Bloody Mary

Bloody Mary Our Way

Heute geht es um nicht weniger als einen der wohl berühmtesten Cocktails überhaupt. Jeder kennt ihn, fast jeder hat ihn schon einmal irgendwo gesehen oder probiert, doch bei weitem nicht jeder würde ihn jemals irgendwo bestellen. Die Rede ist von der fast schon legendären Bloody Mary.

Den meisten Menschen fallen zur Bloody Mary vermutlich zwei Dinge ein: „Tomatensaft“ und „Katercocktail“. Erst danach werden etwas mehr in der Materie Bewandte weitere Fragen stellen: Mit Gin oder mit Wodka, Pfeffer oder Tabasco, morgens oder abends? Die Bloody Mary ist ein hochkomplexes Thema, obwohl sie doch eigentlich so einfach ist. Doch der Reihe nach: Wer per se nichts mit Tomatensaft anfangen kann, hat es bei diesem Cocktail natürlich wirklich schwer. Vielleicht hilft es aber, wenn man den Tomatensaft selber herstellt. Ich mache das z.B. eigentlich immer, wenn ich eine Bloody Mary mixe, da ich in einem Entsafter hergestellten Tomatensaft aus vollreifen Tomaten letztlich wesentlich aromatischer finde.
Die zweite Spontanassoziation des „Katercocktails“ verdient auch noch ein oder zwei Bemerkungen, denn oft ordnet man die Bloody Mary versehentlich pauschal in diese Schublade ein, womit man dem Drink letztlich meiner Meinung nach Unrecht tut. Gut, sicherlich ist das ihr klassischer Kontext und den Ruf als Kater- oder „Hangover“-Drink wird ihr auch so schnell niemand entreißen (schon gar nicht ich mit diesem Artikel), aber meiner Meinung nach ist diese ganze Kategorie bestenfalls mit Vorsicht, am besten gar nicht zu genießen. Alkohol am nächsten Morgen mit Alkohol zu „kontern“ ist wirklich keine gute Idee und auch alles andere als gesund. Bei vielen Leuten geht das Ganze zudem ordentlich nach hinten los und macht alles noch viel schlimmer. Gute Gründe, die Blood Mary eben nicht morgens zu trinken. Überhaupt: ein so schöner Cocktail verdient ein wenig mehr Würdigung. Dazu sollte man sie im Vollbesitz seiner Sinne und in einem entspannten Ambiente genießen und das ist dann doch besser die abendliche Bar, die Couch im eigenen Wohnzimmer oder eine angenehme Runde mit Freunden.

Tomatensaft aus dem Entsafter ist einem fertig gekauften meist überlegen. Wenn er aus reifen, aromatischen Tomaten hergestellt wird!

Tomatensaft aus dem Entsafter ist einem fertig gekauften meist überlegen. Wenn er aus reifen, aromatischen Tomaten hergestellt wird!

Auf die Geschichte und die zahlreichen Legenden um die Bloody Mary möchte ich hier nicht groß eingehen, da schon sehr viele Worte über diese Dinge geschrieben worden sind. Nur so viel: Sie stammt ursprünglich aus den Händen des französischen Barkeepers Fernand Petoit und wurde 1921 erstmals in Paris gemixt. Später verfeinerte Petoit seine Rezeptur in New York, wo der Drink zwischenzeitlich auch als „Red Snapper“ zu Popularität gelangte. Dabei wurde die Bloody Mary in Paris noch mit Wodka, in New York dann mit Gin, später dann wieder mit Wodka und heute wieder vermehrt mit Gin zubereitet. Ich schließe mich da dem Zeitgeist an und setze voll auf Gin, da er einfach deutlich schönere Aromen in den Drink mit einfließen lässt im Vergleich zum geschmacksneutralen Wodka. Angeblich geht der Name des Cocktails übrigens nicht auf Maria I. Tudor zurück, sondern auf eine Kellnerin, die es offenbar einem von Petoits Gästen angetan hatte.

Für die Bloody Mary gibt es natürlich unzählige Rezepturen, von denen die klassische i.d.R. aus Gin oder Wodka, Tomatensaft meist  Zitronensaft, Pfeffer, Salz, Worcestershiresauce und/oder Tabasco besteht.

Meine eigenen Bloody Marys mache ich dabei jedoch oft davon abweichend und lasse mich von bestimmten „Flairs“ inspirieren. Eine sehr schöne Bloody Mary habe ich einmal in Tokyo getrunken, wo sie mit etwas Wasabi und ein wenig Sherryessig zubereitet worden ist. Als Beilage dazu wurden nur ganz eben angebratene Steakstreifen vom Rind und etwas Ponzusauce gereicht. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen und so habe ich versucht, das Ganze nachzumachen!

