Lantenhammer Williams, Lantenhammer Waldhimbeer und zwei Cocktailideen

Wer diesen Blog seit Jahren aufmerksam verfolgt, dem wird aufgefallen sein, dass ich mich immer wieder für die vielfältigen Möglichkeiten und das große Potenzial von Obstbränden- und geisten hinter der Bar ausgesprochen habe. Und das sage ich stets nicht einfach so daher, sondern das meine ich auch wirklich so, denn die in Deutschland mit Abstand verbreitetste Sparte des Brennerhandwerks hat neben Tradition oftmals auch eine ganz Menge Innovation zu bieten. In jedem Fall aber meist hochwertige Qualität. Und tatsächlich war mein persönlich erstes „Tasting“ eines, das eng mit Obstbränden verbunden war. (zugesandtes Testprodukt)*

Heute möchte ich einen Blick auf zwei Produkte aus dem Hause Lantenhammer werfen. Nicht nur Obstbrandkennern dürfte der Name Lantenhammer ein Begriff sein, zählen sie doch sicherlich zu den erfolgreichsten und auch bekanntesten Obstbrennern in Deutschland – die inzwischen auch vor allem für den Slyrs Whisky viel Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten haben. Die Brennerei Lantenhammer wurde erstmalig im Jahr 1928 als Enzianbrennerei in Hausham (südlich von München) gegründet. Nach einem Betriebsumzug und einer Neugründung in den Nachkriegsjahren befindet sich die Brennerei seit 2014 nun wieder in Hausham (zwischenzeitlich war man in Schliersee beheimatet).

Um meinen persönlichen Erstkontakt mit Destillaten der Brennerei zu beschreiben, muss ich tatsächlich zu einer kleinen Anekdote ausholen. Wie eingangs bereits gesagt, habe ich tatsächlich gewissermaßen mein erstes „Spirituosentasting“ mit Erzeugnissen dieser Brennerei erlebt. Damals existierte der Begriff „Tasting“ allerdings so noch nicht – und ich hatte obendrein überhaupt keine Ahnung von Spirituosen, Cocktails oder überhaupt irgendwelche Berührungspunkte mit gehobener Spirituosen- oder Barkultur; es müsste in etwa 20 Jahre her sein (plus/minus ein oder zwei Jahre). Damals war ich vielleicht 20 Jahre alt und besuchte ein Heimspiel des allseits bekannten Bundesligavereins meiner Heimatstadt (welchem ich auch seit Kindheitstagen die Treue halte): Borussia Dortmund. Ich hatte das Glück, mit einem Freund zusammen zwei Karten für die VIP-Lounge des Stadions erhalten zu haben, die zu dieser Zeit gerade neu umgebaut worden war. Inzwischen habe ich längst vergessen, welches Spiel es genau gewesen ist, aber ich kann mich noch genau daran erinnern, dass an einem Tresen in der VIP-Lounge ein groß aufgebautes „Probierangebot“ der Brennerei Lantenhammer stattfand, wo man die Möglichkeit hatte, einige der Destillate der Brennerei kennenzulernen. Nun wäre es übertrieben, zu sagen, dass ich mich an Details erinnere. Ich hatte wirklich von nichts eine Ahnung und habe lediglich ein paar „Schnäppse“ mit meinem Kumpel getrunken. Wohl weiß ich aber noch, dass es mir sehr gefallen hat und ich die unterschiedlichen Obstsorten in ihrer flüssigen Form als wirklich positives Erlebnis in Erinnerung behalten habe.

Insofern schließt sich heute gewissermaßen ein kleiner Kreis, denn ich freue mich natürlich, in gewisser Weise „Erinnerungen auffrischen zu können“, auch wenn das vielleicht eher eine nostalgische Formulierung denn eine akkurate Beschreibung dessen ist, was tatsächlich beim Verkosten der Spirituosen zu erwarten ist.

Aber gut, werfen wir also einen Blick auf die beiden Abfüllungen, um die es heute gehen soll: zum einen wäre da der Lantenhammer Williamsbrand und der Lantenhammer Waldhimbeergeist. Beide kommen mit ansprechenden 42 % vol. in wirklich schön gestalteter Flasche daher, wie man es bei Obstbränden und –geisten oft sieht. Grundsätzlich möchte ich in diesem Artikel nicht abermals ausholen, um den Unterschied zwischen Bränden und Geisten zu erläutern, was ich schon desöfteren getan habe. Nur so viel: Ein Brand wird aus der Obstmaische der entsprechenden Frucht gebrannt, ein Geist entsteht durch die Mazeration von Früchten in Alkohol, welcher anschließend nochmals destilliert wird.

Der Lantenhammer Williamsbrand wird aus Williamsbirnen aus dem Bozener Becken in Südtirol hergestellt, die drei Wochen lang vergoren und dann doppelt auf 450 Liter-Kupferkesseln gebrannt werden. Auf eine Filtrierung verzichtet man hier gänzlich. Nach einer Reifung in Steingutbehältern kommt der Brand schließlich in die Flasche.

Tasting Notes „Lantenhammer Williams“:

Aroma: Ja, eine feine, zuckrige Williamsbirne liegt hier im Glas, die authentisch und mit feinen Untertönen von Vanille verlockt. Assoziationen von Blumenwiesen, minimalen Apfelnoten und entfernt kräutrigen Nebenklängen bilden ein sehr gelungenes Aromenfundament.

