Siglo Cero Pox und der Pox Negroni

Heute geht es hier um flüssige Maya-Medizin! Ja, ganz richtig gelesen, wir haben es mit einem sehr ungewöhnlichen Destillat aus Mexiko zu tun, das übersetzt so viel wie „Medizin“ bedeutet. Die Rede ist von Pox (gesprochen: Posch), einem aus gelbem, rotem, schwarzem und weißem Mais, Weizen und Zuckerrohr destillierten Schnaps aus Mexiko. Tatsächlich hatte ich vor dem Verfassen dieses Reviews noch nie von einem solchen Destillat gehört – und ich bin sicherlich nicht allein damit. (zugesandtes Testprodukt)*

Pox ist auch einerseits ein sehr junges Phänomen auf dem Spirituosenmarkt, andererseits aber eine lang etablierte und traditionsreiche Spirituose. Wie passt das zusammen? Nun, im Grunde ist der Hintergrund folgender: Im mexikanischen Bundesstaat Chiapas wird die Spirituose traditionell hergestellt. Allerdings nicht offiziell, sondern gewissermaßen in Eigenregie „schwarz“ gebrannt. Die Spirituose blickt dabei auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die Zeit der Mayas reicht. Nachfahren der sog. Tzotzil-Mayas bilden einen guten Teil der Bevölkerung des Bundesstaates Chiapas. Und ihrer handwerklichen Überlieferung ist es zu verdanken, dass wir die Spirituose heute kennenlernen können. Ihrer Überlieferung und einer Neureglementierung des mexikanischen Spirituosenmarktes und der korrelierenden Brennrechte im Jahr 2012, die erstmals offiziell dem Bundesstaat Chiapas die Herstellung von Pox erlaubt.

Dass nun auch in Deutschland dieser Pox erhältlich ist, verdanken wir Manuel Weißkopf, der u.a. auch die Dr. Sours Bitters herausgebracht hat und der uns auch den Mezcal Local beschert hat, welchen ich jüngst hier vorgestellt habe.

Der Siglo Cero Pox, so sein voller Name, kommt in einer schön gestalteten Flasche daher, die mit einem auffälligen, mayanisch inspirierten Flechtmuster um den unteren Flaschenteil mir wahrlich zu gefallen weiß. Er wird mit 40,5% vol. abgefüllt. Wie aber schmeckt nun so eine Spirituose?

Tasting Notes:

Aroma: Ok, was ist das? Ich muss mich hier erst einmal sortieren, denn eines steht außer Frage: sowas hatte ich bislang noch nicht im Glas. So merkwürdig es klingen mag, denke ich zunächst an Grappa, Clairin oder einen weißen Rhum Agricole. Dann verwerfe ich den Gedanken aber wieder, denn so wirklich manifestieren will sich keiner der genannten Vergleiche (abgesehen davon, dass Grappa und Clairin ohnehin nicht sinnvoll in einem Atemzug genannt werden können). Worauf will ich hinaus? Vor allem darauf, dass das hier wirklich etwas Neues ist! Ich finde Noten von leicht gegorenem Obst, nicht so überbordend wie in genanntem Clairin oder einem Jamaikaner, es sind aber sehr wohl erkennbare Esthernoten zugegen. Mangos, Bananen auch vegetale und grünliche Noten sind zu finden. Schwarzer Tee, ja, den finde ich hier auch, zusammen mit mineralischen Tönen von mildem Kristallsalz und etwas weißer Traube.

Geschmack: Auch am Gaumen ein durchaus spannendes, neues Erlebnis. Die leicht estherigen Obst- und Gemüsenoten sind auch hier unverkennbar, dominieren aber nicht alles andere wie es bei manch anderer Spirituose schon einmal geschehen kann. Vielmehr lassen sie Raum für kräutrige Noten (v.a. Minze und Thymian), fast schon spritzige Traubentöne und eine sehr angenehme, sanfte Zitrusnote. Mir gefällt das wirklich sehr, sehr gut!

Abgang: mittellang, mit leicht grünlich-holziger Note

An dieser Stelle mag vielleicht nun die Erwartung manchen Lesers steigen, mit was für einer Cocktailidee ich nun bei einer solchen Spirituose um die Ecke komme. Tatsächlich musste ich nicht wirklich lange überlegen und wusste: ich will das unbedingt in einem Negroni ausprobieren. Und so habe ich den Siglo Cero Pox mit Carpano Antica Formula, Campari und etwa Mancino Chinato verrührt, mit einer Orangenzeste agesprüht… und war im Himmel! Im Ernst: Der Siglo Cero Pox funktioniert ganz fantastisch in einem Negroni! Es spricht natürlich nichts dagegen, mit dieser Spirituose weiter herumzuexperimentieren (was ich sicher auch noch tun werde), aber ein Negroni bedarf bei mir niemals einer Rechtfertigung. Ich kann schlicht nur empfehlen, das folgende Rezept nachzuahmen!

Rezept „Pox Negroni“:

4 cl Siglo Cero Pox
2,5 cl Campari
2 cl Carpano Antica Formula
0,5 cl Mancino Chinato

Zubereitung: Der Drink wird im Glas gebaut. Alle Zutaten auf Eis verrühren und mit dem Öl einer Orangenzeste besprühen.

Glas: Tumbler

Garnitur: Orangenzeste

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

2 thoughts on “Siglo Cero Pox und der Pox Negroni

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.