Benguela Diamonds Gin & Corpse Reviver #2

Der internationale Spirituosenmarkt hat sich in den letzten Jahrzehnten z.T. sehr stark verändert. Natürlich haben auch in der Vergangenheit die Menschen gerne Spirituosen getrunken und entsprechend eine solide Nachfrage generiert, dennoch wandelt sich vor allem das Premium-Segment in einen immer wichtiger werdenden Marktteil. An allen Eckend und Enden sprießen Premiumspirituosen aus dem Boden und die Begeisterung der Menschen scheint ungebrochen. Nicht zuletzt ist dieser Blog ein Beispiel für die beschriebene Entwicklung. Und wenn ich an aus dem Boden sprießende Spirituosen denke, denke ich eigentlich vor allem an Gin. (zugesandtes Testprodukt)*

Das mag jetzt vielleicht nicht so wirklich begeistert rübergekommen sein und tatsächlich gehöre auch ich zu denjenigen, die über einige Tendenzen auf dem internationalen und nationalen Ginmarkt die Stirn runzeln. Dennoch schätze ich nach wie vor einen guten Gin. Und ob ich einen solchen heute hier vor mir habe, möchte ich im Folgenden gern herausfinden.

Die sehr auf schlichte Eleganz setzende Flasche wartet jedenfalls mit einem an Extravaganz und klassischer Noblesse kaum zu überbietenden Namen auf: Benguela Diamonds Gin – Spirit of the cape. Zunächst hatte ich hier erst einen kurzen Schreck bekommen und mich gefragt, ob die Absurdität des Ginmarketings inzwischen in Wodkasphären vorgedrungen ist und ich hier einen „durch Diamanten gefilterten“ Gin in den Händen halte. Doch ein wenig Hintergrundrecherche hat diesen Verdacht glücklicherweise nicht bestätigt. Vielmehr steckt hinter dem Namen ein südafrikanisches Unternehmen (welches auch eine Zweigstelle in der Schweiz betreibt), das „Diamantensafaris“ an der südafrikanischen Westküste veranstaltet (keine Sorge, hier handelt es sich nach meinem Wissensstand nicht um die berüchtigten Blutdiamanten, sondern um maritimen Diamantenabbau unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung). Ohne hier weiter ins Detail gehen zu wollen, kann offenkundig der geneigte Kunde gezielt unter professioneller Anleitung nach seinen eigenen Diamanten tauchen. Tja, immerhin kein durch Diamanten gefilterter Gin! Trotzdem, so ganz hätte mich bis hierhin die Geschichte dennoch nicht überzeugt und der Verdacht eines weiteren „Agentur-Gins“ mit ominöser Ursprungsangabe schwebte kurz in der Luft.

Als ich aber las, dass hinter dem Gin der in der deutschen Spirituosenwelt renommierte Brenner Florian Faude steckt (welcher vor allem durch seine hervorragenden Obst- und Gemüsebrände und –geiste unter dem Label „Faude Feine Brände“ zu Bekanntheit gelangte), war mein Interesse und auch die entsprechenden Erwartungen schlagartig geweckt. Neben Florian Faude ist zudem auch Pat Braun wieder mit von der Partie. Ich schreibe deshalb „wieder“, weil beide in Zusammenarbeit auch schon für den sehr zu empfehlenden „B my Gin“ verantwortlich zeichneten. Beide wurden zusammen mit Sternekoch Jan Philipp Berner mit der Konzeption eines zum regionalen Flair passenden Gins beauftragt.

Die sehr ansprechend gestaltete Flasche weist auf der Rückseite des Rückenetiketts ein bläulich-maritimes Wellenmuster auf. Zudem sind geographische Koordinaten zu erkennen, die Position Port Nolloths, des Zentrums der Förderung von Meeresdiamanten in Südafrika.

