Pure Spirits: Cardenal Mendoza Clásico Solera Gran Reserva & der Granadero Cocktail

Heute ist es endlich soweit und ich kann hier einen Artikel veröffentlichen, der mir schon seit längerer Zeit auf dem Herzen lag. Zwar habe ich in der Vergangenheit immer mal wieder in verschiedenen Cocktails auch Brandy als Zutat eingesetzt, einen spezifischen Brandy aber bisher nicht vorgestellt, geschweige denn, mich der Thematik als solcher gewidmet (abgesehen von einigen Cognacs). Dass Brandy aber nicht gleich Brandy ist und man hier erst einmal grundlegende Definitionsarbeit leisten muss, will ich nun endlich einmal angehen. (zugesandtes Tesprodukt)*

Das Wort „Brandy“ ist in der Tat ein Begriff, der eine Menge Verwirrungspotential besitzt. Fast jeder kennt ihn, die meisten wissen in etwa, was damit gemeint ist, die wenigsten wissen es genau. Gerade im deutschsprachigen Raum führt der Begriff umso mehr in die Irre, da auch einige konkurrierende Bezeichnungen existieren, die meist etwas Ähnliches oder gar das gleiche meinen. Aber der Reihe nach.

Brandy ist zunächst einmal nichts anderes als der englischsprachige Begriff für Weinbrand (aus brandy wine wurde schließlich einfach Brandy). Diesen sollte man aber nicht mit Branntwein verwechseln, denn auch wenn die Begriff fast identisch sind und etymologisch sicherlich ursprünglich den gleichen Sachverhalt beschrieben, ist ein Weinbrand nach EU-Steuerrecht eine spezielle Form von Branntwein. Der Einfachheit halber lassen wir den Branntweinbegriff deshalb im Folgenden einfach beiseite und konzentrieren und auf Weinbrand. Wie man am Namen schon erkennen kann, ist Weinbrand letztlich eine auf Weinbasis destillierte Spirituose, die in mannigfaltiger Form hergestellt wird. Der weltweit vielleicht bekannteste Weinbrand ist der französische Cognac (auch wenn nach EU-Recht dieser wiederum eigentlich ein Branntwein ist, aber ich wollte das ja beiseitelassen), was im deutschen Sprachraum sogar dazu geführt hat, dass früher der Begriff „Cognac“ für jedwede Form von Weinbrand Verwendung fand. Wenn mein Großvater einen „Cognac“ trank, dann war dies mitnichten ein Weinbrand aus der französischen Cognacregion, sondern meist ein mittelprächtiger Weinbrand aus deutschen Landen.

Die Brandys, um die es mir geht und aus deren Reihen ich heute einen Vertreter vorstellen möchte, gehören nun aber zur geschützten Bezeichnung „Brandy de Jerez“. Wer schon einmal dort gewesen ist, der wird wissen, dass Jerez eine Stadt in Andalusien im Süden Spaniens ist und wir somit über spanischen Weinbrand bzw. Brandy sprechen. Jerez ist noch vor seinem Brandy v.a. für die Sherryproduktion bekannt und kaum ein Besucher der Stadt kommt längerfristig um die Besichtigung einer Sherrybodega herum. Was ist nun aber das Besondere am spanischen Brandy?

Die Geschichte des spanischen Brandys reicht bis in die maurisch geprägte Zeit Andalusiens zurück, wo die aus Glaubensgründen dem Alkohol (offiziell) abschwörenden Mauren (offiziell) zu medizinischen Zwecken Wein destillierten und somit die Wurzeln der Brandyproduktion bildeten. Bis heute wird Brandy de Jerez auf zwei verschiedenen Destillationsanlagen hergestellt: zum einen auf bereits von den Mauren verwendeten kupfernen Pot Stills, zum anderen auf Säulendestillationsanlagen. Während die Pot Stills Weinbrände mit einem Alkoholgehalt zwischen 40% vol. und 70% vol. erzeugen, welche auch als Holandas bezeichnen werden, erzeugen die die Säulendestillationsanlagen höherprozentige Brände (zwischen 70% vol. und 94,8% vol.), die man als Destilados bezeichnet. Vor der Abfüllung werden diese verschiedenen Brände miteinander vermischt, wobei die Holandas vor allem für die intensiven Aromen verantwortlich sind und die Destilados mehr zur Abrundung dienen. Daher wundert es nicht, dass mindestens 50% des fertigen Brandys aus Holandas bestehen muss. Die zulässige Trinkstärke für die Abfüllung eines Brandy de Jerez liegt dabei bei mindestens 36% vol. (leider ist die Unterschreitung von 40% vol. bei der Flaschenabfüllung bei vielen Herstellern sehr verbreitet – für einen Spirituosenenthusiasten ist das leider ein kleines Gattungsmanko, denn oft würde ich mir hier etwas mehr wünschen. Glücklicherweise trifft das auf die heutige Flasche jedoch nicht zu, doch dazu mehr weiter unten).

Übrigens weisen auch die Ausgangsweine beim Brandy de Jerez einen vergleichsweise hohen Alkoholgehalt von 10,5% bis 13% vol. auf (zum Vergleich: in der Cognacherstellung werden Weine mit einem Alkoholgehalt zwischen meist 7% und 8% vol. destilliert). Gebrannt wird i.d.R. nur ein einziges Mal, um möglichst viele Geschmacksstoffe zu erhalten.

