Pure Spirits: Revolte Swedish Punch, Lasky Cocktail & Chutes & Ladders

Wer in alten Barbüchern nach Inspirationen sucht, stößt dann und wann auf Zutaten, die nicht unbedingt auf den ersten Blick jedem etwas sagen. Zwar hat sich das Angebot auch traditioneller Cocktailingredienzen inzwischen sehr positiv entwickelt, dennoch sind solche Produkte meist nicht wirklich große Stars auf den Tresen dieser Welt. Eine dieser Zutaten ist der Swedish Punch – und einen ganz besonderen Wiederbelebungsversuch in dieser Kategorie möchte ich heute vorstellen. (zugesandtes Testprodukt)*

Swedish Punch ist dabei einmal mehr – ganz wie der ursprüngliche Begriff „Punch“ selbst – mit der Geschichte des Handels und der Seefahrt verbunden. Und zwar mit der sogenannten Svenska Ostindiska Companiet oder auch Swedish East India Company. Unter den Ostindienkompanien der kolonialen Handelsära zählt diese sicherlich nicht zu den bekanntesten, dennoch war ihr Zweck natürlich identisch zur britischen oder niederländischen Variante. Während des 18. Jahrhunderts importierte die schwedische Ostindienkompanie u.a. auch Arrack (was Arrack ist, kann man z.B. in meinem Artikel über den By The Dutch Batavia Arrack nachlesen – zu Punches lohnt sich aber z.B. auch ein kurzer Blick auf den Planter’s Punch).  Und auch hier führte der Zeitgeist dazu, dass auf See die verfügbare Spirituose mit Gewürzen, Zitrusfrüchten, Zucker, Wasser und sogar Tees gewürzt worden ist. Ein Brauch, der sich letztlich auch auf dem schwedischen Festland verbreitet hat und später eben auch im Ausland als „Swedish Punch“ bekannt wurde (in einigen englischsprachigen Quellen oft auch Swedish Punsch geschrieben).

Im Rahmen des Siegeszuges der Cocktails im ausgehenden 19. Jahrhundert schaffte es der Swedish Punch somit auch in einige Rezepturen in zeitgenössischen Rezeptsammlungen.

Der Swedish Punch, den ich heute unter die Lupe nehmen möchte, tanzt allerdings ein bisschen aus der Reihe (fast bin ich geneigt zu sagen, er versuche, das Genre zu revolutionieren…). Es handelt sich nämlich um den jüngst neu erschienenen Revolte Swedish Punch. Aus der Revolte-Reihe des Wormsers Felix Georg Kaltenthalter habe ich hier bereits den Revolte Rum, den Revolte Overproof und das Revolte Falernum rezensiert. Auffälligstes Merkmal des Revolt Swedish Punch ist zunächst, dass dieser nicht auf Arrack, sondern eben auf dem Revolte Overproof basiert. Felix Georg Kaltenthaler hat sich für seine Kreation mit Daniel Gsöllpointner aus der Goldenen Bar in München zusammengetan und den Revolte Swedish Punch unter Verwendung von 9 verschiedenen Gewürzen, darunter Lapsang und Earl-Grey Tea, Orangen- und Zitronenzesten, sowie Kardamom, Zimt, Nelke, Sternanis und Muskat kreiert. Abgefüllt wird schließlich mit 20% vol. Gut, “Revolution” ist vielleicht ein bisschen hochgegriffen für ein so nah am Arrack gelegenes Substitut als Basisspirituose, aber den Sprachwitz konnte ich mir dennoch nicht verkneifen.

Auch wenn ein Swedish Punch erwartungsgemäß eine sehr süße Angelegenheit ist, möchte ich natürlich auch die Ergebnisse meiner Purverkostung hier darlegen.

Tasting Notes:

Aroma: Die Nase lässt tatsächlich zunächst an eine nachmittägliche Teestunde denken. Der Earl Grey sticht deutlich hervor, die rauchige Note des Lapsang ist ebenfalls zugegen, fällt allerdings nicht zu dominierend aus, was dem Gesamtbild zugutekommt. Zitrusschalen ergänzen die Bergamottentöne des Earl Grey, Honigsüße und Blumenwiese leiten schließlich über in ein Potpourri aus Gewürzen. Die fruchtig-intensiven Töne des Revolte Overproof bleiben überraschend hintergründig, sind aber in ihrer typischen Charakteristik eindeutig prägend.