Der Benguela Diamonds Gin ist ein Small Batch Distilled Gin mit 45% vol. Gebrannt und abgefüllt wird er von Faude Feine Brände in Deutschland. Der eigentliche Bezug zu Südafrika zeigt sich dann in seiner inhaltlichen Komposition: Florian Faude und Patrick Braun unternahmen im letzten Jahr eine Reise nach Südafrika, um dort insbesondere die Westküstenregion zu bereisen und sich über eine geschmackliche Leitrichtung Gedanken zu machen. Dabei hatten sie zudem professionelle Unterstützung von einem Botaniker der Universität von Kapstadt. Schließlich destillierten die beiden bereits vor Ort erste Testbrände, bis schließlich die finale Rezeptur feststand. Neben Wacholder wird verraten, dass Zitrone, Angelikawurzel, Koriander, Afrikanischer Wermut, Angelikasamen, Kardamom, Afrikanischer Lavendel und Zuckertang ihren Weg in den Gin finden. Besonders der Zuckertang ließ mich nochmals aufhorchen, da mir z.B. der Isle of Harris-Gin ganz ausgezeichnet gefallen hat. Aber nun will ich meine Verkostungsnotizen sprechen lassen.

Tasting Notes:

Aroma: Ok, hier steckt so einiges drin! Ein sehr schön ausbalancierter Gin, der einen guten Kompromiss zwischen Wacholder und Zitrustönen findet, wobei letztere definitiv eher in Richtung einer sehr satten und würzigen Zitronenschale gehen (von Orangen keine Spur!). Ich finde eindeutig Koriander, einen Hauch Lavendel und Kardamom und durchaus maritime Anklänge, auch wenn ich – ähnlich wie beim Isle of Harris Gin – mir nicht anmaßen will, hier den „typischen“ Duft von Zuckertang zu vernehmen. Das Aroma ist sehr ansprechend, komplex und intensiv.

Geschmack: Am Gaumen trumpfen die 45% vol. mit Gewürzen und Kräutertönen auf. Der Wacholder kommt hier stärker zum Vorschein als in der Nase, verbunden mit Zitronentönen, Lavendel, Assoziationen von Kiefernnadeln und einer Idee Meersalz, sowie äußerst subtilen Mentholanklängen. Obwohl es sich nicht explizit um einen Dry Gin handelt, fällt der Benguela Diamonds Gin sehr schön trocken aus.

Abgang: trocken, würzig und im Abgang noch einmal mit maritimen Tönen

In einem Gin & Tonic kann ich mir den Benguela Diamonds Gin sehr gut mit einem Fever Tree Mediterranean Tonic vorstellen. Ich wollte aber gern einen richtigen Drink zubereiten und bin deshalb bei einem Klassiker hängen geblieben, den ich bisher hier noch nicht vorgestellt habe, der aber schon in gewisser Weise ein Gradmesser für einen Gin ist: der Corpse Reviver #2. Der Corpse Reviver #2 ist ein Drink, der – man erkennt es bereits an der Nummerierung – letztlich auf einen bzw. mehrere andere Drinks zurückgeht. Letztlich war es Harry Craddock in seinem berühmten Savoy Cocktail Book von 1930, der mehrere Corpse Reviver-Rezepturen auflistete und entsprechend nummerierte. Der Name dieser Drinks erklärt sich vor dem Hintergrund der während des 19. Jahrhunderts weit verbreiteten Annahme, ein stärkender alkoholischer Drink am Morgen sei ein probates Mittel gegen einen Kater. Inzwischen wissen wir natürlich, dass dies nicht nur unsinnig ist, sondern sogar gesundheitlich gefährlich.

Dennoch: der Corpse Reviver #2 gilt vielen (so auch mir) als der eigentlich beste Corpse Reviver und seine Rezeptur möchte ich deshalb hier auch aufführen (leicht zu merken ist sie aufgrund der gleichen Anteile obendrein). Doch warum ist dieser Drink ein Gradmesser für einen Gin? Nun, er weist die Besonderheit auf, dass er dank seiner Zutaten die Basisspirituose gleich doppelt auf die Probe stellt: Zum einen muss der Gin erkennbar gegen die anderen Ingredienzen bestehen, diese bringen jedoch selbst eher leichte, „helle“ Aromen mit ein und geben einem Gin, der bestehen kann, dennoch die Möglichkeit, dem Drink einen ganz eigenen Anstrich zu verpassen. Und was soll ich sagen? Der Benguela Diamonds Gin hat diese Prüfung mit Bravour gemeistert!

Rezept „Corpse Reviver #2“:

2,5 cl Benguela Diamonds Gin
2,5 cl Cocchi Americano
2,5 cl Cointreau
2,5 cl Zitronensaft
1 Dash Duplais Vertes Absinth

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis kräftig schütteln und ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: gedörrte Zitronenscheibe (klassisch eigentlich eine Orangenzeste)

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

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