Pure Spirits: Derrumbes Michoacan Mezcal

Auf die heutige Flasche habe ich mich schon eine ganze Weile gefreut und war sehr gespannt auf die entsprechende Verkostung und was mich hier wohl erwarten würde. Es handelt sich einmal mehr um einen Mezcal, der allerdings die eine oder andere Besonderheit mit sich bringt und definitiv eine Menge Klasse verspricht. Und das übrigens nicht zuletzt auch durch ein wirklich auffälliges und mir sehr zusagendes Design. (zugesandtes Testprodukt)

Aber bevor ich mich jetzt hier zu sehr als Marketingopfer darstelle, beginne ich natürlich erst einmal mit ein paar anderen und ungleich wichtigeren Details. Ein guter Anfang wäre z.B. einmal der Name des Produktes, um das es hier heute geht: Der Mezcal hört auf den klangvollen Namen „Derrumbes Michoacan Mezcal“. Wer jetzt besonders aufmerksam meinen Blog verfolgt, dem wird der Name vielleicht sogar schon ein wenig bekannt vorkommen. Der Grund dafür ist, dass ich diese Flasche bereits im Kontext meines Artikels über Lakrids und Spirituosen präsentiert habe, wo ich ihn als passende Spirituose zu salzigem Lakritz mit Chili und Cranberrys vorgeschlagen habe. Doch die eigentlichen Hintergründe stehen noch aus und hier möchte ich heute etwas nachbesser.

Was zunächst einmal sehr besonders ist, ist die Herkunftsangabe „Michoacan“. Diese kann man nämlich noch nicht wirklich lange auf Mezcalflaschen entdecken, da der Bundesstaat im westlichen Zentralmexiko erst seit 2012 offiziell Mezcal abfüllen und verkaufen darf. Wie ich bereits in meinem Artikel über die Miel de Tierra Mezcals beschrieben habe, besitzen nur bestimmte Bundesstaaten die staatlichen Lizenzen zur Mezcalproduktion. Und obwohl es seit dem beginnenden Mezcalboom immer mehr Anwärter auf diese Lizenzen gibt, dauert es wohl eine ganze Weile, bis die bürokratischen und politischen Hürden für eine solche Lizenzgewährung genommen sind. Der Bundesstaat Michoacan hat es jedenfalls jüngst geschafft. Man darf nun natürlich nicht annehmen, Michoacan produziere erst seit 2012 Mezcal. Auch in Michoacan blickt man auf eine tief verwurzelte und traditionsreiche Herstellung von Mezcal zurück, die stark mit den zahlreichen Dörfern verknüpft ist, aber dieser durfte eben vor 2012 nicht offiziell als Mezcal bezeichnet werden. Eine Besonderheit Michoacan ist die hohe Verbreitung von hölzernen Brennblasen, die meist nach einem Jahr runderneuert werden. Weitere Informationen und Bilder solcher Brennblasen kann man in diesem sehr detaillierten und empfehlenswerten Artikel nachlesen, der allerdings nur auf Englisch verfügbar ist.

Derrumbes Mezcal wird nun von dem in der dritten Generation als Destillateur tätigen Javier Mateo hergestellt, wobei dieser dabei nicht auf einen Bundesstaat beschränkt bleibt. Vielmehr produziert er in der Derrumbes-Reihe auch einen Oaxaca Mezcal und einen San Luis Potosi Mezcal. Ziel einer solch breitgefächerten Produktpalette ist die klarere Herausstellung der Einflüsse unterschiedlicher Agavenarten respektive des Terroirs. Für den Derrumbes Michoacan Mezcal wurden die Agavensorten „Cupreata“ und „Cenizo“ verwendet, die einerseits für eher fruchtige, andererseits für eher kräutrige Töne bekannt sind. Nach dem Kochen in unterirdischen Steinöfen lässt man die Maische in Pinienholztanks gären. Gebrannt wird sowohl auf Holz- als auch auf Kupferbrennblasen. Und was dann folgt, hat mein persönliches Knowhow und auch meine Recherchekompetenz ein wenig an ihre Grenzen gebracht: Laut Hersteller destilliert man hier anschließend nach philippinischer Tradition, ergänzt also nicht den Verlust der Verdunstung. Hier musste ich wirklich passen, von der spezifischen philippinischen Destillationstradition hatte ich zuvor noch nicht gehört. Zwar ist mir bewusst, dass es auf den Philippinen eine ausgeprägte Trinkkultur gibt, die im Westen nicht unbedingt sehr bekannt ist, diese bezieht sich aber vor allem auf Rum. Ob und inwiefern hier dieses genannte Destillationsverfahren aus der Rumherstellung stammt, vermochte ich jedoch nicht herauszufinden (und wieso Javier Mateo damit vertraut ist). Wenn hier jemand mehr weiß, würde ich mich über eine Aufklärung in der Kommentarsektion freuen. Nach der Destillation ruht der Mezcal noch 60 Tage in Glastanks.

(Edit: Ein Leser wies mich völlig zurecht darauf hin, dass sich die Informationen auf Umschlagpapier und Flasche bezüglich des ausführenden Master-Distillers und der verwendeten Agavensorten widersprechen. Auf der Flasche ist von den Agaven Chino & Alto die Rede. Bisher konnte ich diesen Widerspruch noch nicht aufklären, werde dies aber nach Möglichkeit hier nachreichen.)

Nun aber zum Wesentlichen: der Verkostung! Achja, der Derrumbes Michoacan Mezcal wird mit aromatisch sehr vielversprechenden 49% vol. in eine wirklich hübsche und zunächst in Papier eingeschlagene Flasche abgefüllt. Auf dem Papier sind zudem weitere Details zur Abfüllung zu finden (u.a. der ausführende Brennmeister, die Ursprungsregion innerhalb Michoacans und die z.T. genannten Herstellungsdetails).

Tasting Notes:

Aroma: Intensiver, phenoliger, kalter Rauch. Dazu kalte Asche, einer der intensiv rauchigsten Mezcals, die ich bisher im Glas hatte. Muss einen Vergleich zu rauchigen Islay-Whiskys wie z.B. Laphroaig nicht scheuen. Mit der Zeit kommen erdige und würzige Töne hindurch. Weißer Pfeffer verrät die typische Agavencharakteristik. Wenn sich die Nase an den Rauch gewöhnt, kommt auch ein wenig Frucht zum Vorschein: weißer Pfirsich, ein Hauch Zitrus und zum Ende hin eine Spur Zimt.

Geschmack: Am Gaumen zunächst überraschend frisch, fast spritzig, dann folgt aber sofort wuchtiger Rauch und kleidet den ganzen Mundraum aus. Es zeigt sich erdige Agave, dann wieder der weiße Pfeffer, der sich gekonnt mit Zimt und Noten von verbranntem Holz vermischt. Ein fulminanter Geschmacksauftritt, der sich gewaschen hat! Ein fantastischer Mezcal!

Abgang: wieder Rauch, ein wenig Zitrusfrische, ansonsten trocken und sehr lang

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

One thought on “Pure Spirits: Derrumbes Michoacan Mezcal

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