Pure Spirits: Die Gins aus der Eden Mill

Eden Mill Gin

Schottland und die Spirituosen, diese Beziehung lässt vor allem an Whisky in seinen mannigfaltigen Spielarten denken. An die vielen schmucken Destillen, die die malerische Landschaft des Landes säumen, an Gerstenfelder und klare Flüsse. Doch der Kenner weiß, dass Schottland jenseits des „Lebenswässerchens“ zunehmend auch anderes zu bieten hat. Allen voran die Trendspirituose unserer Tage, den Gin. (Zugesandte Testprodukte*)

Ob nun renommierte Abfüllungen wie der Botanist der Bruichladdich-Destillerie oder weniger bekannte wie den Caorunn, in Schottlands Brennereien zeigt man sich aktuell durchaus experimentierfreudig. Und hier ist es vor allem die Eden Mill-Destille, die abermals mit ihrem breiten Portfolio heraussticht. Wie ich bereits im Zusammenhang mit dem Eden Mill Love Gin beschrieben habe, handelt es sich hierbei um Brauerei und Destille in einem. Das verschafft natürlich ein paar interessante Vorteile, die Platz für sehr vielversprechende Synergieeffekte bieten. Aber auch die umgebende Landschaft um das Küstenstädtchen St. Andrews hält einiges an Innovationen bereit, um die Gins aus der Eden Mill mit neuen Ideen zu erweitern. Während ich mit dem Love Gin bereits einen u.a. auf Rhabarber, Rosenblättern und Gojibeeren basierenden Gin vorgestellt habe, der sicherlich nicht unter die Standardkategorie fällt, möchte ich heute auch auf die anderen Abfüllungen einen näheren Blick werfen.

Zu diesen zählen neben dem Eden Mill Original Gin auch der Oak Gin, der Hop Gin und jüngst auch der für mich besonders interessante Golf Gin 2016.

Ein wenig über die entsprechende Programmatik verrät sicherlich auch der Name der entsprechenden Flaschen, doch möchte ich hier sukzessive einmal vorstellen, was es im Besonderen über die einzelnen Gins zu sagen gibt. Und natürlich bin ich sehr gespannt auf die entsprechende Verkostung.

Eden Mill Original Gin

Eden Mill Gin

Den Anfang macht – wie könnte es anders sein – zunächst einmal die Standardabfüllung aus dem Hause Eden Mill. Wie im Ginsegment inzwischen üblich, wird hier neben dem Wacholder ein besonders außergewöhnliches Botanical in den Vordergrund gestellt. In diesem Fall ist es Sanddorn bzw. Sanddornbeeren aus der Grafschaft Fife, in der auch das Städtchen St. Andrews mit der Eden Mill-Destille liegt. Persönlich mag ich den Geruch und den Geschmack von Sanddorn außerordentlich gern, egal ob in Parfüms oder Desserts, insofern ist der Eden Mill Original Gin hier ein tatsächlich höchst vielversprechender Gin. Gemeinhin sind Sanddornbeeren zwar für ihren hohen Vitamin C-Gehalt bekannt, der spielt im Gin aber natürlich keine große Rolle. Nebst Sanddorn sind zudem Zitronenschalen, Zitronenmelisse und der häufig in Gins verwendete Engelwurz unter den von der Destille offiziell bekannt gegebenen Botanicals. Der Eden Mill Original Gin wird mit 42% vol. abgefüllt und kostet ca. 30 € (0,7l).

Eden Mill Gin

Verkostung:

Aroma: Die Wacholdertöne fallen weniger vordergründig und stark aus als ich es erwartet habe. Im Vergleich zum Love Gin allerdings etwas kräftiger, vor allem aber reichhaltige Zitrustöne, die Zitronenmelisse kann ich nicht daraus isolieren, wohl aber etwas subtile Lakritze.

Geschmack: Wacholder, tatsächlich grüne Pfefferkörner und etwas Lychee. Auch hier Zitrustöne, jedoch weniger intensiv als die Nase erwarten ließ. Der Sanddorn ist samtig zu erahnen, bleibt aber für meinen Geschmack leider ein wenig zu passiv, hier hätte ich mir etwas mehr gewünscht.

