Daisy de Santiago

Daisy de Santiago

Die Geschichte der Cocktails wäre natürlich nichts ohne die Geschichte der Bartender, die hinter den unzähligen Kreationen stehen und die mit ihren Rezepten manches Mal mehr, manches Mal weniger berühmt wurden. Fast ebenso wichtig sind aber natürlich auch die zahllosen Anekdoten über berühmte Genießer, die manchen Cocktail untrennbar mit dem Namen bestimmter Prominenter verbunden haben. Der vielleicht bekannteste unter diesen Connaisseuren ist Ernest Hemingway. Der heutige Drink verbindet gewissermaßen beide Elemente, denn erfunden wurde er von einem Bartender, der es ebenfalls zu einem gewissen Ruhm brachte und obendrein noch gern mit Hemingway zusammen um die Häuser zog.

Die Rede ist vom amerikanischen Bartender, Koch und Weltenbummler Charles H. Baker jr., dessen Wirkungsstätte vor allem in Florida lag, wo er auch mit Hemingway ab und an ihrer gemeinsamen flüssigen Passion frönte. Baker war sehr bekannt für seine ausgedehnten Reisen (er heuerte unter anderem als Publizist für Kreuzfahrtlinien an, um stets mehr von der Welt sehen zu können), von denen er viele Inspirationen für seine kulinarischen Kreationen mitbrachte. Nun weiß ich nicht, in welchem genauen Zusammenhang ihm die Idee zum heutigen Cocktail gekommen ist, der Name ist aber natürlich eine Anspielung auf eine Stadt auf der nur unweit Floridas gelegenen Insel Kuba und ihre goldene Cocktailära (welche obendrein auch die Todesstadt eines berühmten Rumunternehmers ist, s.u.). Der Daisy de Santiago wurde von Baker in seinem Buch „The Gentleman’s Companion“ aus dem Jahre 1946 veröffentlicht und ist im Grunde eine Abwandlung des Daiquiri. Daisys sind im Grunde mit Sodawasser getoppte Sours und als solche auch oft mit etwas Likör erweitert. Der Gin Daisy ist da das vielleicht klassischste Beispiel.

Nun gehören Hemingways Daiquirivorlieben sicherlich zu den alllgemein verbreiteten Anekdoten, die Bartender über diesen Cocktail zu erzählen wissen. Dass er vielleicht aber ab und an auch mal mit Charles H. Baker jr. einen Daisy de Santiago getrunken haben dürfte, ist sicherlich nicht ganz so verbreitet. Gut, es ist auch nicht wirklich gesichert, aber ich würde mich doch sehr wundern, wenn Mr. Hemingway einen derart köstlichen Cocktail verachtet hätte.

Daisy de Santiago

Im Grunde handelt es sich um einen Daiquiri, dem etwas Sodawasser und der französische Kräuterlikör Chartreuse zugegeben wurde. Hier empfiehlt sich definitiv die gelbe Chartreusevariante, da die grüne den Drink doch zu sehr übertönen würde. Wie gut Chartreuse im Zusammenspiel mit Limette funktionieren kann, sieht man nicht nur im Gin Daisy, sondern z.B. auch im klassischen Last Word. Baker selbst verstand den Cocktail übrigens als eine Hommage an den Gründer des Bacardikonzerns, Facundo Bacardí, und schrieb ihm gewissermaßen sogar die Urheberschaft zu (was allerdings umstritten ist). Hierzu ist folgender Ausspruch überliefert:

“A lovely thing introduced to us through the Gracious Offices of the late Facuno (sic!) Bacardi, of lamented memory. To our mind, along with the immortal Daiquiri this is the best Bacardi drink on record.” (Charles H. Baker jr.)

Daisy de Santiago

Rezept:

6 cl weißer Rum (z.B. Bacardi)
3 cl Limettensaft
1,5 cl Chartreuse Jaune
1 cl Zuckersirup
Sodawasser

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf Sodawasser und Chartreuse auf gestoßenem Eis im vorgekühlten Glas rühren, mit zusätzlichem gestoßenem Eis auffüllen, etwas Sodawasser zugeben und mit Chartreuse floaten.

Glas: Weißweinglas

Garnitur: Minze und Früchte der Saison

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online.

2 thoughts on “Daisy de Santiago

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