Huizache Tequila & Shades of Orange

Der deutsche Tequilamarkt ist durchaus in den letzten Jahren ein lebendiger gewesen – nach und nach hat sich bei vielen Verbrauchern ein deutlich gestiegenes Bewusstsein für Qualitätsmerkmale und -unterschiede herausgebildet und entsprechend den Markt in Bewegung gebracht. Namhafte Hersteller haben ihr Sortiment erweitert, traditionelle, zuvor hierzulande nicht verfügbare Marken haben ihren Weg nach Europa gefunden und auch gänzlich neue sind entstanden. (zugesandte Testprodukte)*

Heute möchte ich einen Blick auf einen Neuankömmling werfen, der seit dem Jahr 2018 in Deutschland vertrieben wird. Streng genommen handelt es sich sogar gleich um drei Neuankömmlinge, denn unter dem Namen Huizache Tequila sind gleich mehrere Qualitäten verfügbar, die es etwas genauer unter die Lupe zu nehmen gilt. Und wenn ich sage, dass der Huizache Tequila ein Neuankömmling ist, dann stimmt das auch nur in gewisser Weise, denn in ihrer mexikanischen Heimat ist die Marke bereits im Jahr 2008 an den Start gegangen.

Die im mexikanischen Jalisco hergestellten Tequilas sprechen sich übrigens etwas anders aus, als man es meinen könnte. Der Hersteller informiert hier auf seiner Webseite:

„So wie „Versace“ mit einem französischem “oui” am Anfang. “Oui-sace”.“

Das Wort selbst bezeichnet eine mexikanische Strauchpflanze, die in der gleichen Region wie die blaue Agave wächst. Tequiladestillen müssen eine sogenannte Normas Oficial Mexicana (NOM) tragen, anhand derer diese erkennbar sind, auch wenn kein Destillenname auf der Flasche vermerkt ist oder sonstwie einsehbar wird. Im Falle der Huizache Tequilas ist das die die Destille mit der NOM 1437.

Die Huizache-Tequilas haben in den letzten Jahren zahlreiche Medaillen und Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben gewonnen und genießen ein sehr gutes Renommee. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass der Hersteller explizit betont, keine Zusatzstoffe oder dergleichen zu verwenden, wobei andererseits den Medaillen auf Spirituosenwettbewerben immer mit einer gewissen Skepsis zu begegnen ist. Aber gut, mehr als eine subjektive Einschätzung kann und werde natürlich auch ich nicht liefern, aber immerhin lebe ich nicht davon, Spirituosenhersteller mit Preisen zufriedenstellen zu müssen.

Die drei Flaschen, die heute im Fokus stehen, sind der Huizache Blanco, der Huizache Reposado und der Huizache Origen. Beginnen möchte ich entsprechend dieser Reihenfolge mit dem Huizache Blanco, der sich zwar nicht nur, aber vornehmlich natürlich schon auch vor allem für das Cocktailsegment anbietet. Bei diesem ungereiften Tequila handelt es sich – wie bei allen Huizache – um einen 100% Agave-Tequila, welcher direkt nach der Destillation mit 40% vol. abgefüllt worden ist.

Tasting Notes Blanco:

Aroma: Eine recht schöne, erdige Agavennote mit weißem Pfeffer steigt mir entgegen. Dazu eine ansprechende Süße wie von weißem Kandiszucker. Kräutrige Töne sind im Hintergrund zu vernehmen (etwas Sauerampfer, Petersilie) sowie mineralischer Kies. Eine leichte Alkoholnote ist nicht ganz auszublenden.

Geschmack: Geschmacklich für einen Blanco Tequila recht pfeffrig, auch hier eine schöne, erdige Agave mit ansprechender Süße. Wieder muss ich an Kandis denken, aber auch an Zuckerguss. Eine Nuance weiße Schokolade vermischt sich mit Kräuternoten.

Abgang: mittellang, recht würzig mit Agave, wieder weißem Pfeffer und subtilem Menthol

Als nächstes folgt der Huizache Reposado, ein Tequila mit einer dreimonatigen Reifezeit, die ihm eine erkennbare, goldene Färbung verleiht. Auch hier wird mit 40% vol. abgefüllt.

Tasting Notes Huizache Reposado:

Aroma: Man riecht hier in der Tat sofort den Einfluss der Fassreifung heraus. Die erdige Agave ist etwas runder, dafür weniger vordergründig. Der Pfeffer tritt ebenfalls in den Hintergrund, dafür kommen wärmere Noten hervor, die mich an Honig oder Dessertwein denken lassen, dazu deutlich ausgeprägte Gewürze. Eine wirklich überbordende Vanille- oder Karamellnote, wie man sie von einer amerikanischen Weißeiche erwarten könnte, tritt aber nicht auf. Dafür war die Reifedauer wohl doch zu kurz.

Geschmack: Am Gaumen fällt die pfeffrige Agave, die ich schon beim Blanco ausgemacht habe, dann doch überraschend präsent aus. Zudem kommt mir sofort Zimt in den Sinn, welcher vor einem Hintergrund aus grasigen Facetten und holzigen Fassnoten heraussticht. Schokoladentöne sind auch hier zugegen, fallen aber etwas dunkler aus, fast schon in Richtung einer Vollmilchschokolade.