Abgang: mittellang und frisch mit Orange

Eden Mill Hop Gin

Eden Mill Gin

Sprach ich eingangs noch von vielversprechenden Synergieeffekten bei der Eden Mill Destille, so war das nicht bloß eine leere Worthülse. Das breitgefächerte Angebot schlägt sich nämlich im Eden Mill Hop Gin besonders nieder, da hier – der Name lässt es erahnen – auf die Verwendung von Hopfen zurückgegriffen wird. Und natürlich denkt man richtig, wenn man hier zunächst an Bier denkt. Die Eden Mill ist schließlich auch eine Brauerei und natürlich braut man dort auch gerne sehr hopfenintensive Biere, allen voran das Shipwreck I.P.A. Der verwendete Hopfen ist der Australian Galaxy-Hopfen, ein sehr intensiver und frisch-herber Hopfen, der vor allem für seine Aromen von Passionsfrucht und Zitrusfrüchten bekannt ist. Insofern war ich hier sehr gespannt auf die Rolle, die diese Zutat in einem Gin spielen würde. Neben Hopfen und dem klassischen Wacholder verrät die Destille hier noch die Beigabe von Koriander und Engelwurz. Der Hop Gin wird etwas stärker als der Original Gin abgefüllt und landet mit 46% vol. in der Flasche. Er fällt etwas teurer als der Original Gin aus, da man für eine kleinere 0,5l-Flasche ca. 28 Euro berappen muss.

Eden Mill Gin

Verkostung:

Aroma: der blassgrünliche Gin zeigt sich sehr interessant, zu den vom Original Gin bekannten Zitrustönen gesellt sich eine herbe, fast grasige Note vom Hopfen. Mit etwas Fantasie lässt sich Koriander herausriechen.

Geschmack: zum Wacholder gesellen sich auch hier frische Zitrustöne, die aber deutlich herber ausfallen und eher an die Schale von Zitrusfrüchten erinnern: Limetten, Zitronen und vielleicht etwas Kumquat (ich weiß, streng genommen ist das keine Zitrusfrucht). Der Hopfen macht sich eindeutig bemerkbar und zeigt auch hier seinen grasigen Charakter. Dieser Gin schmeckt mir außerordentlich gut und es ist wirklich mal etwas anderes!

Abgang: länger, herb und frisch

Eden Mill Oak Gin

Eden Mill Gin

Und wieder Synergieeffekte im Hause Eden Mill: Der Eden Mill Oak Gin verrät ebenfalls dem Namen nach eine aromatische Liaison mit dem weit verbreiteten Holz. Obwohl die Eden Mill-Destille auch Whisky produziert, ist hier allerdings von Bierfässern die Rede, die aus dem Holz der Eiche hergestellt worden sind. Und in diesen Fässern durfte der Oak Gin für einige Monate nachreifen, was ihm natürlich geschmacklich auf eine ganz andere Stufe verhilft. Fassgereifte Gins sind dabei natürlich nichts grundsätzlich Neues, z.B. hat der Citadelle Reserve Gin mir schon vor längerer Zeit durchaus gemundet. Auch finden sich Informationen über verwendete Botanicals, die Lakritz, Engelswurz und Koriander einschließen. Preislich liegt der Oak Gin in einem ähnlichen Bereich wie der Hop Gin, er wird jedoch lediglich mit 42% vol. abgefüllt, ähnelt hier also dem Original Gin der Reihe.

Eden Mill Gin

Verkostung:

Aroma: Auch hier bestätigt sich die Erwartung: beim leicht ockerfarbenen Oak Gin beherrschen spürbare Holztöne die Nase, ohne dabei aber zu dominant zu werden. Hier riecht man auch in der Tat den grünen Pfeffer, der sich beim Original Gin erst im Geschmack zeigte. Dahinter etwas Weihnachtsgewürze. Alles in allem natürlich trotzdem als Gin zu erkennen, der charakteristisch frisch ausfällt.

