Cachaça Yaguara Branca & Caipirinha Highball

Im Vorfeld des heutigen Artikels ist mir ein Umstand aufgefallen, über den ich offen gestanden selbst ziemlich verwundert war. Denn obwohl ich bald vier Jahre i.d.R. mindestens einmal in der Woche über Cocktails, Spirituosen und gelegentlich auch Biere blogge (und dabei teilweise auch sehr exotische und besondere Kategorien in den Blick genommen habe), habe ich noch nicht ein einziges Mal über einen Cachaça geschrieben. Woran das liegt? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, denn ich habe überhaupt nichts gegen Cachaça und einen Bogen mache ich um diese Gattung auch nicht. Kurzum: Es ist an der Zeit! (zugesandtes Testprodukt)*

Und da kam mir die Möglichkeit doch recht gelegen, über ein neues Produkt in Joerg Meyers Tender Spirits-Range zu schreiben und dieses somit hier rezensieren zu können. Die Rede ist vom Cachaça Yaguara Branca. Bevor ich aber auf diese Flasche näher eingehen werde, möchte ich dann doch zunächst noch einige wesentliche Grundlagen zum Thema Cachaça abhandeln.

Cachaça wird oft als brasilianischer Rum bezeichnet – und das ist im Grunde auch gar keine so schlechte Bezeichnung, hat Cachaça doch eine ganze Menge mit Rum gemein. Trotzdem darf Cachaça mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen, etwas Eigenes zu sein. Seine historischen Wurzeln beginnen bereits in der portugiesischen Siedlerzeit im heutigen Brasilien, wo man verbrieft seit dem Jahr 1532 aus Zuckerrohr Alkohol hergestellt hat. Im Gegensatz zum stets aus Zuckerrohrsaft hergestellten Rhum Agricole aus den französischen Überseegebieten darf Cachaça u.U. auch aus Zuckerrohrsirup (melado) hergestellt werden, wird aber meist aus Zuckerrohrsaft gebrannt. Diesem darf in puncto Fermentation bei der Cachaça-Herstellung allerdings mit Zusatzbeigaben auf die Sprünge geholfen werden (z.B. durch die Zugabe von Triebmitteln oder einem Gemisch aus Kleie, Mehl, Maisstärke und Zuckerrohrsaft), was beim Rum nicht gestattet ist (zumindest, wenn man diesen in die EU oder andere große Absatzmärkte auch unter diesem Namen exportieren will).

Der gebrannte Cachaça muss laut brasilianischem Gesetz in einem Bereich zwischen 38% und 48 % vol. liegen – hier gibt es sowohl Column Still als auch Pot Still Cachaça (und natürlich auch Verschnitte aus beidem). Schließlich ist auch eine Reifung möglich, wobei man hier ab einer Reifedauer von einem Jahr von gereiftem Cachaça spricht. Zugelassen sind hierfür 22 verschiedene Holzarten. Auch wenn es keine gesetzlich bindende Regelung gibt, ist oft von Cachaça artesanal als Unterkategorie die Rede, um handwerklich hergestellen Cachaça von industriell massengefertigtem abzugrenzen (zu letzterem gehört z.B. – man ahnt es bereits – auch der in Deutschland v.a. bekannte Pitú). Es ist außerdem die Zugabe von bis zu 6g Zucker (aber auch andere Zusatzstoffe) pro Liter erlaubt.

Achja: eigentlich ist Cachaça im Portugiesischen ein weiblicher Begriff. Da ich aus Gewohnheit aber immer wieder in den männlichen Genus bei Cachaça verfalle (was mir in Deutschland der Duden sogar erlaubt), mache ich das auch hier im Artikel (denn auch in älteren Artikeln habe ich das immer so gehandhabt). Man möge mir das bitte nachsehen.

