Clément Canne Bleue Vieux 2020, Clément Single Cask 100% Canne Bleue & Le Train des Plantations

Dass Rhum Agricoles eine meiner favorisierten Spirituosengattungen bilden, habe ich sicherlich schon öfter hier im Blog erwähnt. Dennoch bietet sich eine Wiederholung dieser Tatsache natürlich einmal mehr an, um einen Artikel einzuleiten, in welchem es auch einmal mehr um Rhum Agricole gehen wird. Und zwar um zwei verschiedene Rhums aus einem sehr bekannten und auch hier schon rezensierten Haus: Clément auf Martinique. (zugesandtes Testprodukt)*

Vor etwa fünf Jahren habe ich erstmalig einen Rhum aus dieser Brennerei hier beschrieben und verkostet, weshalb ich für allgemeine Informationen zur Marke Clément auf diesen verweisen will. Daher kann ich ohne größere Umschweife in medias res gehen und die beiden Flaschen vorstellen, welche ich hier heute unter die Lupe nehmen will. Zum einen wäre da der Clément Canne Bleue Vieux 2020 und zum anderen der Clément Canne Bleue Single Cask. Die Namen klingen ähnlich, es handelt sich aber um zwei verschiedene Rhums. Und aufmerksame Leser (oder natürlich Kenner des Rhumsortiments von Clément) werden vielleicht bemerkt haben, dass auch hier bereits ein Rhum Canne Bleue thematisiert worden ist. Im verlinkten Artikel erfährt man dann auch, dass der Name Canne Bleue die Bezeichnung der Zuckerrohrsorte ist, die für die entsprechenden Rhums herangezogen wurde. Weder die beiden heutigen Flaschen, noch der Rhum (Gott bewahre) haben entsprechend eine bläuliche Farbe.

Der Clément Canne Bleue Vieux 2020 ist der Jahrgangsrum des Hauses Clément für das Jahr 2020. Das ist insofern etwas Besonderes, als dass nur hier ein gereifter Rhum, der ausschließlich aus Canne Bleue-Zuckerrohr hergestellt wurde, auf den Markt kommt. In der Flasche findet sich ein Blend aus Canne Bleue-Rhums mit einer Altersspanne zwischen drei und elf Jahren. Die Reifung erfolgte in ehemaligen Bourbonfässern und frischen amerikanischen Weißeichenfässern. Abgefüllt wurde mit 42% vol.

Tasting Notes „Clément Canne Bleue Vieux 2020”:

Aroma: Sehr schönes und sattes Karamell, dann grünes Holz, wie es so typisch für Rhum Agricole ist. Ich rieche zudem fruchtige Noten in Kombination mit einer verheißungsvollen Süße, die an kandiertes Obst denken lässt. Auch Vanilletöne sind mit von der Partie sowie etwas Muskat, eine Nuance Nelke und Eichenholz.

Geschmack: Auch hier wieder Karamell, Zuckerrohr mit holzigen Noten, was überraschend trocken ausfällt, gefällt mir sehr gut. Dann finde ich leicht verbrannten, braunen Zucker, Physalis, Zuckerwatte, Bourbonvanille, Eiche, Zimt, wieder kandiertes Obst (v.a. Orangen) und etwas Milchschokolade.

Abgang: angenehm trocken mit holzigen Noten und Gewürzen

Mit diesem Rhum eng verwandt und daher auch Teil dieses Artikels ist der Clément Single Cask 100% Canne Bleue. Man erkennt bereits am Namen, dass auch hier ein gereifter Canne Bleue vorliegt, was somit im Grunde eine Ausnahme der oben beschriebenen Hausregel darstellt. Während wir aber eben noch über einen Blend sprachen, haben wir es nun mit einer Abfüllung aus einem einzelnen Fass zu tun, welche entsprechend auch limitierter ist. Mir liegt Flasche 329 von 537 vor. Der Rhum wurde im Jahr 2016 gebrannt und nach vier Jahren und fünf Monaten im ehemaligen Bourbonfass mit 41,6% vol. abgefüllt.

Tasting Notes „Clément Single Cask 100% Canne Bleue“:

Aroma: Ein sehr spannendes Aroma von Vanille, Honig und goldenem Stroh. Dahinter verbergen sich feine Kräutertöne von Kerbel oder sanftem Rosmarin, aber auch Gewürze wie Zimt und Muskat. Habe ich im ersten Augenblick noch erstaunt auf die Flasche geschaut, um sicher zu gehen, dass ich nicht doch versehentlich einen Lowland Single Malt aus dem Ex-Bourbon-Fass in mein Glas gegossen habe, kommen dann mit der Zeit doch auch die typischen Agricole-Noten von holzigem, leicht grünlichem und süßem Zuckerrohr. Zudem scheinen nun helle Früchte wie Birnen oder Pfirsiche durch. Wirklich spannend und außergewöhnlich!

Geschmack: Ein wuchtiger, eingesprungener Spagat aus Vanille, Honig und süßlichen Assoziationen auf der einen Seite, während auf der anderen kräftig-würzige Noten vom Zuckerrohr mit Kräutern und Gewürzen mit von der Partie sind. Spannend, dass beide hier quasi unisono zugegen sind, was fast schon überfordernd, aber dann wieder einzigartig spannend ist. Assoziationen von frischer Kokosnuss blitzen kurz auf, weichen dann aber wieder einem Potpourri aus hellen Trockenfrüchten.

Abgang: wieder Trockenfrüchte, Kokosnuss und Zuckerrohr, lang und aromatisch.

Nun die obligatorische Frage: Was kann man mit Rhum Agricole in Cocktails anfangen? Sehr, sehr viel und sehr, sehr schöne Dinge! Leider ist das klassische Repertoire an Rhum Agricole-Cocktails nicht besonders groß. Ein Mai Tai, vielleicht noch der klassische Ti Punch, danach hört bei vielen bereits der Fundus auf. Dabei ist er oft eine interessante und spannende Alternative zu Rum-Cocktails, die dadurch eine ganze eigene Note erhalten. Aber auch anstelle von Cognac oder Bourbon kann ein Agricole sehr gelungene Akzente setzen. In einem ersten Drinkvorschlag habe ich heute eine Art orangentönige Old Fashioned-Variante kreiert, die mit Amaratto (hier habe ich den Adriatico verwendet) und dem wirklich sehr gut passenden, ebenfalls aus dem Hause Clément stammenden Clément Créole Shrubb zubereitet wird. Der Drink heißt aufgrund seiner vielschichtigen Aromen Le Train des Plantations und ist benannt nach einer kleinen Museumseisenbahn auf der Insel Martinique, die durch Zuckerrohr- und Obstplantagen fährt.

Rezept „Le Train des Plantations“:

5 cl Clément Canne Bleue Vieux 2020
2,5 cl Clément Single Cask 100% Canne Bleue
1,5 cl Clément Créole Shrubb
1 cl Amaretto Adriatico
0,5 cl D.O.M. Benedictine
2 Dashes The Bitter Truth Bogart’s Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten im Rührglas auf Eis kalt rühren und ins vorgekühlte Glas auf massives Eis geben.

Glas: Tumbler

Garnitur: geriebene Muskatnuss

Clément Canne Bleue Vieux 2020, Clément Single Cask 100% Canne Bleue & Le Train des Plantations

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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