Pure Spirits: Citadelle Gin de France & The Snyder Cocktail

Der heutige Artikel steht abermals ganz im Zeichen eines Gins. Und zwar eines Gins, zu dem ich hier im Blog ein besonderes Verhältnis habe, da er in den bescheidenen Anfangstagen von Galumbi – Drinks & More der erste Gin war, über den ich hier gebloggt habe. Gut, so ganz stimmt das nicht, denn ich habe damals über den Citadelle Reserve Gin geschrieben, während es heute um den ungereiften Citadelle Gin geht, aber trotzdem ist dieser Gin für mich etwas Besonderes. Aber kann er auch jenseits von persönlicher Nostalgie im Tasting überzeugen? (zugesandtes Testprodukt)*

Glaubt man den Vorschusslorbeeren, dann ist davon auszugehen, denn der Citadelle Gin de France hat zahlreiche gute Kritiken und Preise eingeheimst, die natürlich schon eine gewisse Grunderwartung schüren. Zudem bin ich – auch heute noch – ein großer Freund des Citadelle Reserve Gin. Dennoch gehe ich – wie immer – unvoreingenommen an die Sache heran und werde ihn im Tasting auf Herz und Nieren prüfen. Zuvor möchte ich jedoch auch noch ein paar Zeilen über den Hintergrund dieses Gins hier aufs virtuelle Papier bringen.

Der Citadelle Gin ist der Marketingstory des produzierenden Hauses Ferrand gemäß einem Wacholderdestillat nachempfunden, das im Jahre 1775 von den beiden französischen Brennmeistern Carpeau und Stival mit der Erlaubnis Ludwig XVI. erstmalig in der Zitadelle in Dünkirchen hergestellt wurde (ja, Ludwig der XVI. war der, der später enthauptet wurde). Nach einigen Jahren der historischen Recherche und entsprechender Versuche wurde dann 1989 erstmalig der Citadelle Gin (benannt nach eben jener Zitadelle in Dünkirchen) von Alexandre Gabriel in der Maison Ferrand-Brennerei in kleinen kupfernen Pot Stills (Charentaiser Pot Stills) destilliert. Soweit die Marketinggeschichte, die im Grunde eine weitere Ausführung der allseits beliebten Geschichte von der alten, wiederbelebten Rezeptur darstellt. Nunja, History sells (zumindest im Spirituosenmarkt).

Ausgangsbasis des Citadelle Gin de France ist neutraler Weizenalkohol, in dem – neben Wacholder -folgende 18 Botanicals für fünf bis sieben Tagen mazerieren dürfen, bevor es dann an die eigentliche Destillation geht: Koriander, Iris, Kubebenpfeffer, Mandeln, Kassia, Fenchel, Lakritz, Sternanis, Bohnenkraut, Zitronenschale, Muskatnuss, Oran­genschale, Engelwurz, Kardamom, Kreuzkümmel, Veilchen, Zimt und Paradieskörner. Eine wohlklingende und transparente Liste. Für die Herstellung dieses Dry Gins brennt man zunächst den Basisalkohol dreimal, um dann unter Zugabe des Mazerats ein viertes Mal zu brennen. Schließlich wird das Herz der Destillation auf einer Trinkstärke von 44% vol. in Flaschen abgefüllt. Erst kürzlich wurde der Citadelle Gin de France neu aufgelegt und kommt nun in neuem Gewand daher. Die Flasche aus bläulichem Glas ist sehr formschön und optisch absolut ansprechend, wie ich finde. Doch nun ans Wesentliche:

Tasting Notes:

Aroma: Ok, das ist mal ein zitrustöniger Gin! Zitronen, Orangen, würzige Töne, die fast an Bergamotten denken lassen, aber auch ein aromatischer Wacholder, der nicht untergeht. Dazu eine duftig-florale Seite mit jeder Menge Blumen und Kräutern, die den Geruchssinn betören. Anis- und Lakritznoten sind ebenfalls unverkennbar, Zimt und Kubebenpfeffer kommen ebenfalls zum Vorschein. Ein toller Eindruck, den der Citadelle Gin de France in der Nase hinterlässt.

Geschmack: am Gaumen zeigt sich der Citadelle Gin überraschend würzig, dabei vielschichtig und mit sehr mildem Alkohol. Die Zitrustöne dominieren auch hier eindeutig vor dem Wacholder und wieder muss ich an Bergamotten denken. Koriander, Kardamom und Sternanis zeigen sich in einem schönen Zusammenspiel mit den feineren, floralen Noten aus der Nase.

Abgang: trocken, würzig und mit einem Nachklang von Orangen

Bei einem solchen Orchester aus Blumen und Zitrustönen ist der Einsatz in einem Gin & Tonic natürlich auch an der Seite eines sehr trockenen Tonics problemlos möglich. Ich wollte aber die „botanische“ Note noch ein wenig verstärken und habe mich für das Doctor Polidori’s Cucumber Tonic entschieden – obwohl ich inzwischen eigentlich nur noch mit den Augen rollen kann, wenn jemand enthusiastisch nach einer Gurke im Gin & Tonic verlangt. Das Ergebnis spricht für sich: diesen Gin & Tonic sollte man wohl am besten in einem Frühlingsgarten trinken. Denn genau so schmeckt er!

Auch ein Cocktail bietet sich natürlich an: Hier habe ich mich für eine Martinivariante namens „Snyder Cocktail“ entschieden, die zwar auch in Harry Craddocks Savoy Cocktail Book von 1930 auftaucht, aber bereits 1916 in Hugo Ensslins Recipes for Mixed Drinks aufgeführt wurde. Der Snyder Cocktail ist – wie jeder gute Martini – natürlich nur etwas für Leute, die wirklich Gin mögen und auf große Süßungsquellen verzichten können. Zwar bringt trockener Wermut hier eine gewisse weinige Süße mit ein und auch ein wenig Pierre Ferrand Dry Curacao trägt mit zu dieser bei, der Drink bleibt aber ein trockener „Drinker’s Drink“. Aber ein exzellenter, in dem der Citadelle Gin de France zeigt, was er kann!

Rezept „Snyder Cocktail“ (adaptiert nach Hugo Ensslin, 1916):

6 cl Citadelle Gin de France
2 cl trockener Wermut
2 Dashes Pierre Ferrand Dry Curacao

Zubereitung: Alle Zutaten im Rührglas auf Eis kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen. Mit dem Öl einer Orangenzeste besprühen.

Glas: Martini

Garnitur: Orangenzeste

Bezugsquellen: Im Fachhandel, online oder in gut sortierten Supermärkten

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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