Pure Spirits: Goldjunge Distilled Dry Gin

Groß, hart umkämpft, für Quereinsteiger attraktiv und aufgebläht: So beschreiben viele Beobachter den deutschen und internationalen Ginmarkt. Und auch für mich ist es zunehmend keine leichte Aufgabe, zu entscheiden, über welche Gins ich überhaupt noch schreiben möchte. Einige sind bereits überrezensiert, andere für mich persönlich nicht so interessant und bei all dem muss ich auch zugeben, dass mein Gin-Enthusiasmus durch die stetige Flut an Neuerscheinungen doch auf eine Probe gestellt wird. (zugesandtes Testprodukt*)

Der Gin, um den es heute geht, hat es zumindest auf dem Papier schon einmal geschafft, meine Neugierde dennoch zu wecken. Und auch optisch sticht er natürlich aus der breiten Masse an Gins heraus. Wo also für gewöhnlich der Kampf um die ausgefallensten Botanicals tobt, hat man hier noch eine Ecke weiter gedacht und dadurch ein für den Markt sicherlich attraktives Alleinstellungsmerkmal geschaffen. Der Goldjunge Gin macht seinem Namen daher alle Ehre: feines, schwebendes Blattgold in einer Spirituose wirkt nun einmal edel und sieht hübsch aus. Zugegeben, ein bisschen ist natürlich auch die Gefahr des Kitsches zugegen und die meisten werden wohl zunächst ans Danziger Goldwasser denken, in dem nun mal auch das schimmernde Metall hauchzart seine Pirouetten durch die Flüssigkeit dreht. Für mich ist das allerdings kein Problem, ganz im Gegenteil, denn eine Flasche Danziger Goldwasser stand früher immer im Schrank meines Großvaters und ich war schon früher von dem optischen Schauspiel fasziniert (und natürlich auch nur davon, damals habe ich noch längst keinen Alkohol getrunken). Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum der Goldjunge Gin von außen so anziehend auf mich wirkt.

Aber nun genug des Vorgeplänkels: Der Goldjunge Gin stammt passenderweise (natürlich, Marketing Hurra!) aus der auch Goldstadt genannten Stadt Pforzheim, die historisch für ihre Schmuckindustrie bekannt ist. Erst in diesem Jahr wurde dort der 250. Geburtstag der Schmuck- und Uhrenindustrie gefeiert. Der Kopf hinter dem Goldjunge Gin ist Jan Armbruster, der den Gin auch prompt nach seinem Kosenamen, den seine Mutter ihm gab, benannt hat (und natürlich, weil es ins Marketingkonzept passt). Der Goldjunge Gin wird im Auftrag von einer namentlich nicht genannten Baden-Badener Destille gebrannt und hier hat die Geschichte um den Gin aus der Goldstadt Pforzheim natürlich einen kleinen Pferdefuß (ähnlich wie es beispielsweise auch bei Lonis und Bodos Dortmund Dry Gin der Fall ist). Aber letztlich bin ich auch nicht hier, um die Marketinggeschichte einer Spirituose herunterzubeten, sondern um zu schauen, was in diesem Gin eigentlich genau drin steckt. Gebrannt wird er jedenfalls dreifach und anschließend mit 44% vol. abgefüllt. Zuvor dürfen 22 Botanicals im Ausgangsalkohol mazerieren, von denen neben dem Wacholder noch Zitrusfrüchte, Holunderblüten, Lavendelblüten, Angelikawurzeln, Koriandersamen und die Himbeere genannt werden. Die Botanicalliste spricht mich definitiv an und ich bin gespannt, was ich geschmacklich im mit 22-karätigem Gold versetzten Gin so alles finden kann. Rechtlich ist er als Dry Gin deklariert.

Tasting Notes:

Aroma: Dieser Gin ist in der Nase eher auf der frischen und leicht fruchtigen Seite zu verorten. Zwar ist der Wacholder deutlich bemerkbar, aber die Hauptrolle spielen eher die Zitrustöne und auch die Himbeere. Anklänge von Himbeergeist sind nicht zu leugnen und vermischen sich mit den würzigen Noten der anderen Botanicals zu einem frisch-würzigen Geruchsbild. Auch hier frage ich mich, ob mir meine Sinne einen assoziativen Streich spielen, denn ein wenig muss ich immer noch an Danziger Goldwasser denken. Ob sich Süßholz unter den nicht genannten Botanicals befindet? Gut möglich.  Die Nase ist nicht bahnbrechend oder herausragend, aber in ihrer Art solide und (mich) durchaus ansprechend.

Geschmack: Am Gaumen tritt der Goldjunge Gin deutlich würziger auf. Der Wacholder ist ausgeprägter, die Zitrusfrüchte etwas hintergründiger, aber dennoch präsent. Lavendel ist hier klar herauszuschmecken, die Himbeere fällt hingegen schwächer aus als in der Nase. Auch hier muss ich wieder an Süßholz denken. Insgesamt folgt auf eine eher frisch-würzige Nase ein würzig-frisches Geschmacksbild, die Aromen verschieben sich also ein wenig. Es ist sicherlich nicht der beste Gin, den ich je probiert habe, aber ich mag ihn.

Abgang: trocken und eher würzig

In einem Gin & Tonic gibt der Goldjunge Gin optisch natürlich auch eine interessante Figur ab. Vielleicht auch ein bisschen deshalb, weil ich doch noch ein wenig das Danziger Goldwasser im Hinterkopf habe und seine Geschmacksnoten von Süßholz und Anis so schätze, habe ich mich für eine Kombination mit einem Lakritz Tonic entschieden. Dass Lakritz gut in Kombination mit Himbeere geht, kann sowohl in einer richtigen Süßigkeit erlebt werden, zuletzt habe ich aber auch beide Noten subtil in einen isländisch inspirierten Martini eingebunden. Wie dem auch sei: Mit dem Lakritz Tonic mag ich den Goldjunge Gin sehr gern.

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

*(Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.)

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