Writer’s Tears Irish Whiskey & Celtic Cream Cocktail

Oscar Wilde, William Butler Yeats, James Joyce, John Boyd; es gibt so einige irische Schriftsteller, die es zu Weltruhm brachten. Und sie alle tranken zur Förderung ihrer Kreativität irischen Whiskey – und zwar den Writer’s Tears aus der Walsh Whiskey Distillery in Carlow… Gut, das war jetzt (selbstverständlich) frei erfundener Quatsch. Dass Whiskey vielleicht den entscheidenden Schub zu mancher Passage gab, darüber darf man vielleicht spekulieren, aber den Writer’s Tears haben die oben genannten Herrschaften mit Sicherheit nicht getrunken. Trotzdem ist es wohl genau dieser Nimbus, den die Marketingabteilung im Kopf hatte, als sie sich entschied, mit dem Namen Writer’s Tears auf die große irische Schriftstellertradition und die Querverbindungen von Alkoholkonsum und Kreativität anzuspielen. (zugesandtes Testprodukt)*

Der Writer’s Tears ist ein auf kupfernen Pot Stills gebrannter Blend aus Single Malt und Single Pot Still (einem Whiskey, der auch zu Teilen aus ungemälzter Gerste auf Pot Stills gebrannt wird). Mit 40% vol. bietet man hier eine unkomplizierte Trinkstärke für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen. Eine Altersangabe weist der Writer’s Tears Irish Whiskey jedoch nicht auf. Die Reifung fand in ehemaligen Bourbon-Fässern statt.

Tasting Notes:

Aroma: Zunächst vernehme ich Malz, Honig und leichte Gewürze (Muskat, Zimt, vor allem aber Piment). Der Whisky macht einen soliden Eindruck und wirkt keinesfalls eindimensional, über allem liegt ein Hauch von Instant-Zitronentee, nach einiger Zeit treten etwas Vanille und helle Fruchtnoten zunehmend in den Vordergrund.

Geschmack: Auch hier finde ich zunächst Getreidetöne mit Honig, ich muss an frisch gebackenes Honigbrot denken. Mit der Zeit kommen kräturig-florale Noten hindurch, aber auch Aprikosen- und Bananennoten zeigen sich. So ganz kann der Writer’s Tears sein mutmaßlich jüngeres Alter nicht verbergen, da eine gewisse, metallische Note des Alkohols erkennbar ist – trotzdem fällt er nicht scharf oder unangenehm dabei aus, vielmehr erzeugt er ein recht mildes und ausgewogenes Bild.

Abgang: etwas Eiche mit Gewürzen, Erdnüsse und ein heller Kleehonig

Ich sage es frei heraus: Dieser Whiskey spielt natürlich nicht in der Königsklasse der Gerstendestillate, auch würde ich ihn nicht gerade als absoluten Geheimtipp hier anpreisen wollen. Aber er gibt auch in der Purverkostung eine durchaus gute Figur und hat das Zeug zu dem, was manch einer vielleicht als „Everyday’s Dram“ bezeichnet. Seine eigentliche Stärke sehe ich aber durchaus in der Mixbarkeit, denn am Aromenprofil habe ich im Grunde wenig auszusetzen – mit Ausnahme des noch erkennbar jungen Alters. Und gerade dieses spielt in einem Drink eine eher untergeordnete Rolle, wenn man nicht unbedingt einen Old Fashioned mit diesem Whiskey herstellt (und auch dort würde es weniger ins Gewicht fallen). Ich habe mich heute allerdings für einen Flip entschieden, eine Cocktailart, die ich schon länger nicht zubereitet habe. Dabei habe ich gewissermaßen einen keltischen Brückenschlag nach Galizien im Norden Spaniens unternommen. Die ebenfalls keltisch geprägte Region auf der iberischen Halbinsel hält nämlich einige schöne Zutaten bereit, die sehr gut mit dem Writer’s Tears Whiskey harmonieren (etwas mehr zu Galicien habe ich auch in meinem Artikel zur Queimada geschrieben). In meinem Celtic Cream Cocktail (der Drink heißt aufgrund seiner cremigen Konsistenz so, nicht weil Sahne enthalten ist) habe ich entsprechend neben dem Writer’s Tears einen galizischen Kaffeelikör eingesetzt sowie ein wenig Maria Castaña, einen galizischen Likörwein, der mit gerösteten Kastanien aromatisiert wurde. Klar, diese Zutaten sind sehr speziell, das ist mir durchaus bewusst, aber man kann den Drink auch abwandeln und einfach einen anderen Kaffeelikör nehmen und den Dessertwein weglassen. Dann braucht der Drink aber einen anderen Namen.

Rezept „Celtic Cream Cocktail“:

6 cl Writer’s Tears Irish Whiskey
3 cl Pazo Valdomiño Licor Café de Galicia (alternativ ein anderer Kaffeelikör)
3 cl kräftiger Cold Brew- oder Cold Drip-Kaffee
2 cl Maria Castaña Dessertwein (im Notfall weglassen)
1 ganzes Bio-Ei

Zubereitung: Alle Zutaten in einen Shaker geben und einen kräftigen Dry-Shake durchführen (alternativ mit einem Milchaufschäumer schaumig schlagen). Dann Eiswürfel zugeben und kräftig schütteln. Schließlich ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: ungesüßtes Kakaopulver und ein paar Kaffeebohnen

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online, z.B. bei Conalco.

*Die Flasche für dieses Review wurde mir von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet jedoch nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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