Geschmack: Am Gaumen entfaltet sich zunächst eine würzige Süße mit hervortretender Orange, Tee, wieder Honig und etwas Bergamotte vom Earl Grey. Zimt und Muskat treten genau wie Kardamom nach einiger Zeit hinzu, die Nelken bleiben eher subtil. Die Süße ist einem Würzlikör angemessen, für regelmäßigen Purgenuss mir aber eigentlich schon zu stark. Dem Revolte Swedish Punch gelingt es aber eindrucksvoll, ein sehr einzigartiges und vielschichtiges Aromenprofil mitzubringen, dass bereits in der Verkostung Lust auf Drinks macht.

Abgang: ölig und würzig mit Tee, Gewürzen (hier kommt der Lapsang am meisten durch) und ätherischen Noten

Was wäre aber ein Swedish Punch, wenn nicht seine Tauglichkeit in Drinks auf dem Prüfstein stünde. Und hier hat – so viel kann ich schon einmal verraten – der Revolte Swedish Punch wirklich mit Bravour bestanden. Zwei Drinks möchte ich in diesem Zuge kurz vorstellen. Der eine ist ein moderner Drink aus dem Jahr 2014, der andere stammt aus dem klassischen Savoy Cocktail Book von Harry Craddock.

Zunächst der historische Cocktail. Der sogenannte Lasky Cocktail ist sicherlich ein Drink, dessen internationales Renommee nicht sonderlich groß ausfällt; vor allem, weil ihn kaum jemand kennt. Dabei hat er eigentlich das Zeug zur Massenkompatibilität, wenn man ihn richtig angeht. Er ist zudem sehr einfach zuzubereiten, da er im Originalrezept schlicht auf drei gleichgewichteten Zutaten basiert: Dry Gin, Swedish Punch und Traubensaft. Allerdings wird es hier nun etwas knifflig. Die meisten Umsetzungen dieses Drinks greifen auf roten Traubensaft zurück (was angesichts der viel größeren Verfügbarkeit wohl auch ursprünglich so intendiert war), ich bin hier aber bewusst abgewichen und habe einen weißen Traubensaft eines Pfälzer Weinguts verwendet. Zudem habe ich den Saffron Gin von Boudier verwendet, da mir seine Safrannote im Zusammenspiel von Revolte Swedish Punch und weißem Traubensaft besonders gut gefällt. Ein feiner, süßlich-aromatischer Cocktail mit verführerischem Tiefgang ist das Ergebnis, mit dem ich sehr zufrieden bin. Dieser Cocktail hat definitiv das Zeug zum „Crowdpleaser“.

Rezept „Lasky Cocktail“:

3 cl Revolte Swedish Punch
3 cl Gabriel Boudier Saffron Gin
3 cl weißer Traubensaft guter Qualität

1 Zitronenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten kräftig auf Eis schütteln und ins vorgekühlte Glas abseihen. Oberfläche des Drinks mit dem Öl der Zeste besprühen.

Glas: Cocktailglas / Martini

Garnitur: keine

Der Chutes & Ladders hingegen wurde erst im Jahr 2014 von Frederic Yarm in der Russell House Tavern in Cambridge, Massachusetts erfunden. Es ist eine sehr gelungene Kombination von blanco Tequila, Swedish Punch, Quinquina und Limettensaft, die eine überaus aromatische Geschmackserfahrung ist (und obendrein eine jener seltenen Rezepturen, in denen ein Wermut in einem Sour mitgeschüttelt wird). Perfekt im Sommer, aber auch eine echte Empfehlung für jeden Freund von Tequilacocktails. In puncto Tequila habe ich mich übrigens für den Topanito Blanco entschieden, was zu einem sehr guten Ergebnis führte.

Rezept „Chutes & Ladders“:

5,5 cl Topanito Blanco
3 cl Revolte Swedish Punch
3 cl Cocchi Americano Bianco
1,5 cl Limettensaft

1 Orangenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten kräftig auf Eis schütteln und ins mit frischen Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen. Zuletzt mit dem Öl der Orangenzeste besprühen, die Zeste danach entsorgen.

Glas: Tumbler

Garnitur: keine

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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