Pure Spirits: Hibiki Japanese Harmony

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Der heutige Whisky ist gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Nicht nur aus sich selbst heraus, sondern durchaus auch für mich, denn er erinnert mich an einige sehr schöne Whiskyerfahrungen (um nicht zu sagen: Erlebnisse), die ich in der Vergangenheit machen durfte. Und das, obwohl er selbst erst im Jahr 2015 auf den Markt gekommen ist. Nicht zuletzt ist er zudem jüngster Vertreter einer Whiskyreihe, die sogar eine der ersten war, die ich namentlich überhaupt kannte. Wieso das so ist, möchte ich noch kurz erzählen. (Zugesandtes Testprodukt)

Angefangen hat es mit dem Film „Lost in Translation“ aus dem Jahr 2003, welcher mich damals wirklich begeistert hat. Ich war schon immer ein Fan der japanischen Kultur und Sofia Coppolas Spielfilm hat mir damals humorvoll einen Einblick ins Gegenwartsjapan beschert, der – trotz Kritik an der Darstellung – auch einer der Gründe war, warum ich später dann Japan bereist habe. Von Whisky hatte ich damals aber noch keine Ahnung und neben den Allerweltsnamen „Glenfiddich“, „Jim Beam“, „Johnnie Walker“ und Co kannte ich auch nicht besonders viele Marken. Die vielleicht berühmteste Szene im Film zeigte nun aber einen absurd-komischen Werbedreh für „Suntory Whisky“, der eigentlich eine Hommage Sofia Coppolas an Werbeerfahrungen ihres Vaters Francis Ford Coppola aus den späten 70ern darstellt. Der Protagonist des Films, Bob Harris (gespielt von Bill Murray), sitzt dort mit einem Glas Whisky und einer Flasche im Hintergrund am Drehort und hat die für den Namen des Films programmatischen Verständigungsprobleme (für den englischen Videoausschnitt: s.u.).

Schon damals wollte ich gerne wissen, was denn eigentlich „Suntory Whisky“ genau ist. Und so erfuhr ich, dass Suntory eine der globalen Größen auf dem Spirituosenmarkt ist, die in Japan durchaus auch Softdrinks, Eis oder sogar Blumen verkauft (was ich später an manchen Bahnhofkiosks in Japan auch sehen konnte). Der eigentliche Name des im Film beworbenen Whiskys war jedoch Hibiki (im Film wird, soweit ich weiß, der 17-jährige Hibiki beworben). Und diesen 17-jährigen Hibiki habe ich dann später auch in Tokyo in einer fantastischen Skybar mit umwerfendem Ausblick über das nächtliche Tokyo getrunken (leider habe ich den Namen der Bar vergessen) und war begeistert. Später habe ich mir noch eine Flasche vom 12-jährigen Hibiki mit nach Hause genommen und war auch von diesem Tropfen sehr angetan. Die Hibikiserie hat bis heute international sehr viele Auszeichnungen und Preise gewonnen und so war ich dann doch sehr gespannt auf das neue und jüngste Mitglied der Reihe; ganz im Zeichen der global gestiegenen Nachfrage eine NAS-Abfüllung (No Age Statement).

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Hibiki ist eine Reihe von Blended Whiskys, also Whiskys, die aus mehreren Destillen stammen und die nicht ausschließlich aus gemälzter Gerste bestehen. Hibiki bedeutet so viel wie Klang oder eben auch Harmonie und so hat man mit dem Namenszusatz „Harmony“ auch einen international durchaus passenden Titel für diese Abfüllung gefunden. Bevor ich auf den Inhalt zu sprechen komme, möchte ich aber auch noch kurz auf die Flasche eingehen: Für meinen Geschmack ist sie nämlich wirklich wunderschön geraten. Eine sehr edel wirkende, rundliche Flasche mit 24 Facetten, die die 24 japanischen Jahreszeiten repräsentieren (ich spare es mir einmal, diese hier aufzuzählen). Zudem besteht das Etikett aus handwerklich hergestelltem japanischem Echizen- oder auch Washi-Papier, welches aus der Provinz Echizen an der zentralen Nordküste der Hauptinsel Honshu stammt. Ästhetisch ein absolut gelungenes Konzept und schönes Sinnbild japanischer Perfektionskultur.

