Knob Creek & The Iron Ranger

Derzeit steht Bourbon Whiskey wohl noch mehr im Fokus denn je. Das liegt allerdings weniger daran, dass der mindestens auf 51-prozentiger Maisbasis hergestellte Brand mit einem Schlag eine noch riesigere Fanschar gewonnen hätte (obwohl sich die Verkaufszahlen gut entwickeln und tatsächlich mehr und mehr Leute sich auch in Europa für hochwertigen Bourbon interessieren), sondern vor allem am schwelenden Handels- und Zollkonflikt zwischen den USA und der Europäischen Union. Zu wirklich signifikant erhöhten Endverbraucherpreisen hat dies bisher allerdings zum Glück nicht geführt. (zugesandtes Testprodukt)*

Aber ich möchte auch gar nicht das – durchaus auch spannende – ökonomische Geplänkel um Einfuhrzölle hier reflektieren oder bewerten. Wie ein guter Bartender versuche ich, mich zumindest hier im Blog tendenziell aus politischen Debatten etwas herauszuhalten (auch wenn ich im Rahmen des Scofflaw-Cocktails einmal eine augenzwinkernde Ausnahme gemacht habe). Stattdessen möchte ich einmal mehr das Augenmerk auf einen Bourbon Whiskey werfen, der aus einem der berühmtesten Häuser stammt, die es im Kontext des uramerikanischen Getränks gibt: Jim Beam.

Das im Jahr 1760 vom deutschstämmigen Johannes Jakob Böhm gegründete Traditionsunternehmen, welches damals noch unter dem Namen Old Jake Beam Whiskey verkaufte, besitzt in Sachen Whiskey eine ungemein hohe Reputation. Inzwischen bietet man für das Premiumsegment vier verschiedene Standardabfüllungen an, die sogenannte Small Batch-Serie: den Baker’s, den Booker’s, den Basil Hayden‘s und den Knob Creek (die bereits von mir rezensierten habe ich entsprechend verlinkt). Die vier Abfüllungen unterscheiden sich in verschiedenen Aspekten wie der Fassreifung, dem Alkoholgehalt oder auch der Zusammensetzung der Maische (vgl. dazu auch die verlinkten Artikel). Heute soll es hier nun um den Knob Creek Kentucky Straight Bourbon Whiskey gehen.

Beobachtern und Kennern des Bourbonmarktes wird vermutlich geläufig sein, dass beim Knob Creek ein ähnliches Phänomen zu beobachten ist, wie es auch beim Basil Hayden’s der Fall war bzw. ist: anstelle einer ursprünglich auf dem Etikett zu lesenden Altersangabe (9 Jahre beim Knob Creek) findet man inzwischen keine solche Altersangabe mehr. Der Knob Creek trägt stattdessen lediglich den Aufdruck: „patiently aged“. Ob man nun geduldig oder weniger geduldig auf die Fassreifung gewartet hat, kann ich nicht beurteilen. Seitens Jim Beam lässt man hierzu nur wenig verlauten, es soll aber problemlos möglich sein, auch unter Einbringung von jüngeren Whiskeys den gewohnten Knob Creek-Geschmack unverfälscht zu erzeugen. Dennoch soll der Knob Creek sich immer noch am Alter von 9 Jahren orientieren, auch wenn man hier keine rechtlich bindende Etikettierung mehr vornimmt. Der in der Nähe der Destille verlaufende Fluss Knob Creek war der Namensgeber für diese Abfüllung und die Region Kentuckys, in der sogar Abraham Lincoln geboren wurde. Der Knob Creek ist nach Konzernangaben der meistverkaufte Bourbon aus der Small Batch-Serie. Man hat sich hier am Stile eines „Pre-Prohibition“-Bourbons orientiert. Abgefüllt wird er mit 50% vol. (100 % Proof – oder auch Full Proof) und liegt preislich ungefähr bei 30 Euro.

Tasting Notes:

Aroma: Ein sehr würziger und mit breiter Brust aufwartender Bourbon ruht hier im Glas. Die Vanille ist sehr schön aromatisch und vielschichtig. Noten von Karamell, die an Crème brûlée denken lassen, ein wenig gesalzene Butter, Roggen, etwas Zimt und auch ein Hauch von Ahornsirup gesellen sich zu einer angenehmen Eichenwürze.

Geschmack: Ein kraftvoller Antritt, die 50% vol. bringen reichlich Aromen mit sich mit Karamell, Zimt, einer schönen Vanille und jeder Menge Eiche. Zwischenzeitig kommen mir Assoziationen von Zuckerwatte, etwas Schokolade und einer Idee Nelke. Ein würzig-voller Bourbon mit Elan! Vielleicht kein idealer Einsteigerbourbon, aber ein großartiger Vertreter seines Genres für all jene, die Bourbon lieben!

Abgang: lang und trocken mit Eichennoten, Nüssen und gesalzenem Karamell

Der Cocktail, den ich hier zum Knob Creek vorstellen möchte, hört auf einen zunächst einmal sehr ur-amerikanisch klingenden Namen: Iron Ranger. Wenn man sich jedoch Rezeptur und Präsentation anschaut, wird man sich wohl eher verwundert die Augen reiben, denn hier schrillt mehr als nur ein bisschen der Tiki-Alarm. Obwohl ich in der Vergangenheit z.B. mit dem Mango Overboard auch schon einmal Tiki-Drinks auf Bourbonbasis vorgestellt habe, ist und bleibt diese Zutat natürlich in der polynesisch inspirierten Cocktailwelt eine Ausnahme. Und natürlich kann man mit einem Knob Creek auch ganz fraglos hervorragende Klassiker wie Old Fashioned, Manhattan oder Mint Julep zubereiten, aber der Iron Ranger ist eben geschmacklich auch eine echte Granate! Und der Knob Creek bringt so wohl Kraft und Würze mit, dass er hier einfach eine exzellente Figur abgibt. Kennengelernt habe ich den Drink erst in diesem Sommer durch einen Artikel des Imbibe-Magazines. Er stammt aus dem Raised by Wolves in San Diego, Kalifornien, wo er von Erick Castro erfunden wurde. Beim Falernum fiel meine Wahl auf das Old Judge Falernum – und das hat ganz hervorragend funktioniert! Den Zuckeranteil des Originalrezeptes habe ich minimal reduziert.

Rezept „Iron Ranger“:

6 cl Knob Creek Bourbon Whiskey
2,25 cl Zitronensaft
3 cl Ananassaft
1,5 cl Falernum
1 cl Zuckersirup
2 Dashes Angostura Bitters
1,5 cl gestoßenes Eis

Zubereitung: Alle Zutaten ohne weiteres Eis (lediglich die 1,5 cl gestoßenes Eis werden verwendet) in einem Shaker schütteln, um sie etwas zu verdünnen und das Eis zum Schmelzen zu bringen. Schließlich in ein mit gestoßenem Eis gefülltes Glas abseihen.

Glas: Hurricane

Garnitur: Minze und Zimtstange

Bezugsquellen: Der Knob Creek lässt sich z.B. über Conalco beziehen.

*Die Flasche für dieses Review wurde mir von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet jedoch nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

 

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