Pure Spirits: San Cosme Mezcal & The Mezpacho

Die Geschichte der Cocktails ist in einem sehr weit gefassten Sinne natürlich viel älter als das Wort selbst. Der Brauch, (alkoholische) Getränke mit anderen Zutaten zu vermischen, ist vermutlich so alt wie die alkoholischen Getränke selbst. Gut, das deckt sich jetzt nicht so ganz mit der ursprünglichen Cocktaildefinition von Harry Croswell im The Balance and Columbian Repository von 1906 („Cock-tail is a stimulating liquor, composed of spirits of any kind, sugar, water, and bitters“), aber heute werden im Endeffekt ja dann doch Mischgetränke fast jeder Art bereits salopp als Cocktails bezeichnet. Aber wer denkt beim Wort „Cocktail“ schon an eine kalte, andalusische Gemüsesuppe? (Zugesandtes Testprodukt*)

Wen meine letzte Frage jetzt etwas überrascht und wer infolgedessen nach dem Zusammenhang sucht, dem kann ich schnell helfen: die berühmte kalt genossene Gazpacho ist nämlich eine Speise, die im Grunde genommen eine „Cocktailvergangenheit“ aufweist: Bereits zu Zeiten des römischen Imperiums haben Legionäre auf ihren langen Märschen gerne Wein getrunken. Dass der Wein der damaligen Tage nicht unbedingt zu den besten zählte (nach heutigen Maßstäben), haben bereits Experimente gezeigt, bei denen nach überlieferten römischen Rezepten Wein nachgekeltert wurde. Dass aber die Legionäre selbst für damalige Verhältnisse nicht immer den besten Wein mit sich herumtrugen, kann man sich sicher vorstellen. Also entstand der Brauch, den recht sauren Wein mit Gurken, Brot und Öl zu versetzen und der Urahn der heutigen Gazpacho war geboren.

Warum erzähle ich das alles? Nun, weil es die Gazpacho ist, die im Grunde (zusammen mit der Bloody Mary) den Drink inspiriert hat, den ich heute u.a. vorstellen möchte. Dass sich spanische Rezepturen auch in Mexiko verbreitet haben, ist natürlich angesichts der kolonialen Geschichte wenig verwunderlich. Trotzdem will ich auch ein Stück weit entwarnen: weder werde ich Brot in einen Cocktail mixen, noch muss man den Drink mit einem Löffel zu sich nehmen. Aber es ist ein Drink aus der herzhaften Kategorie, zu dem mir die Idee nach dem Genuss einer mexikanisch inspirierten Gazpachovariante kam. Auch schmeckt er nicht 1:1 wie eine klassische Gazpacho, denn neben die herzhafte Note der Tomate gesellt sich hier auch noch etwas Wassermelone und Limette. Dazu kommt etwas Salz und Pfeffer, etwas Hot Sauce und ein auch optisch Akzente setzendes Koriander-Limetten-Öl. Aber egal, ob es nun doch mehr die Bloody Mary oder eben die Gazpacho ist, die hier den größeren Einfluss ausübt, in meiner Mezpacho spielt vor allem der San Cosme Mezcal die Hauptrolle! Linguisten und Etymologen mögen mir meine Wortneuschöpfung verzeihen.

Der San Cosme ist einer der ersten Mezcals, mit denen ich persönlich hier in Deutschland in Berührung kam. Zwar habe ich zum ersten Mal einen Mezcal in den USA getrunken, allerdings weiß ich leider nicht mehr, welcher es war. Über den San Cosme hingegen stolperte ich bereits vor gut 5 Jahren in der wirklich außergewöhnlich gut sortierten Spirituosenabteilung eines Supermarktes in der Nähe meiner damaligen Wohnung. Und für längere Zeit ist er meine Standardqualität für Cocktails geworden, zu der ich auch heute noch immer sehr gerne greife. Der San Cosme Mezcal wird auf traditionelle Art und Weise zubereitet. Er wird zu 100% aus der Agave Angustifolia Haw (Espadín) hergestellt, die in Erdgrupen gebacken und anschließend in der Tahona gemahlen werden, bevor man sie einem Fermentationsprozess unterzieht (für weitere Details s. auch meinen Artikel über die Miel de Tierra Mezcals). Es handelt sich um einen nicht gelagerten Mezcal, der zweifach destilliert worden ist. Die herstellende Destille ist die Comercializadora y Envasadora de Mezcales im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Auch hier betont der Hersteller die Herstellung im Small Batch-Verfahren. Verglichen mit anderen mexikanischen Mezcalproduzenten dürften die Batches jedoch trotzdem von immenser Größe sein.

Der Name San Cosme geht übrigens auf einen Schutzheiligen der Ärzte, Kosmas, zurück, der zusammen mit seinem Zwillingsbruder Damian in den frühchristlichen Legenden Kranke unentgeltlich geheilt haben soll. Ganz unentgeltlich kommt der San Cosme zwar nicht daher, aber mit einem Preis zwischen 25 und 30 Euro ist er eine echte Preisleistungsempfehlung. Krankheiten sollte man mit ihm dennoch nicht heilen, höchstens auf eine erfolgreiche Heilung anstoßen. Abgefüllt wird der San Cosme Mezcal mit 40% vol.

Tasting Notes San Cosme Mezcal:

Aroma: Ein schöner und für einen Oaxaca Mezcal typischer Rauch zeigt sich in der Nase, dazu die typisch erdigen Agavennoten, ein wenig mineralisches Salz und ein Hauch Zitrusschalen mit einer Idee Moos.

Geschmack: Vollmundig, rauchig und aromatisch mit Anklängen von Zimt, dem typischen Agavencharakter. Dabei ölig und vollmundig.

Abgang: lang, feiner Rauch mit Moos und Salz

Rezept „Mezpacho“:

5 cl San Cosme Mezcal
12 cl Tomatensaft (am besten frisch aus dem Entsafter)
6 Würfel Wassermelone (ca. 1,5 x 1,5 cm groß)
3 cl Limettensaft
1 Barlöffel Agavensirup
eine Prise Salz
eine Prise Pfeffer
½ bis 1 Barlöffel Hot-Sauce (z.B. La Costeña Salsa Picante)
Koriander-Limetten-Öl (s.u.)

Koriander-Limetten-Öl: Einfach Zesten einer halben Limette mit einer Handvoll frischer Korianderblätter und etwas nativem Olivenöl (ca. 6 cl) in einem Mörser zermahlen, bis man eine deutlich grün eingefärbte Ölemulsion erhält.

Zubereitung: Im Gegensatz zur klassischen Bloody Mary wird die Mezpacho nicht im Shaker „gerollt“, sondern klassisch geschüttelt. Zuvor jedoch die Melonenstückchen in den Shaker geben und mit dem Muddler zerdrücken. Dann restliche Zutaten bis auf das Koriander-Limetten-Öl zugeben und kräftig auf Eis schütteln. Anschließend doppelt in die vorgekühlte und mit einer Eissphäre versehene Tasse abseihen und mit einigen Tropfen Koriander-Limetten-Öl beträufeln.

Glas: Cappuccino-Tasse

Garnitur: Koriander-Limetten-Öl

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online. Einige der Zutaten lassen sich natürlich auch in regulären Supermärkten finden.

*(Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.)

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