No.3 London Dry Gin

Wenn der Blick in diesen Tagen über die Ginregale in Spirituosenhandlungen und Supermärkten schweift, findet der geneigte Wacholderfreund immer wieder neue, innovative Neuankömmlinge auf dem hart umkämpften Markt. Aber natürlich findet er dort auch jedes Mal alte Bekannte wieder, die bereits seit Jahren für gute Qualität stehen und sich etablieren konnten. Und zu den letztgenannten zählt sicherlich die grüne Glasflasche mit dem eingelassenen Schlüssel. Obwohl sie doch scheinbar so gar nicht in die moderne Ginwelt zu passen scheint. (zugesandtes Testprodukt)*

Denn tatsächlich hat man es hier nicht mit einem sogenannten New Western Dry Gin zu tun, sondern mit einem Vertreter der eher klassischen Geschmacksdimensionen im Ginbereich. So kommt er auch mit lediglich sechs Botanicals aus: gewissermaßen mit drei Früchten und drei Gewürzen (Wachholder, Angelikawurzeln, Koriander, Orangenschalen, Kardamon, und Grapefruit), was ein Grund für die Zahl 3 auf der Flasche sein mag. Vor allem aber steht diese für die Hausnummer No. 3 St. James Street in London, wo das Unternehmen Berry Bros. & Rudd seit 1698 ansässig ist. Ein wahrlich klassischer London Dry Gin – sollte man meinen.

Zwar ist der No. 3 tatsächlich ein London Dry Gin (sonst dürfte es auch nicht auf der Flasche stehen), hergestellt wird er aber in den Niederlanden. Dort wird er in einer Traditionsbrennerei mit über 300-jähriger Geschichte hergestellt. So weit, so gut. 46% vol. sind ein ansprechender Wert, mit dem schließlich der Gin in die Flasche kommt. Und auch ich bin ehrlich gesagt einmal wieder froh, auch einen eher klassisch angelegten Gin hier verkosten zu können. Dann also mal ran den Wacholder!

Tasting Notes:

Aroma: Ja, das ist mal ein schöner und sehr gekonnt daherkommender London Dry Gin klassischer Prägung. Eindeutig spielt hier der Wacholder die Hauptrolle, eine gewisse Zitrusfrische ist zwar auch mit von der Partie, der Wacholder macht hier aber klar, wer das Sagen im Glas hat. Dabei sticht keinerlei störender Alkohol hervor, das Aromabild ist frisch, würzig und geradlinig.

Geschmack: Auch am Gaumen ist der Wacholder der Herr im Haus. Die Noten von Orangenschalen und Grapefruit begleiten den Wacholder, v.a. aber sticht Karadamom hervor und hebt somit den Gin No.3 auf ein sehr ansprechend komplexes Niveau, der auch einfach mal beweist, dass man eben keine 20+ Botanicals braucht, um einen vielschichtigen Gin herzustellen. Ein paar Assoziationen von Ingwer kommen auf, obwohl dieser nicht im Gin zu finden ist.

Abgang: trocken, erdig und auch hier dominiert der Wacholder

Mit einem so schönen London Dry Gin wollte ich heute mal wieder einen richtigen Erfrischungsdrink anbieten. Allerdings einen, der mit einem besonderen Einschlag daherkommt. Vor Kurzem habe ich hier noch über vier Liköre aus der Doragrossa-Linie berichtet, worunter sich auch der Doragrossa Liquore Menta di Pancalieri befindet. Dieser Minzlikör hat einen sehr distinktiven und prägenden Charakter, womit man in einem Drink sehr behutsam umgehen muss, wenn man nicht eine volle Überminzung riskieren will. Aber gerade im Zusammenspiel mit frischer Zitrone und Orange kann der Menta di Pancalieri hier glänzen – und schmiegt sich auch harmonisch an den würzigen Charakter des No. 3 London Dry Gin an. Ein paar Spritzer Celery Bitters vervollständigen diesen unkomplizierten, aber dennoch nicht unraffinierten Drink: The Minty Glinty.

Rezept „The Minty Glinty“:

6 cl No. 3 London Dry Gin
2 cl Zitronensaft
2 cl Orangensaft
2 Barlöffel Doragrossa Liquore Menta di Pancalieri
1 cl Zuckersirup
2 Dashes Celery Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten kräftig auf Eis schütteln, ins vorgekühlte Glas abseihen und mit dem Öl einer Orangenzeste besprühen.

Glas: Cocktail / Martini oder Coupette

Garnitur: Orangenzeste

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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