig, denn wer nur die Nase in die Nähe des Glases bewegt, der weiß sofort, das hier schlicht die Krauseminze die Essenz all dessen ist, was da zu beschreiben wäre. Und wie wunderbar das doch funktioniert! Man vernimmt hier nicht den Hauch einer auch nur irgendwie gearteten Künstlichkeit, wie sie manchmal bei Minzlikören anzutreffen ist; vielmehr ist da die geballte, frische, tiefgründige, aromatische und würzige Krauseminze im Glas. Sie duftet, wie ein frisch abgeschnittener Minzzweig, dann wie ein Blatt, das man leicht zwischen den Fingern gerieben hat, es ist wirklich die Seele bzw. eben der Geist der Grünen Minze hier eingefangen worden. Das ist einfach toll und begeistert mich regelrecht.

Geschmack und Abgang: Auch geschmacklich die gleiche, keine Zweifel zulassende Authentizität: Frische, Grüne Minze, umrahmt von einem tragenden, nicht störenden Alkohol mit einem anschließenden, langen Abgang, der einfach keine Fragen zulässt. Es ist eben Krauseminze – genauso, wie sie sein soll und nicht anders.

Beim Experimentieren wurde mir schnell klar, dass diese geballte Essenz der Grünen Minze nicht in hohen Dosen verwendet werden muss bzw. sollte. Bereits ein halber Zentiliter gibt einem Drink den Effekt mit, den eine kleine Hand voll Minzblätter ebenfalls haben würde. Aber ich wollte heute wirklich die volle Minzladung und habe mich deshalb an einen Drink gemacht, der von einem meiner absoluten Lieblingscocktails inspiriert ist: dem oben bereits verlinkten Mint Julep. Doch hier einfach nur die frische Minze durch eine wohldosierte Menge des Freimeisterkollektiv Krauseminze zu ersetzen, wäre sicher möglich, aber irgendwie witzlos gewesen. Stattdessen habe ich mich an einen auf die Essenz runtergebrochenen, „dekonstruierten“ Julep gewagt und den Bourbon durch ungereiten Roggenwhisky aus dem finnischen Hause Kyrö ersetzt. Der Kyrö Juuri New Make Rye wird von ein wenig Zuckersirup und 0,75 cl des Freimeisterkollektiv Krauseminze Kräutergeist begleitet und bekommt noch einen Hauch von Bourbonvanille durch 2 Dashes der Fee Brothers Whiskey Barrel Aged Bitters. Streng genommen ist das also eigentlich eher ein Old Fashioned als ein Julep, aber hey, wer will denn so streng sein? Aber gerade weil es hier eine Gratwanderung ist, habe ich den Drink in einem gläsernen Tumbler in Szene gesetzt. Der klassische Silberbecher wird nur durch die Garnitur in Erinnerung gerufen. Und hier ist er, mein Deconstructed Rye Julep. Cheers!

Rezept „Deconstructed Rye Julep“:

5,5 cl Kyrö Juuri New Make Rye
0,75 cl Freimeisterkollektiv Krauseminze Kräutergeist
2 Barlöffel Zuckersirup
2 Dashes Fee Brothers Whiskey Barrel Aged Bitters

Zubereitung: Ein vorgekühltes Glas mit gestoßenem Eis füllen, die Zutaten auf das gestoßene Eis geben und mit dem Barlöffel vorsichtig einige Mal umrühren. Mit weiterem gestoßenen Eis auffüllen und mit der Hand eine kleine Kuppel aus Eis auf dem Glas formen.

Glas: Tumbler

Garnitur: Minzblatt und essbare Silberperlen (als Reminiszenz an den klassischen Julepbecher)

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

2 thoughts on “Freimeisterkollektiv Krauseminze & der Deconstructed Rye Julep

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