Aus dem Braukessel: Íslenskur Urvals Stout

Islenskur Urvals Stout

Island ist momentan in aller Munde. Fußballerisch ist das wenig verwunderlich, das heißt, eigentlich ist es ein sehr großes Wunder, was die isländische Nationalmannschaft bisher bei der Europameisterschaft vollbracht hat. Es verwundert jedenfalls nicht, dass dem kleinen Underdog momentan von überall die Sympathien zufliegen. Verdientermaßen, wie ich finde.

Die Isländer sind ein sehr kleines und sehr nettes, zum Teil auch skurriles Völkchen auf einer entlegenen Insel im Nordatlantik. Sieht man einmal von einige eher schrägen Gesellen im Reykjaviker Nachtleben ab, habe ich dort im vergangenen Jahr eigentlich ausschließlich sehr freundliche Menschen kennengelernt. Umso mehr freut es mich für dieses Volk, dass sie gerade einen großen Auftritt auf der Bühne der Weltöffentlichkeit hinlegen. Daher ist es meiner Ansicht nach Zeit, ein weiteres, von mir sehr geschätztes Bier vorzustellen, welches ich aus Island mitgebracht habe. Es trägt den klangvollen Namen Íslenskur Urvlas Stout und kommt aus der Viking Brauerei (Viking Ölgerd) in Akureyri.

Akureyri liegt im Norden der Insel und bietet gewissermaßen eine schöne Anekdote zum aktuellen Fußballgeschehen. Denn während auf dem Kontinent nach dem Sieg einer Mannschaft meist die Innenstädte durch hupende Autocorsos verstopft sind, passiert das in Akureyri an jedem Wochenende. Richtig gelesen: Die Jugendlichen von Akureyri haben im Laufe der Jahre den Brauch kultiviert, an den Wochenendabenden hupend und gröhlend im Autocorso um die (sehr beschauliche) Innenstadt zu fahren. Ein sehr skurriles, aber lustiges Phänomen. Sicherlich wird dabei auch das ein oder andere Íslenskur Urvals Stout konsumiert (außer von den Fahrern, hoffe ich). Wie ich bereits im Zusammenhang mit dem Vatnajökull – Frozen in Time erwähnt hatte, ist die isländische Biertradition alles andere als lang, da erst seit 1989 wieder Bier dort verkauft werden darf. Umso erfreulicher fällt das Íslenskur Urvals Stout aus. Obwohl es mit seinen 5,8% vol. eigentlich doch recht stattlich daherkommt, geriert es sich eher wie ein leichtes Stout. Eigentlich mehr wie ein Porter, auch wenn diese Unterscheidung nicht gänzlich wasserdicht ist (sie macht aber hier sehr wohl Sinn, da Porter i.d.R. leichter sind als Stouts bzw. „stouted Porter“).

Verkostung:

Das dunkle, fast schwarze Íslenskur Urvals Stout bildet im Glas eine hübsche, braune Schaumkrone und verführt in der Nase mit leichten Stoutnoten von Kaffee, Röstmalz und etwas Schokolade. Auch geschmacklich ist es durchaus vor diesem Hintergrund als Stout zu identifizieren, aber mit einer überraschend frischen, fast schon leichten Note, die es sehr gut trinkbar machen und ihm die Schwere nehmen, die vielen Genrevertretern zu eigen ist. Ein Stout das – obwohl aus dem nun wirklich hohen Norden – gerade eine gelungene Wahl im Sommer sein kann. Vor allem, wenn er so regnerisch ausfällt wie derzeit.

Bezugsquellen: Außerhalb eines Bierfachgeschäfts vermutlich kaum erhältlich und auch dort nur mit Glück.

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