Maker’s 46 & Contemplating Life

Obwohl ich mich natürlich stets bemühe, an jeden Artikel, in dessen Zuge ich eine Spirituose verkoste und rezensiere, mit der gleichen Neutralität und Objektivität heranzugehen, spielen mitunter natürlich auch persönliche Emotionen mit herein. Zwar versuche ich auch hier, deren Einfluss möglichst einzudämmen, sobald er mir bewusst wird, aber natürlich wäre es schlicht nicht ehrlich, wenn ich behaupten würde, es gäbe ihn nicht. Das ist mir heute einmal mehr überdeutlich geworden. (zugesandtes Testprodukt)*

Die Ursachen können dabei vielfältig sein und die Auswirkungen ebenso positiv wie negativ. Insbesondere dann, wenn ein bisher als eher günstiges Massenprodukt in Erscheinung getretenes Destillat auf einmal eine Premiumqualität unter gleicher Flagge an die Seite gestellt bekommt, muss ich zunächst einmal gegen dann eher negative Gefühle angehen (die sich dann auch nicht selten als tatsächlich ungerechtfertigt herausstellen). Umgekehrt funktioniert es aber natürlich auch und eine Erweiterung der Range einer sehr geschätzten Marke führt direkt zu Vorfreude, aber auch hohen Erwartungen. Vor diesem Hintergrund möchte ich daher meine Bemerkung verstanden wissen, wenn ich nun sage, dass ich mich sehr auf die Rezension zur heutigen Flasche gefreut habe.

Wer sich nur ein bisschen in der Spirituosenwelt und insbesondere mit amerikanischem Bourbon auskennt, der wird beim charakteristischen, mit rotem Wachs versiegelten Flaschenhals nicht lange überlegen müssen. Der Name Maker’s Mark steht seit langer Zeit für ein solides Qualitätsversprechen und sicherlich kaum ein Freund amerikanischen Bourbons wird noch nicht mit ihm in Berührung gekommen sein.

Gegenwärtig erleben wir weiterhin den bereits seit mehreren Jahren stetig wachsenden Ausbau des Premiumsegments innerhalb des Spirituosenmarktes. Und insbesondere auch die Barwelt und der anspruchsvolle Cocktailtrinker verlangen zunehmend nach besonderen Flaschen, Marken oder Sonderabfüllungen. Doch wenn ich mich an die Zeit zurückerinnere, in der ich mich verstärkt mit Spirituosen, der Cocktailkultur und –geschichte auseinanderzusetzen begann (was etwa Mitte der „Nullerjahre“ gewesen ist), dann erinnere ich mich auch daran, wie es vor dem ganz großen Ausbruch der Cocktailrenaissance aussah. Zu jener Zeit ist es auch gewesen, als mich erstmalig Chris McMillian mit seiner (inzwischen leider arg in die Jahre gekommenen) Videoreihe über klassische New Orleans Cocktails maßgeblich begeistert und auch beeinflusst hatte. Der Mint Julep ist bis heute wohl mein absoluter Favorit unter den Drinks und es war eben ein Maker’s Mark Kentucky Straight Bourbon Whiskey, mit dem Chris den Drink zubereitete, während er eine Ode auf den Mint Julep von Joshua Soule Smith aus den 1890ern rezitierte – Ein Gänsehautmoment (die Ode von Soule Smith findet sich auch in meinem Artikel über den Mint Julep)!

Nun ist seitdem zwar einige Zeit ins Land gezogen, dennoch stand der Maker’s Mark damals bereits in einem gewissen Premiumruf, war auch etwas teurer als viele Konkurrenzprodukte und hat sich eine gewisse Eigenständigkeit auch seitdem bewahren können. Gebrannt wird er nach wie vor in der seit 1959 bestehenden Maker’s-Mark-Brennerei in Loretto, Kentucky. Bill Samuels sen. entwickelte 1953 die Rezeptur des Maker’s Mark (heute wird die zu Beam Suntory gehörende Brennerei übrigens von Bill Samuels jun. geleitet) zusammen mit Pappy van Winkle. Die Besonderheit ist bis heute der Verzicht auf Roggen in der Maische (70% Mais, 30% gemälzte Gerste und roter Winterweizen) sowie ein besonderes Verfahren, bei dem das Getreide nicht gemahlen, sondern gequetscht wird. Inzwischen werden die meisten Bourbontrinker und Barbesucher einen Maker’s Mark allerdings eher als Standardprodukt wahrnehmen und hier nicht mit der gleichen Entzückung herangehen, wie dies vielleicht noch vor etwas mehr als einem Jahrzehnt oder weit davor gewesen sein mag. Doch seit dem Jahr 2010 bietet die Maker’s-Mark-Brennerei nun auch mit dem Maker’s 46 eine besonders auf das Premiumssegment abgestimmte Flasche an, mit der ich mich heute näher befassen will.

