The Dead Rabbit Irish Whiskey & The Auld Triangle

Irland und Whiskey – das gehört offenkundig zusammen. Obwohl Irland eine der höchsten Alkoholsteuern Europas aufweist, gibt es neben Guinness, Butter, der Farbe Grün und dem vierblättrigen Kleeblatt wohl kaum etwas, das man so sehr mit der Insel im Westen Englands verbindet. Doch die Geschichte des irischen Whiskeys ist eine sehr wechselhafte und unter vielen Whiskeygenießern ist der Ruf des irischen Lebenswassers längst nicht so gut, wie man gemeinhin meinen könnte. (zugesandtes Testprodukt)*

Die Ursachen für den mitunter etwas lädierten Ruf sind dabei sehr vielfältig. Eine vollumfängliche Abhandlung zur Thematik kann und möchte ich daher hier auch im Folgenden nicht geben. Jedoch ist die irische Whiskeyindustrie im Gegensatz zur schottischen im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts deutlich stärker geschrumpft – fast kann man sagen: eingebrochen. Vor allem die amerikanische Prohibition und die damit weggebrochenen Absatzmärkte, aber auch der billigere schottische Blended Whisky, der ab Mitte des 19. Jahrhunderts auf Destillationskolonnen hergestellt wurde und den teureren Pot Still-Blend der Iren unter Druck setzte, waren hier maßgeblich verantwortlich. Zahlreiche irische Destillen starben und auch diejenigen, die auf günstigere Destillationskolonnen umstellten, hatten im Nachgang der Prohibitionsjahre oftmals ihre einstige Stellung eingebüßt und waren nicht mehr konkurrenzfähig. Auf die gegenwärtig stark anhaltende Nachfrage nach Single Malt Whisk(e)y, von dem v.a. schottische Brennereien profitierten, war man leider ebenfalls nicht in dieser Form vorbereitet. Doch inzwischen ändert sich auch in Irland eine Menge und man versucht, ein Stückchen vom Kuchen wieder zurückzuerobern.

Dass Whisk(e)y aber natürlich nicht nur „Single Malt“ bedeutet und inzwischen auch Blended Whisk(e)ys wieder ein Stück weit in den Fokus geraten, spielt dem Wiedererstarken irischer Whiskeys natürlich etwas in die Karten. Ebenso die traditionell enge Verbindung der Iren (und somit auch des irischen Whiskeys) mit den Vereinigten Staaten von Amerika – v.a. der Stadt New York. Und genau dieser Hintergrund ist es, vor dem sich die Entstehungsgeschichte der heute hier im Mittelpunkt stehenden Flasche abspielt: Der The Dead Rabbit Irish Whiskey ist das Ergebnis einer Kooperationsarbeit zwischen Darryl McNally, dem Master Distiller der irischen The Dublin Liberties Distillery, und den beiden Gründern des Dead Rabbit in New York City: Sean Muldoon & Jack McGarry (über meinen Besuch in der zwischenzeitlich zur „besten Bar der Welt“ gewählten Bar habe ich vor längerer Zeit einen eigenen Artikel geschrieben).

Zum The Dead Rabbit Irish Whiskey gehört ein schönes, mit dem Logo des Whiskeys verziertes Leinensäckchen.

Es handelt sich bei diesem Whiskey um einen Blend aus fünfjährigen Single Malts und Grain Whiskeys. Das Besondere ist hier die doppelte Fassreifung: zum einen lässt man ihn für fünf Jahre in ehemaligen Bourbonfässern reifen und schließlich erhält er ein Finish in frischen amerikanischen Weißeichenfässern, wie sie gesetzlich für die Bourbonproduktion vorgeschrieben sind. Insofern hat man es hier tatsächlich mit einem wahrlich irisch-amerikanischen Produkt zu tun. Der Whiskey ist natürlich auch bzw. vor allem für den Barkontext konzipiert. Zwar zielt man hier nach eigenen Angaben auch auf das Sipping-Segment und empfiehlt den Whiskey durchaus auch pur (sogar „on the rocks“, was typisch amerikanisch ist), aber natürlich muss ein The Dead Rabbit Irish Whiskey sich auch als Cocktailzutat eignen – vor allem natürlich in einem Irish Coffee, den man wohl kaum an einem anderen Ort so vollendet serviert bekommt wie im Dead Rabbit in New York City. Abgefüllt wurde mit 44% vol.

Tasting Notes:

Aroma: Tatsächlich erkennt man in der Nase bereits eine Art irisch-amerikanischen Hybrid. Vanille und Karamell, die an einen Bourbon denken lassen, gesellen sich zu würzigen, kräutrigen Noten. Besonders Heidekraut finde ich hier, sowie einen feiner Eicheneinschlag mit Gewürzen, etwas Honig und einer subtilen Nelke.

Geschmack: Auch am Gaumen dominiert eine feine Vanille- und Karamellnote, trotz des noch jungen Alters tritt aber auch spürbar ein Fasseinfluss hinzu. Der Einfluss eines frischen Weißeichenfasses ist eben sehr prägnant. Würzig, wieder etwas Nelke, Honig und ein für dieses Alter recht gut eingebundener Alkohol. Zwar finde ich noch sehr feine, metallische Nuancen der Jugend, aber diese fallen nicht wirklich negativ ins Gewicht. Alles in allem ein solider Whiskey, der auch geschmacklich wirklich gut zu seiner Geschichte passt.

Abgang: mittellang, würzig, mit etwas Honig.

Ich habe mich heute für einen relativ schlichten Drink entschieden, der als Old Fashioned-Variante die Charakteristik des The Dead Rabbit Irish Whiskey nicht zu sehr überdeckt. Dazu habe ich ein Stoutsirup aus O’Hara’s Irish Stout hergestellt und es mit dem The Dead Rabbit Irish Whiskey kombiniert. Zudem habe ich die auf Mezcalbasis hergestellten #2 Café de Olla Bitters aus der erst kürzlich hier vorgestellten Dr. Sours-Serie eingesetzt. Die würzig-exotische Note und der leichte Rauch der Mezcalbasis heben den Drink dadurch auf eine gänzlich ungewohnte, aber überaus köstliche Stufe. Ein amerikanisch-irisch-mexikanische Dreiecksbeziehung! Benannt habe ich diesen Old Fashioned frei nach einer Ballade des irischen Schriftstellers Dominic Behan, die mir v.a. durch die Umsetzung der legendären Dubliner bekannt ist: The Auld Triangle. Auch wenn es in der Ballade eigentlich um einen Triangel in einem Gefängnishof geht, so passt der Name doch hier auch sehr hübsch. Ich bin überdies wirklich sehr zufrieden mit diesem Cocktail und werde ihn sicher nicht zum letzten Mal zubereitet haben.

Rezept „The Auld Triangle“:

6 cl The Dead Rabbit Irish Whiskey
3 Barlöffel Stout-Sirup (s.u.)
2 Dashes Dr. Sours #2 Café de Olla Bitters

Stout-Sirup: Einfach irisches Stout im Verhältnis 1:1 mit Zucker in einer Pfanne zum Köcheln bringen und etwas eindicken lassen, bis eine sirupartige Konsistenz entstanden ist.

Zubereitung: Der Drink wird im Glas gebaut: einfach alle Zutaten auf große Eisnuggets ins Glas geben, umrühren, fertig.

Glas: Tumbler

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.