Geschmack: Laut Hersteller soll der Oak Gin ein wenig an Whisky erinnern, was ich jedoch definitiv nicht bestätigen kann. Auch fühle ich mich nicht entfernt daran erinnert. Es ist eindeutig ein wacholdriger Gin – sogar wacholdriger (welch ein Komparativ!) als der Original Gin. Dazu subtile Eichentöne und wieder die Weihnachtsgewürze vor Zitrusfrüchten. Der Oak Gin gefällt mir gut, bietet sich aber sicher weniger für typisch frische Gincocktails an. Z.B. in einem Negroni kann ich ihn mir jedoch sehr gut vorstellen.

Abgang: mittellang und pfeffrig

Eden Mill Golf Gin 2016

Eden Mill Gin

Auch dieser Gin ist durch und durch Schottland. Warum, erschließt sich vielleicht nicht unbedingt jedem auf den ersten Blick, da Anlass für diesen Gin gewissermaßen eine Hommage an einen großen schottischen Volkssport ist. Richtig gelesen, Golf gilt in Schottland als Breitensport und wird im ganzen Land mit großer Passion betrieben. Das ist außerhalb Schottlands nicht gerade die Hauptassoziation mit dem Land im Norden der britischen Inseln, aber wer selbst golfaffin ist, den wird das natürlich wenig verwundern.

Beim Eden Mill Golf Gin 2016 setzt die Eden Mill Destille nun ganz auf das Flair der in regionaler Nähe zur Destille an der Ostküste gelegenen Golfplätze. Dabei ist der Golf Gin gewissermaßen das jüngste Pferd im Stall und geht erstmalig in diesem Jahr an den Start. Für mich vielleicht schon der interessanteste aller Eden Mill Gins, da die Komposition der Botanicals einige von mir sehr stark favorisierte Geschmäcker aufweist. Da wären u.a. Sternanis, Blaubeeren, roter Wiesenklee, Rhabarberwurzel, Heidekraut und Engelwurz. Und Wacholder natürlich.

Verkostung:

Aroma: Sehr floral und auffällig leicht, deutlicher Wacholder und feine Frucht von Rhabarber und Blaubeere. Zudem etwas Anis.

Geschmack: auch hier mild und fruchtig mit Koriander, Blaubeere und einer erdig-weichen Note. Schön balancierter Wacholder mündet in den Abgang.

Abgang: sanft, mittellang und voll floraler Frische. Der Golf Gin gefällt mir ebenfalls ausgesprochen gut!

Eden Mill Gin

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online. Wenn Sie selbst Fachhändler sind, so kann ich für Eden Mill Gins auch folgende Bezugsquelle empfehlen.

*(Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.)

2 thoughts on “Pure Spirits: Die Gins aus der Eden Mill

  1. Ärgere mich immer noch, dass ich letztes Jahr zwar vor deren Tür stand, aber grad keine Führung möglich war 🙁

    Im Einleitungsabsatz soll es wohl Brauerei statt Brennerei heißen 😉

    Interessant, dass es der Gin nun tatsächlich in die einschlägigen dt. Online-Shops geschafft hat – das sah letztes Jahr noch deutlich düsterer aus (Bestellung aus UK mit horrenden Versandkosten *sniff*)

    • Hi Andy,

      Du hast natürlich recht, sowas geht einem leider trotz Kontrolllesens manchmal noch durch. Habe es enstprechend geändert. 😉

      Deinen Ärger kann ich natürlich auch gut verstehen, so eine Gelegenheit hat man ja nicht alle Tage. Ich war selbst auch noch nicht dort, habe das aber definitiv langfristig auf der Agenda. Ich vermute, dass die strategische Umorientierung, den Gin nun doch auch in Deutschland zu vermarkten, schlicht mit der doch recht ordentlichen Nachfrage nach Gin zusammenhängt. Was ja bei jeder Gelegenheit als „Blase“ beschrieben wird, hält sich ja doch entsprechend gut bislang.

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