Mit Abstand am häufigsten greife ich jedoch zu einer eher rauchig und im amerikanischen BBQ-Stil gehaltenen Variante. Hier wird Chipotle Tabasco (oder eine andere Chipotle-Hotsauce) verwendet, deren rauchig scharfe Aromatik dem Cocktail einfach hervorragend zu Gesicht steht. Verfeinert mit würzigem Limettensaft, Lee & Perrins Worcestershiresauce (nicht zu ersetzen durch Nachahmerprodukte unter dem Namen „Worcestersauce“) und garniert mit Beef Jerky ist dieses Rezept ein echter Genuss und ich kann es jedem Freund herzhaft-kräftiger Aromen nur ans Herz legen.

Beef Jerky als Garnitur

Beef Jerky als Garnitur

Klassische Bloody Mary:

5 cl Wodka
1 cl Zitronensaft
2-3 Dashes Worcestershiresauce
1 Prise Pfeffer
1 Prise Salz
1 Dash Tabasco
ca. 15 cl Tomatensaft (am besten selbst hergestellten)

Zubereitung: Alle Zutaten im mit Eis gefüllten Boston Shaker kalt “rollen”. D.h. die Flüssigkeit samt Eis von einem Behälter in den anderen gießen. Ca. sieben- bis achtmal hin und hergießen, bzw. „rollen“, dann ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Highball

Garnitur: Selleriestange, Oliven oder Pickles

BBQ Bloody Mary

5 cl Gin
1 cl Limettensaft
3 Dashes Worcestershiresauce
1 Prise frisch gemahlener, schwarzer Pfeffer
1 Prise Salz
2 Dashes Chipotle Hotsauce (z.B. Tabasco)
1 Prise Garam Masala-Gewürzmischung
1 gestrichener Teelöffel BBQ-Sauce
ca. 15 cl Tomatensaft (am besten selbst hergestellten)

Zubereitung: Alle Zutaten im mit Eis gefüllten Boston Shaker kalt “rollen”. D.h. die Flüssigkeit samt Eis von einem Behälter in den anderen gießen. Ca. sieben- bis achtmal hin und hergießen, bzw. „rollen“, dann ins vorgekühlte, mit frischen Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen.

Glas: Highball

Garnitur: Beef Jerky und ein Glasrand aus geräuchertem Salz (dafür den Glasrand mit eiiner Limettenscheibe befeuchten und das Glas vorm Befüllen kopfüber in geräuchertem Salz drehen.)

BBQ Bloody Mary

BBQ Bloody Mary

Bloody Mary „Tokyo Style“

5 cl Shōchū
1 cl Limettensaft
3 Dashes Sherryessig
1 Messerspitze Wasabi
1 Prise Salz
1 Prise Pfeffer
1 Prise Shichimi tōgarashi
ca. 15 cl Tomatensaft (am besten selbst hergestellten)

Zubereitung: Alle Zutaten im mit Eis gefüllten Boston Shaker kalt “rollen”. D.h. die Flüssigkeit samt Eis von einem Behälter in den anderen gießen. Ca. sieben- bis achtmal hin und hergießen, bzw. „rollen“, dann ins vorgekühlte, mit einer Eissphäre gefüllte Coupetteglas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: Eissphäre, kurz angebratene Steakstreifen und Ponzusauce (Rezeptbeispiel hier)

Bloody Mary Japanese

Bloody Mary „Tokyo Style“

Bezugsquellen: Viele Zutaten dürften sich in Supermärkten finden, für Shōchū kann ein Besuch im Fachhandel notwendig werden. Garam Masala, Shichimi tōgarashi und Wasabi können einen Besuch im Asiamarkt notwendig machen.

2 thoughts on “Bloody Mary

  1. In dem anspruchslosen, dafür aber urkomischen und mit sanfter Ironie auf Kosten des Rock`n-Roll-Fiebers im Jahre 1956 gedrehten Films „The Girl can`t help it“ serviert die Gangsterbraut Gerry Jordan ( Jayne Mansfield) dem trinkfesten Presseagenten Tom Miller ( Tom Ewell) einen Bloody Mary und sagt zu ihm: „Ich glaube, Sie brauchen das hier… den Drink habe ich immer meinem Vater gemacht. Er trank, um meine Mutter zu vergessen…“.

    • Und wie mir scheint, wurde der Drink auch in diesem Film als klassischer Katercocktail serviert. Aber gut, anscheinend war die Pressebranche in den 50er-Jahren besonders herausfordernd. 😉

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