Plantation Peru Multi Vintage & The Peruvian Sundew

Rum gilt vielen als die globalste aller Spirituosengattungen. Und das ist sicherlich nicht aus der Luft gegriffen, sondern Folge einer nicht oder kaum auf metanationaler Ebene vorhandenen Reglementierung. Natürlich besitzen zahlreiche Staaten eigene, die Rumherstellung betreffende Gesetzgebungen und auch überstaatliche Regelungen wie bspw. der Klassifizierungsrahmen der Europäischen Union existieren. Eine regionale Begrenzung taucht aber auch in letzterer nicht auf. (zugesandtes Testprodukt)*

Nun könnte man meinen, dass sich die Rumproduktion somit ausschließlich auf die Länder beschränkt, in denen Zuckerrohr von Natur aus wächst oder angebaut wird. Doch auch diese Einschränkung ist letztlich nicht tragfähig, wie beispielsweise ein deutscher Rum wie der Revolte Rum zeigt. Dennoch haben sich natürlich zahlreiche Nationen einen Namen als Rumproduzenten gemacht und nicht wenige Rumfreunde haben ihre speziellen Favoriten oder halten sogar zur Gänze einem Herstellungsland die Treue. Peru ist jedenfalls nicht wirklich eines dieser Länder, denn die peruanische Rumproduktion ist noch nicht wirklich alt. Dennoch möchte ich heute schon zum zweiten Mal einen Rum aus Peru auf Herz und Nieren prüfen, nachdem mir der Plantation Vintage Edition Peru 2004 doch ausgesprochen gut gefallen hat – und das nicht nur im Peruvian Rum Swizzle, sondern durchaus auch in der Purverkostung. Aus der gleichen Brennerei, der Destilerías Unidas S.A. de Peru, stammt auch der heutige Rum, welcher auf den Namen Plantation Peru Multi Vintage hört und ein Single Cask-Rum ist. Natürlich dürfen wir bei Plantation noch die ein oder andere Nachreifungsfinesse erwarten (so auch dieses Mal), folglich handelt es sich hier um eine französische Abfüllung und keine genuin peruanische. Was aber zeichnet diesen Rum aus?

Gut, zunächst einmal ist es ein Single Cask-Rum, welcher zwischen sechs und zwölf Jahren in Ex-Bourbonfässern und europäischen Fässern reifen durfte (slowenische Eiche). Anschließend unterzog man den Rum im Hause Ferrand der typischen einjährigen Nachreifung in ehemaligen Cognac-Fässern. Zusätzlich aber – und hier wird es dann durchaus nochmal besonders spannend – durfte dieser Rum ein weiteres Jahr in ehemaligen Rye Whiskey-Fässern des Hauses Willet reifen. Hier erwarte ich also noch eine spürbare Abrundung, die ganz klar in eine sehr würzige und kräftige Richtung zeigt. Whiskeys aus dem Hause Willet dürften den meisten wohl am ehesten durch den Pot Still Bourbon bekannt sein, welcher in einer sehr auffällig in Form einer Pot Still gehaltenen Glasflasche verkauft wird. Zwar trifft das nicht auf den Willet Rye zu, ist aber dennoch für viele das Haupterkennungsmerkmal der Willet Distillery. Final wird mit stolzen 49,8% abgefüllt und zudem 8g Zucker als „Dosage“ hinzugegeben (letztlich eine vertretbare Menge).

Tasting Notes:

Aroma: Dieser Rum zeichnet sich durch ein überaus interessantes und besonderes Aroma aus. Herbe Töne von Eichenholz, etwas Tabak und Leder, Maronen, vergorene helle Früchte (Bananen, Aprikosen, Birnen), dazu Vanille, Kokos, Karamell, Rosinen und ein ganz subtiler Rauch. Ein sehr komplexer und „erwachsener“ Rum.

Geschmack: Für seine 49,8% vol. fällt der Alkohol überaus mild aus, bringt aber dennoch genug Kraft mit sich, um eine ganze Wagenladung an Geschmacksfacetten zu transportieren: Auch hier dominiert wieder ein trockener, holziger Grundton mit Karamell und Vanille, Trockenfrüchten, Leder und Früchtekompott. Dabei trumpft der Plantation Peru Multi Vintage über und über mit Gewürznoten auf. War das Roggenfass in der Nase nur erahnbar, hinterlässt es am Gaumen ganz eindeutig seinen Stempel. Eine ungewöhnliche aber sehr gelungene Charakteristik für einen Rum.

Abgang: lang, trocken, mit Gewürzen

Es ist noch nicht allzu lang her, da las ich erstmalig vom „Venus Fly Trap“ auf punchdrink.com. Dieser Cocktail erstaunte mich vor allem deshalb, weil er nach der auf den ersten Blick sehr gewagten Kombination von Pisco, Gin und Rum verlangt. Erfunden wurde der Drink Jelani Johnson aus dem Clover Club in Brooklyn (auch wenn die Reminiszenz sicherlich gewollt ist, handelt es sich hierbei nicht um den namensgebenden Club des Clover Club Cocktails). Die Originalzutatenliste verlangt nach einigen in Europa schwer bis nicht erhältlichen Zutaten (z.B. Latitude 29 Falernum) oder von mir nicht wirklich favorisierten Rums (Zacapa) oder Gins (Gordon’s), so dass ich hier ein paar Modifikationen vorgenommen habe. Auch wollte ich hier und da ein wenig anders verfahren und habe das Orgeat durch Walnusslikör ersetzt, den Zimtsirup hingegen durch schlichten Zuckersirup und habe zudem noch ein paar weitere Kleinigkeiten verändert. Um den Venus Fly Trap als Vorbild zu ehren, habe ich auch meine Abwandlung nach einer fleischfressenden Pflanze benannt – und zwar nach einer peruanischen Art: Peruvian Sundew. Deshalb setze ich neben peruanischem Pisco auch auf den Plantation Peru Multi Vintage und einen peruanischen Gin (GIN’CA).

Rezept „Peruvian Sundew“:

4 cl Plantation Peru Multi Vintage
2,5 cl peruanischer Pisco
1,5 cl GIN’CA Peruvian Dry Gin
1.5 cl Limettensaft
1,5 cl Passionsfruchtsaft
1,5 cl Old Judge Special Reserve Falernum
1 cl Zuckersirup
1 Barlöffel Nocello
4 Dashes Inca Bitters (notfalls Angostura Bitters)

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis schütteln und in ein mit gestoßenem Eis gefülltes Glas abseihen.

Glas: Hurricane, Pilsner oder Tiki Mug

Garnitur: (essbare) Blüte, getrocknetes Limettenrad und geriebene Muskatnuss

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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