Nach der Destillation steht eine Fassreifung im berühmt-berüchtigten Soleraverfahren an, welches in Andalusien auch seinen Ursprung hat, leider jedoch keine exakt verlässlichen Altersklassifizierungen erlaubt, wie man sie beispielsweise vom Whisk(e)y kennt. Dazu werden mehrere Fassreihen unterschiedlichen Alters übereinandergestapelt und nach der Entnahme von Brandy aus den ältesten Fässern in der unteren Reihe diese wieder mit Brandys aus den darüber liegenden Reihen aufgefüllt usw. während die oberste Reihe mit frischem Destillat aufgefüllt wird. Es ist also immer nur ein Teil des Brandys wirklich so oder so viele Jahre alt bzw. je nach Häufigkeit der Entnahme auch keine gleichbleibende Alterskonzentration garantiert. Die in der Brandyproduktion verwendeten Fässer bestehen aus amerikanischer Eiche und enthielten zuvor Sherry. Zwar kann man durchaus berechtigte Kritik an diesem Verfahren anbringen, der Verweis auf das historische Gewachseinsein dieses Reifeverfahrens macht hier aber durchaus Sinn (im Gegensatz zu manch südamerikanischen Rumproduzenten). Tatsächlich ist die Soleralagerung für Brandy de Jerez sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Vor diesem Hintergrund werden drei verschiedene Altersstufen unterschieden: Brandy de Jerez Solera mit einem durchschnittlichen Reifealter von einem Jahr, Brandy de Jerez Solera Reserva mit einem durchschnittlichen Reifealter von drei Jahren und schließlich Brandy de Jerez Solera Gran Reserva mit einem durchschnittlichen Reifealter von mindestens zehn Jahren.

So, nun aber genug der Einführung. Zeit, einen Blick auf die heutige Flasche zu werfen. Der Cardenal Mendoza Clásico Solera Gran Reserva ist folglich ein Brandy der ältesten Altersstufe. Er stammt aus dem andalusischen Familienunternehmen Sánchez Romate Hermanos, welches ursprünglich 1781 als Weingut in Jerez de la Frontera gegründet wurde. Seit 1887 wird dort auch Brandy produziert und es gehört zur Marketinggeschichte der heutigen Flasche, dass der Cardenal Mendoza Solera Gran Reserva auf dieses Jahr zurückgeht. Wie dem auch sei, der Cardenal Mendoza Clásico Solera Gran Reserva reifte jedenfalls durschnittlich für 15 Jahre in ehemaligen Oloroso und Pedro Ximénez-Fässern (wer sich ein wenig mit Sherry auskennt, wird wissen, dass diese Sherrys zu den besonders schweren und süßen Sorten zählen). Benannt ist der Brandy übrigens nach einem Kardinal des 15. Jahrhunderts, welcher die spanische Königin auch hinsichtlich der Entdeckungsreise Christoph Kolumbus‘ beraten haben soll.

Tja, wie schmeckt nun ein solcher Brandy? Jetzt ist es endlich soweit und ich werde mich dieser elementaren Frage widmen.

Tasting Notes:

Aroma: Verführerische, dunkle Sherrytöne zeigen die Fassreifung in Oloroso- und Pedro Ximénez-Fässern an, eine feine Weinfrucht paart sich mit Butterkaramell, likörgetränktem Biskuit, süßen Rosinen und einer Idee Bitterschokolade.

Geschmack: Ein sehr ausbalancierter Brandy mit überaus mildem Alkohol, zeigt dieser Brandy eine tiefe Süße mit Olorososherry, Rosinen, Schokolade, würzigen Eichennoten und etwas schwarzem Kaffee. Ein tolles Geschmackserlebnis, das mich definitiv für diesen Brandy zu begeistern vermag!

Abgang: Lang anhaltend und wärmend mit süßem Sherry und Eiche

Spanischen Brandy de Jerez in Cocktails einzusetzen, ist eine durchaus facettenreiche und voller Möglichkeiten steckende Sache. Wer die Suchfunktion meines Blogs verwendet, wird einige Drinks entdecken, in denen ich in der Vergangenheit schon einmal zum Cardenal Mendoza gegriffen habe, z.B. den Brandy Blazer oder den Chrysanthemum Prince. Wer sich hingegen mit klassischen Cocktailbüchern auseinandersetzt, wird ebenfalls oft den Verweis „Brandy“ finden, wobei hier – insbesondere in amerikanischen Büchern – meist französischer Cognac gemeint ist bzw. war. Doch manchmal findet sich auch unter diesen auf Cognac zugeschnittenen Rezepturen die ein oder andere, die auch oder gerade mit einem Brandy de Jerez zu neuen Höhen gelangt. Vor einem solchen Hintergrund habe ich heute einen Granadero gemischt, was quasi nichts anderes als die spanische Version des Grenadier Cocktails aus Harry Craddocks Savoy Cocktail Book ist. Das Originalrezept verlangt nach „Brandy“, „Jamaica Brandy“, „Ginger Brandy“ und Puderzucker, was ich nicht in dieser Form 1:1 umgesetzt habe. Der Granadero Cocktail mixt sich hingegen wie folgt:

Rezept „Granadero Cocktail“:

6 cl Cardenal Mendoza Clásico Solera Gran Reserva
2 cl PSM Galgant Cremelikör (alternativ ein anderer Galgant- oder Ingwerlikör)
2 Dashes King’s Ginger Liqueur

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: Griottines-Kirsche

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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