Inhaltlich weist der Hibiki Japanese Harmony Whiskys aus mehreren japanischen Destillen auf: Yamazaki (hier habe ich auch schonmal über den 10-jährigen Single Malt geschrieben), Hakushu und Chita. Diese durften in unterschiedlichen Fasstypen reifen, wozu sowohl klassische Ex-Bourbon-Fässer, aber auch europäische Ex-Sherry-Fässer und Mizunarafässer aus der japanischen Wassereiche zählen. Diese vermählt Chief Blender Shinji Fukuyo dann so miteinander, dass weiche und milde Grain Whiskys die z.T. auch leicht rauchigen Malt-Bestandteile zu einer besonders subtilen und vollendeten „Harmonie“ abrunden. Geschmacklich hat der Hibiki mich ebenfalls vollends überzeugt. Natürlich unterscheidet er sich von seinen älteren Geschwistern und erreich auch nicht ganz deren Klasse, ist aber dennoch ein vorzüglicher Whisky. Und das auch noch als Blend. Klare Kaufempfehlung für alle, die sich japanischen Whiskys annähern möchten.

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Tasting Notes (für die offiziellen Tasting Notes s. obenstehendes Foto):

Aroma: In der Nase schwappt sofort eine komplexe Süße über den Sinnesapparat hinweg, die nach einer näheren Einordnung verlangt. Vanille, Sandelholz, aber auch helle Früchte und ein aromatischer Honig. Vielleicht tatsächlich Lychee, Orange, aber auch süßlichen Pflaumenwein meine ich auszumachen. Eine nicht zu dominante Eichennote vermischt sich mit ganz leichtem Rauch und ganz feinen Salzassoziationen. Rosmarin finde ich nicht. Alles in allem ein tolles Aroma, das ich stundenlang verriechen könnte.

Geschmack: Überraschend präsente, durchaus herbe Eichentöne kündigen sich an, neben die sich sofort der aromatische Honig gesellt. Die Vanille ist ebenfalls da, schwingt ein bisschen in Richtung von Orange über, wie es auch bei vielen Bourbons zu beobachten ist. Mit der Zeit zeigt der Hibiki Japanese Harmony zunehmend seine süße Seite mit feiner Schokolade (ob sie nun weiß oder doch eher Milchschokolade ist? Ich weiß nicht so recht.) und wieder etwas Sandelholz.

Abgang: Sehr mild, angenehm aromatisch und lang anhaltend.

Wirklich ein ausgezeichneter Whisky, der dem Namen Hibiki durchaus Ehre macht.

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Bezugsquellen: Der Hibiki Japanese Harmony wird mit 43% vol. abgefüllt und ist im Fachhandel oder online für meist ca. 60 Euro zu erstehen.

5 thoughts on “Pure Spirits: Hibiki Japanese Harmony

  1. Die Japaner machen ausgezeichneten Whisky, keine Frage. Aber die Preise sind mittlerweile auf einem Niveau, welches deutlich über dem liegt, was ich bereit bin auszugeben. Gerade wenn es um vergleichsweise alte Qualitäten geht. Seit diesem Jim Murray Yamazaki-Deal gingen die Preise einfach durch die Decke. Beim Scotch sind die Tendenzen ähnlich. Auch wenn der Harmony schon seit einiger Zeit auf meiner Liste steht, werde ich wohl widerstehen.

    Kleine Anmerkung: Es heißt Johnnie Walker

    • Ich kann da im Grunde nur zustimmen. Auch mir selbst sind die steigenden Whiskypreise nicht ganz geheuer und ich habe ebenfalls die Konsequenz gezogen, letztlich viel weniger Flaschen davon zu kaufen als früher. Das kommt vor allem dem Rumsegment in meinem Fall zugute.

      Ansonsten vielen Dank für die Anmerkung, habe ich entsprechend geändert.

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