Geschmack: Auch am Gaumen zeigt sich eine schöne Williamsbirne mit vermeinter Süße; fast glaubt man, die samtige Struktur der Birne am Gaumen zu schmecken. Sehr feine und subtile Töne von Minze und Gewürzen sind ebenfalls mit von der Partie. Der Alkohol ist schön eingebunden, ein sehr guter Williamsbrand, keine Frage, der mir auch nochmal intensiver vorkommt als ich es von einigen anderen Williamsbränden kenne.

Abgang: mittellang mit Birne, Nuancen von Zimt und Assoziationen von Tanninen

Der Lantenhammer Waldhimbeergeist hingegen ist ebenfalls unfiltriert (Lantenhammer bietet allerdings auch einen filtrierten Waldhimbeergeist an – im Gegensatz zu diesem weist der unfiltrierte eine leichte Trübung auf) und basiert auf Waldhimbeeren aus den Bergen und Wäldern der Karpaten. Falls man sich nun fragt, warum hier der Begriff Waldhimbeere so hervorgehoben wird: in Abgrenzung zu Zuchthimbeeren, wie man Sie meist aus Supermärkten kennt, weisen Waldhimbeeren ein intensiveres Aroma auf.

Tasting Notes „Lantenhammer Waldhimbeer“:

Aroma: Auch hier ist das Aroma derart überzeugend, dass man mit geschlossenen Augen nach einer Schale voll reifer Waldhimbeeren greifen mag. Frische, fruchtige Waldhimbeeren zeigen sich samt ihrer typischen Kerncharakteristik mit subtilen Anklängen von Zitrone, Erdbeeren, Puderzucker und einem Hauch Vanille sowie diffusen Kräutern.

Geschmack: Waldhimbeere so weit der Gaumen schmeckt! Mit der Zeit kommen dann auch hier wieder Assoziationen von Zitrone und Erdbeere auf, eine Idee von weißem Pfeffer, eine Nuance Salbei und heller Honig vor erneut diffus kräutrigem Hintergrund. Wunderbar!

Abgang: langanhaltend mit fruchtiger Himbeere und einer feinen, authentischen Bittere der Fruchtkerne.

Nun aber auch zu einem eigentlichen Herzensanliegen: der Verwendung von Obstbränden und –geisten in Cocktails. Wie schön das gelingen kann, möchte ich heute mit einem ersten Rezept zeigen, das Jan Halfpap 2016 im Hamburger Le Lion entwickelt hat: den Savelberg. Dieser nach dem niederländischen Journalisten Robert Savelberg benannte Drink ist einfach wunderbar und komplex ausbalanciert, so dass seine Zutaten sowohl erkennbar bleiben, aber zusammen schlicht mehr als die Summe seiner Teile ergeben. Basis ist hier der Rutte Old Simon Genever, den ich auch im Drink für nicht ersetzbar durch einen anderen Genever halte. Bei den beiden Wermuts kann man sicherlich mehr herumspielen, weshalb ich diese nur allgemein aufführen möchte. Der unfiltrierte Lantenhammer Williamsbrand ist hier deshalb eine so schöne Wahl, weil er wirklich intensiv daherkommt und im Drink klar und selbstbewusst seine Visitenkarte vorzeigt, was mir sehr, sehr gut gefällt. An dieser Stelle vielen Dank an Jan Halfpap für den tollen Cocktail.

Rezept „The Savelberg“:

5 cl Rutte Old Simon Genever
1 cl Lantenhammer Williamsbrand (unfiltriert)
1,5 cl trockener, weißer Wermut
1,5 cl süßer, roter Wermut
0,5 cl Zitronensaft
0,5 cl Honig

Zubereitung: Obwohl hier Zitronensaft eingesetzt wird, wird der Drink gerührt. Dafür zunächst alle Zutaten im Rührglas kurz ohne Eis verrühren, um den Honig aufzulösen. Dann mit Eis gewohnt kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette oder Goblet

Garnitur: Orangen- oder Zitronenzeste

Ein zweiter Drink ist im Grunde ein Abwandlung des schönen Cocktails Barbary Coast. Der Barbary Coast ist ein Drink aus der Prohibitionszeit, dessen genaue Ursprünge im Dunkeln liegen. Eigentlich handelt es sich hierbei um eine Mischung aus nicht-rauchigem Scotch, Gin, weißer Creme de Cacao und flüssiger Sahne. Man erahnt bereits beim Lesen der Zutaten, dass der Drink auch wunderbar mit einem Himbeergeist funktioniert. Und genau so ist es auch. Kurzerhand habe ich den Drink also „Raspberry Coast“ genannt.

Rezept „Raspberry Coast“:

3 cl nicht rauchiger Scotch (ich habe einen Auchentoshan Three Wood verwendet)
1,5 cl Lantenhammer Waldhimbeer (unfiltriert)
2,5 cl Dutch Cacao Creme de Cacao White
2 cl flüssige Sahne.

Zubereitung: Alle Zutaten kräftig mit Eis schütteln und doppelt ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: geriebene Muskatnuss

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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