Zunächst einmal steht die 46 hier nicht für den Alkoholgehalt der Abfüllung, wie man es vielleicht zunächst meinen könnte (der Maker’s 46 enthält 47% vol.). Stattdessen rührt der Name von der Besonderheit des Whiskys her: Für den Maker’s 46 wird der normale Maker’s Mark Bourbon Whisky in Fassstärke noch einmal in Fässern gefinisht, die zuvor mit Dauben aus verkohlter europäischer Eiche versehen werden. Ein ziemlich findiges Verfahren, das sich innerhalb der gesetzlichen Vorgaben für Bourbon bewegt! Und während man mit diesem Verfahren experimentierte, war es die vom Daubenlieferanten mit der Nummer 46 versehene Daubencharge, die das beste Ergebnis erzielte.

So weit, so gut. Achja, bevor ich nun mit der Verkostung beginne, sei noch darauf hingewiesen, dass ich tatsächlich nicht etwa aus „schottischer“ Gewohnheit heraus das e im Wörtchen Whisky vergessen habe, sondern man im Hause Maker’s Mark Whisky tatsächlich im schottischen Stil ohne das e schreibt.

Tasting Notes:

Aroma: Sehr schöne und warme Karamelltöne sind das erste, was mir begegnet. Diese verbinden sich mit sanfteren Vanillenoten und einer Prise sehr harmonisch eingebundener Gewürze des Eichenholzes (Zimt, etwas Muskat und ein Hauch Nelke). Eine leichte, frische Citrusnote umschmeichelt ebenfalls die Nase, zudem kann ich einen ganz subtilen Rauch ausmachen.

Geschmack: Sehr ausgewogen und gefällig weich gleitet der Maker’s 46 durch den Mund. Auch hier sind Karamelltoffee und Vanille vordergründig, aber auch Noten von gerösteten Nüssen, Honig und einer Nuance Orange sind zugegen. Zimt und Muskatnuss werden mit der Zeit stärker, zudem zeigt sich ein wenig geschlagenes Apfelholz. Obwohl kein Roggen enthalten ist, schafft der Maker’s 46 den Spagat zwischen milder Weichheit und ausdrucksstarker Würze mit Bravour, das weiß sehr zu gefallen!

Abgang: auch hier kommt noch einmal der ambivalente Charakter des Whiskys zum Vorschein: mild und weich bei langanhaltendem, recht trockenem und von würziger Eiche dominierten Finish

Die Einsatzmöglichkeiten für den Maker’s 46 sind durchaus vielfältig und für zahlreiche Klassiker vom Old Fashioned, über den Manhattan bis hin zum Mint Julep würde ich hier bedenkenlos eine Empfehlung aussprechen – ob das jeweilige Resultat den eigenen Geschmack trifft, muss natürlich jeder für sich selbst herausfinden. In einem Whisk(e)y Sour und seinen zahlreichen Verwandten fände ich den Maker’s Mark hingegen eher verschenkt, da ich Zweifel daran hege, dass sein ambivalenter Charakter aus Milde und Würzigkeit hier angemessen zur Geltung kommen kann. Mein Cocktailvorschlag für heute ist daher am ehesten mit einem Manhattan verwandt bzw. mit dessen Ableger, dem Brooklyn Cocktail, denn statt rotem Wermut setze ich hier mit einem Cocchi Americano auf einen trockenen Quinquina. Maraschino findet sich hingegen nicht in der Rezeptur, dafür aber eine Nuance Chartreuse und D.O.M. Benedictine, die hier allerdings eher der Aromatisierung dienen und gewissermaßen wie Bitters eingesetzt werden. Genuine Bitters kommen allerdings auch zum Einsatz. Getauft habe ich den Drink übrigens „Contemplating Life“ – einfach weil ich ihn in einem melancholischen Moment ersonnen und getrunken habe und er dazu einfach wie gemacht schien.

Rezept „Contemplating Life“:

5 cl Maker’s Mark 46
1,5 cl Cocchi Americano
2 Barlöffel Chartreuse verte
1 Barlöffel D.O.M. Benedictine
1 Dash Angostura Bitters
1 Dash The Bitter Truth Celery Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten im Rührglas auf Eis kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen. Mit dem Öl einer Zitronenzeste besprühen.

Glas: Martini / Manhattan

Garnitur: Zitronenzeste

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

**Bei diesen Einkaufslinks handelt es sich um Affiliate-Links. Das bedeutet, dass ich im Falle eines Kaufes eine kleine Provision erhalte – die somit natürlich auch dem Betrieb des Blogs zugutekommt – der Einkauf wird dadurch um keinen Cent teurer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.