Abgang: mittellang, weicher und mit recht deutlicher Gewürzfracht (Zimt, weißer Pfeffer, etwas Muskat)

Und zuletzt folgt der Huizache Origen. Wer sich nun fragt, was denn ein Origen ist, dem sei schon einmal versichert, dass es sich hierbei um keine offizielle Kategorie handelt. Vielmehr handelt es sich beim Origen ebenfalls um einen Reposado, was schon einmal erklärt, warum man aus Abgrenzungsgründen hier einen anderen Namen gewählt hat. Nachdem auch dieser Tequila für drei Monate in amerikanischen Weißeichenfässern reifte, erfolgte eine zweite Reifung für sechs Monatein Fässern aus französischer Steineiche. Nicht lang genug für einen Añejo, aber laut Hersteller sei das auch gar nicht nötig, denn der Origen erfülle geschmacklich letztlich eine ähnliche Rolle. Auffällig ist hier die relativ geringe Alkoholstärke von nur 35% vol., von der ich hoffe, dass sie sich nicht als Nachteil herausstellen wird.

Tasting Notes Huizache Origen:

Aroma: Entgegen meiner Erwartung fällt der Ersteindruck hier nicht etwa noch süßer als beim Reposado aus. Stattdessen habe ich das Gefühl, als seien vor allem grüne Holznoten, die sich unter die Agavennote mischen, mit von der Partie, dazu aber auch etwas Zuckerwatte, Veilchen, Äpfel und Honig. Definitiv bietet der Origen das komplexeste Aroma der drei, eine Zuordnung aller vernommenen Nuancen erfordert hier zudem aber auch mehr Konzentration. Kräuter und entfernte Assoziationen von Orangenschalen warten im Hintergrund. Pfeffrige Töne finde ich hier kaum.

Geschmack: Das erste, was mir hier auffällt, ist der deutlich schwächere Alkoholgehalt. Er lässt den Huizache Origen leichter und milder erscheinen, fast schon etwas flüchtig. Dabei transportiert er aber dennoch auch einiges an Geschmack. Die allerschlimmste Befürchtung hat sich also nicht bewahrheitet, dennoch hätte ich mir hier etwas mehr gewünscht. Ich finde eine aromatische, hier fast schon fruchtige Agave, leichten Blütenhonig, ein wenig weißen Pfeffer, Vanille und Karamellnoten, Nuancen von Kaffee und Milchschokolade sowie etwas, nunja, Babypuder.

Abgang: mittellang (gut möglich, dass auch hier mit etwas mehr Alkohol mehr drin gewesen wäre) mit Agavennoten, Karamell und Kaffee

Ich habe zunächst den Huizache Blanco in einer klassischen Margarita eingesetzt und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden: eine schöne, erfrischend knackige Margarita, die deutlichen Agavencharakter aufweist und daher vollauf erfüllt, was ich von einer guten Margarita erwarte. Und daran habe ich mich schließlich auch etwas orientiert, als ich den Cocktail zubereitet habe, den ich im Folgenden etwas näher vorstellen will. Der Shades of Orange ist im Endeffekt eine Margaritavariante, wobei diese etwas mehr Agavendicksaft enthält als eine originale Margarita. Zudem habe ich mit dem Huizache Blanco und Reposado gleich zwei unterschiedlich gereifte Tequilas (bzw. eben einen ungereiften) eingesetzt, die die volle Bandbreite an Agavennoten mit in den Cocktail einfließen lassen. Der leichte Fasscharakter des Reposado knüpft dabei ganz wunderbar an ein wenig Blutorangengeist aus dem Hause Faude Feine Brände an, welcher zudem noch mit den Bitterorangentönen und Gewürznuancen eines Nardini Elixir China den Drink auf eine ganz eigene Stufe hebt. Abgerundet wird alles mit den mexikanischen Dr. Sours #1 All Sours. Ein leichter Rauch und facettenreiche Zitrusnuancen tragen dazu bei, weitere Shades of Orange in den Drink einzubringen.

Rezept „Shades of Orange“:

2,5 cl Huizache Blanco Tequila
2 cl Huizache Reposado Tequila
1,5 cl Faude Feine Brände Blutorange aus Sizilien
2,5 cl Limettensaft
1,5 cl Agavendicksaft
0,5 cl Nardini Elixir China
1 Dash Dr. Sours #1 All Sours

Zubereitung: Alle Zutaten kräftig auf Eis schütteln und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: Campari-Salz-Rand (s.u.)

Campari-Salz-Rand: grobes Meersalz etwas zerstoßen und in eine ofenfeste Form geben. Im Verhältnis 1:4 mit Campari übergießen und schließlich bei ca. 80 Grad für einige Stunden backen, bis eine sehr zähflüssige Masse entstanden ist. Den Glasrand schließlich darin drehen.

Natürlich lässt sich auch der Huizache Origen in einem Cocktail verwerten. Dies werde ich allerdings erst in einigen Tagen in Angriff nehmen. (Inzwischen geschehen: Der “Vanilla Thoughts”-Cocktail findet sich hier.)

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

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