Nun aber zurück zum Cachaça Yaguara Branca. Gebrannt wird dieser in fünfter Generation aus handgeerntetem Java-Zuckerrohr auf kupfernen Pot Stills. Zuvor wird der Zuckerrohrsaft mit hauseigenen Hefestämmen für 14 bis 18 Stunden fermentiert, bevor man dann nur das Herz des Brandes für den finalen Cachaça verwendet. Der Cachaça Branca reift dann für mindestens 8 Monate in Stahltanks nach, bevor er schließlich abgefüllt wird. Auffällig ist hier die sehr schön gestaltete Flasche, die vom Künstler Brian Clarke entworfen worden ist. Den genauen Herstellungsprozess kann man schön bebildert auch auf der Yaguara-Webseite nachvollziehen. Wie genau schmeckt nun aber ein solcher Cachaça?

Tasting Notes:

Aroma: Eine feine, fast schon an Vanille erinnernde und dabei süßlich anmutende Zuckerrohrnote strömt mir entgegen. Dabei fällt diese deutlich milder und runder aus als bei vielen Rhum Agricoles, weist aber trotzdem Ähnlichkeiten zum französischen Rhum auf (und auch zum haitianischen Clairin): vegetale Noten zeigen sich, aber auch sehr subtil eingekochte Mirabellen und Aprikosen, frische Kiwi und Assoziationen eines Cremedesserts. Ein sehr schönes, vielschichtiges, liebliches und doch dabei nicht glattgeschliffenes Aroma!

Geschmack: Am Gaumen bestätigt sich die Erwartung, die in der Nase bereits geschürt wurde: schön ausgeprägte Zuckerrohrtöne mit Vanille und ein leicht grünlich-holziger, dabei fast schon fruchtiger Einschlag. Es kommen Bilder von Tropenfrüchten auf (v.a. Mango), aber auch etwas Mirabelle. Dabei bleibt der Cachaça Yaguara Branca sehr geschmeidig und cremig. Von scharfem Alkohol kann zu keinem Zeitpunkt die Rede sein. Beim zweiten Schluck vernehme ich vegetale Noten von Zucchinis, diese bleiben aber sehr zurückhaltend. Ein sehr gefälliger Zuckerrohrbrand, keine Frage.

Abgang: überraschend lang mit süßlichen Vanille- und Cremenoten und eher herben Tönen grünlichen Holzes

An dieser Stelle mache ich mir für gewöhnlich Gedanken über einen eigenen, zur Spirituose passenden Drink oder stelle einen Klassiker vor. Heute mache ich im Grunde keines von beidem, denn den eigentlichen Klassiker, die Caipirinha, habe ich bereits in der Vergangenheit vorgestellt. Einen eigenen Drink liefere ich aber auch nicht, sondern wollte unbedingt den Caipirinha Highball von  Gianfranco Spada ausprobieren. Einer klaren, mit Soda aufgegossenen Variante des Klassikers, die einer sehr ungewöhnlichen Zubereitungsweise folgt. Der Drink wird nämlich ohne Eis nur kurz verrührt, nachdem zuvor geriebene Limettenschale (hier muss es natürlich eine unbehandelte Limette sein!) zugegeben wurde. Die dabei austretenden Öle aromatisieren den Drink bereits ausreichend, so dass tatsächlich ein herrlich erfrischendes, nicht zu süßes und perfekt ausbalanciertes Caipirinha-Flair im Glas entsteht – und das Ganze eben als Highball! Ich bin wirklich begeistert von diesem Cocktail. Da der Fruchtsaft durch Supasawa ersetzt wird, bleibt der Drink auch optisch ein echtes Phänomen!

Rezept „Caipirinha Highball“ (nach Gianfranco Spada):

3 cl Cachaça Yaguara Branca
1,5 cl Supasawa
1 cl Zuckersirup
geriebene Schale des Drittels einer Limette

Sodawasser (ca. 6 cl)

Zubereitung: Zunächst die Limettenschale in ein Rührglas oder einen Shaker reiben, dann restliche Zutaten bis auf das Sodawasser zugeben und kurz mit dem Barlöffel verrühren (ohne die Zugabe von Eis!). Schließlich doppelt ins mit frischem Eis gefüllte Glas abseihen und mit Soda aufgießen.

Glas: Highball

Garnitur: Limettenrad

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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