Topanito Mezcal Artesanal Tepeztate & Oaxaca Sadō

Mexikanische Agavenspirituosen sind ein immer wiederkehrendes Thema, wenn es um Bartrends und –prognosen geht. Allerdings ist ein vergleichbarer Durchbruch, wie es Tequila, Mezcal und Co in den USA im letzten Jahrzehnt vergönnt war (und zum Teil auch in Hotspots wie z.B. London erfolgte) in Kontinentaleuropa bisher nicht gelungen. Das liegt natürlich mitunter am immer noch zweifelhaften Ruf des geschmacklich mit Salz und Zitrone zu flankierten Partyshots, aber vielleicht auch an der noch nicht ganz konkurrenzfähigen Barpräsenz im Vergleich zu Gin, Whisky oder natürlich auch Wodka. Vor diesem Hintergrund ist das Thema des heutigen Artikels ein sehr Erfreuliches und Spannendes, denn es steht ganz im Zeichen sich ausbreitender Vielfalt. (zugesandte Testprodukte)*

Und verantwortlich dafür ist die Marke Topanito, über die ich in der Vergangenheit auch schon mehrfach berichtet habe (hier, hier und hier). Topanito hat nämlich seine Range um eine Serie aus Abfüllungen erweitert, die als Mezcal Artesanal bezeichnet werden und auf verschiedenen Wildagaven-Sorten basieren. Der Anspruch ist dabei ziemlich klar: Das Spektrum der Mezcalvielfalt einem größeren Publikum zugänglich zu machen und dabei zu zeigen, wie unterschiedlich diese Spirituose ausfallen kann. Ich freue mich natürlich ganz besonders darüber, mir selbst ein Bild von den drei neuen Sorten machen zu können, die auf die klangvollen Namen „Madre Cuishe, Tobalá und Tepeztate hören. Insbesondere der letztgenannte Tepeztate steht heute hier im Mittelpunkt, da ich diesen intensiver und vor allem auch mit Blick auf sein Potential als Cocktailzutat verkosten konnte.

Alle genannten Mezcals werden im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca in der Amantes de lo Ajeno Destillerie hergestellt (mehr zum Herstellungsverfahren und einigen Hintergründen der Mezcalgattung habe ich vor längerer Zeit in diesem Artikel beschrieben, weshalb ich die bekannten Verfahren rund um Pinas, Tahona und Co nicht nochmals durchexerzieren möchte). Vielleicht sei aber dann doch erwähnt, dass in der Amantes de lo Ajeno Destillerie die Tahona tatsächlich noch ein Esel betrieben wird.

Die Fermentation der gekochten Agaven dauert fünf Tage an und im Anschluss wird der Mezcal Artesanal auf kupfernen Alambiques gebrannt.

Bisher basierten fast alle hier im Blog rezensierten Mezcals auf der Aganvensorte Espadin, welcher aufgrund ihrer Wachstumseigenschaften am leichtesten zu kultivieren ist. Die nun neu hinzugekommenen Abfüllungen verwenden die Agavensorten, die sich auch im Namen der Abfüllungen widerspiegeln: Madre Cuishe (eine erdig-milde Sorte), die an Beerennoten erinnernde Tobalá-Agave sowie die im späteren Geschmack fruchtig-grüne Tepeztate-Sorte.

Tatsächlich ist die Geschmacksvielfalt beeindruckend und ich kann jedem, der einmal im Bereich Mezcal etwas weiter über den Tellerrand schauen möchte, nur empfehlen, sich von den Unterschieden der genannten Qualitäten zu überzeugen. Im Detail möchte ich aber vor allem auf den Topanito Mezcal Artesanal 100% Tepeztate eingehen.

Absolut beeindruckend ist hier schon das schiere Alter der Agave, welche meist bis zu 30 Jahre oder mehr wachsen darf, bevor aus ihr schließlich dieser Mezcal hergestellt wird. Die Tepeztate-Agave wächst in steileren Hanglagen zwischen 1400 und 2000 Metern umgeben von Wildkräutern. Sie hat einen eher geringen Zuckergehalt, was natürlich bei der Vermaischung von Nachteil ist und eine größere Menge der Agave erforderlich macht. Zusammenfassend sind also ein relativ hohes Alter, ein geringer Zuckergehalt und die erschwerten Erntebedingungen in Hanglage eher nachteilige Aspekte, die aber eben das Ergebnis umso besonderer machen.

Nun aber in medias res:

Tasting Notes „Topanito Mezcal Artesanal 100% Tepeztate“:

Aroma: Ok, das hier ist definitiv anders, als ich es bisher kenne und gewohnt bin. Es ist nicht völlig unverkennbar anders, man bemerkt schon unmittelbar, dass es sich um einen Mezcal handelt, aber er zeigt sich wirklich von einer neuen und spannenden Seite. Ich finde tatsächlich viele frische und grüne Noten, exotische Früchte (Kiwi?), aber vor allem auch grüner Apfel, dazu Limettentöne und erdig-grasige Noten sowie etwas grüne Paprika und ein Hauch von Gurke. Dazu mineralische Töne, etwas Salz und natürlich ein aromatischer Rauch.

Geschmack: Oh ja, das gefällt mir! Wieder sind Früchte zugegen, allen voran Limetten und Mangos, dazu etwas Papaya; grasig-erdige Noten sind auch am Gaumen zu finden. Ein schöner, ausbalancierter Rauch verbindet sich mit einem sehr sanften, fast cremigen Mundgefühl, Nuancen von weißem Pfeffer und Mineralsalz kommen hervor, wieder eine Nuance Paprika und diffuse Kräuter im Hintergrund. Die grüne Etikettgestaltung ist für diesen Mezcal absolut passend, er schmeckt reif, sehr komplex und dabei doch frisch und „grün“.

Abgang: aromatischer Rauch, sehr lang; wirklich schön!

Definitiv ein toller Mezcal! Was macht man nun aber damit? Natürlich könnte man zahlreiche Mezcal-Klassiker hier durchprobieren, was sicherlich viel Freude machen würde. Ich wollte aber etwas Neues ausprobieren und habe mich an einer Art mexikanisch-japanischer Fusionsidee versucht. Dazu habe ich einen Sirup aus Zucker und Szechuanpfeffer hergestellt (ja, ich weiß, mal wieder ein selbstgemachter Sirup, tut mir leid), welcher dann zusammen mit Blutorangensaft, etwas Umeshu, Grüntee und frischer Limette im Shaker geschüttelt wird. Der Oaxaca Sadō ist wirklich ein toller Drink.

Rezept „Oaxaca Sadō“:

6 cl Topanito Mezcal Artesanal Tepeztate
2 cl frischer Blutorangensaft
1,5 cl Limettensaft
1 cl Szechuanpfeffersirup (s.u.)
2 cl grüner Tee
0,5 cl Umeshu

Szechuanpfeffersirup: Einfach Zucker, Wasser und nicht zu fein gestoßenen Szechuanpfeffer (er sollte sich noch herausfiltern lassen) im Verhältnis 3:3:1 in eine Pfanne geben und zum Köcheln bringen. Danach bei nicht zu starker Hitze reduzieren lassen, bis eine sirupartige Konsistenz entstanden ist. Durch ein Feinsieb gießen und in einem luftdicht verschließbaren Behälter lagern. Hält sich im Kühlschrank sicherlich einige Wochen.

Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker auf Eis kräftig schütteln und doppelt ins vorgekühlte Glas / eine Teetasse abseihen.

Glas: japanische Teetasse (alternativ Coupette)

Garnitur: ein einzelnes Minzblatt

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.