Clairin Communal & Cup Haïtien

Wer sich mit der Produktion vom Rum auseinandersetzt, der landet natürlich mehr oder weniger sofort gedanklich in der Karibik. Dort liest man dann eine Menge über die Produktion von Zuckerrohr, historische Wurzeln des Rums als Abfallverwertungsprodukt, die Unterscheidung von Melasse Rum und Rhum Agricole aus Zuckerrohrsaft und so weiter. In letzter Zeit ist der Fokus auch mehr und mehr auf die besonderen Hefestämme gerichtet worden, die teils seit Jahrhunderten gleichbleibend für die Fermantation des Zuckerrohrsafts oder der Melasse genutzt werden. Ebenfalls schaut man auch zunehmend auf Filtrationstechniken. Und dann gibt es da neben klassischem Rum bzw. Rhum auch noch den Clairin vom Inselstaat Haiti. (zugesandtes Testprodukt)*

Und einen solchen Clairin möchte ich heute hier rezensieren. Interessant ist dabei, dass man die beiden letztgenannten Punkte, also die Filtration und manuelle Hefeanreicherung der Maische, i.d.R. beim Clairin schlicht nicht durchführt und auf Spontanfermentation durch die Umgebungsluft setzt. Dies ist vor allem der meist eher kärglichen Ausstattung der Destillen in Haiti geschuldet, welche außerhalb des Landes vielleicht manchmal gar nicht so genannt werden würden. Im Vergleich zum ebenfalls aus rohem Zuckerrohrsaft hergestellten Rhum Agricole weist Clairin in der Regel einen viel urwüchsigeren, rustikalen Charakter auf, der sich aber eben auch in einer ganzen Explosion aus Aromen äußern kann. Für weitere Hintergründe und ein Beispiel möchte ich auf einen Artikel zum Clairin Sajous verweisen, den ich im April 2016 hier verfasst habe.

Heute steht ernet ein Clairin vor mir, der den Namen Clairin Communal trägt. Das französischsprachige Etikett verrät zudem, dass wir es hier mit einem Blend aus vier verschiedenen, regionalen Clairins zu tun haben, bestehend aus Clairin Vaval aus Cavaillon, Clairin Casimir aus Barraderes, Clairin Le Rocher aus Pignon und eben Clairin Sajous aus Saint Michel de l’Attalaye im Herzen Haitis. Mit 43% vol. ist hier eine wesentlich einsteigerfreundliche und auch auf den Cocktailmarkt schielende Alkoholstärke für die finale Abfüllung gewählt worden, die von den in Haiti üblichen 50% vol. abweicht. Auch preislich liegt diese Flasche um die 30 Euro und damit etwas unterhalb der Einzelqualitäten.

Tasting Notes:

Aroma: Die typische Clairinnote ist unverkennbar. Zuckerrohr und vegetabile Töne (Assoziationen von Zucchini und Champignons) verbinden sich mit hellen Früchten (v.a. Birnen) und Kräutern, dabei sehr intensiv und ausdrucksstark. Was mir beim Clairin Communal aber sofort – und das ungemein positiv – auffällt, ist eine unheimlich tolle Vanille, die hier sehr vordergründig mitschwingt. Überhaupt müsste ich überlegen, wann ich zuletzt eine so klare und schöne Vanille in einer Spirituose vernommen habe; fast schon wie in einem Cremedessert.

Geschmack: Wow, auch hier begeistert mich der Vanillecharakter dieses Clairin-Blends! Aromatisch, sehr schön ausbalanciert und verführerisch kommt die Vanille daher und reiht sich gekonnt in das Orchester der anderen Klänge ein. Gewürze, gegorenes, helles Obst, Blumen und Zuckerrohr mit einer leicht „grünlichen“ Note. Mein Kompliment an den Blendmaster, dieser Clairin ist eine sehr gelungene und obendrein preislich attraktive Werbung für die Spirituosengattung.

Abgang: Vanille, Gewürze und vegetabile Noten, lang

Der Clairin Communal ist sicherlich vielseitig als Alternative zu einem weißen Rum einsetzbar und entsprechend viele Cocktailklassiker kann ich mir hier sehr gut als Rahmen vorstellen. Ich hatte aber die Idee, etwas Neues auszuprobieren und bin letztlich mit dem Ergebnis auch wirklich sehr zufrieden, wenn es auch eine gewisse Experimentierzeit erfordert hat. Die richtig tolle Vanille des Clairin Communal war hier natürlich mein erster Anknüpfungspunkt, auch wenn sie nur einer von mehreren Akkorden im Drink ist. Die meisten Himbeercocktails setzen eher auf eine spritzig-frische Karte, mein „Cup Haïtien“ geht da allerdings einen anderen Weg und setzt mit Ahornsirup und dem schönen Nardini Rabarbaro einen würzig-vollmundigen Akzent, der den Drink wirklich verführerisch macht. Ich kann ihn nur zur Nachahmung empfehlen.

Rezept „Cup Haïtien“:

6 cl Clairin Communal
3 cl Zitronensaft
2 cl Ahornsirup
1 cl Nardini Rabarbaro
6 Himbeeren
2 Dashes By The Dutch Ginger Bitters

Zubereitung: Die Himbeeren mit dem Barstößel im Shaker zerdrücken. Restliche Zutaten zugeben und kräftig auf Eis schütteln. Doppelt ins mit frischen Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen.

Glas: Tumbler

Garnitur: Himbeere

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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