Selva Negra & Blackforest Canto

Es gibt manch eine Entwicklung in der Welt der Spirituosen, an die hat man sich schneller gewöhnt als ursprünglich gedacht. Die ein oder andere dieser Veränderungen macht man sich inzwischen vielleicht auch gar nicht mehr bewusst. Dass es z.B. Whisky aus Deutschland gibt, ringt nun wirklich niemandem mehr eine hochgezogene Augenbraue ab. Dass mitunter ein Korn internationale Preise in einer Whisky-Kategorie gewinnt, ist meist zwar noch eine Anekdote und ein paar reflektierende Gedanken über Kategoriegrenzen und – definitionen wert, aber wirkliche Verwunderung ruft auch das nicht mehr hervor. Und seit es deutschen Rum gibt, der aus extra importiertem Zuckerrohr gebrannt wird, sind die Möglichkeiten doch wahrhaft unbegrenzt, oder? (zugesandtes Testprodukt)*

So scheint es tatsächlich zu sein, ja. Und wie um diesen Umstand zu untermauern, hat jüngst ein sehr interessantes Produkt aus dem Schwarzwald das Licht der Welt erblickt: der Selva Negra. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen deutschen Agavenbrand. Wer sich jetzt vielleicht fragt, wo in Deutschland denn Agaven kultiviert werden, der kann die Suche jenseits einiger botanischer Universitätsgärten auch wieder aufgeben, denn der Grundstoff für den Selva Negra wird in Form von reinem Extrakt der Agavenart agave salmiana direkt aus Mexiko importiert. Florian Faude, der sich schon lange mit seinen feinen Bränden einen Namen gemacht hat, bringt dieses einhunderporzentige Agavenextrakt nun mit Hilfe von Weinhefen zum fermentieren (Der Fermentationszeitraum umfasst dabei etwa 3 bis 4 Wochen) und brennt schließlich einen deutschen Agavenbrand daraus – zweifach, um genau zu sein. Die wirklich hübsch gestaltete Flasche unterstreicht dabei mit ihrem Etikett die Programmatik des Selva Negra: den natürlichen Schulterschluss von mexikanischem Brand und Schwarzwälder Flair. Denn tatsächlich wird der Brand noch mit Rauch- und Fichtenaromen abgerundet, um eine einzigartige und neue Interpretation von Agavenbrand hervorzubringen. Wie das schmeckt? Nun, ich habe keine Ahnung, bin aber folglich mehr als gespannt auf diesen 100% Agavebrand aus dem Schwarzwald, der mit vielversprechenden 46% vol. eine neue Welt zu eröffnen verspricht.

Tasting Notes:

Aroma: Tatsächlich merkt man direkt einen deutlichen Unterschied zu üblichen Agavendestillaten. Allerdings ist es auch – wenig überraschend – durchaus als solcher erkennbar. Da sind typische Agavennoten, eine leicht erdige Note, charakteristische Noten von weißem Pfeffer und Kristallsalzen, aber eben auch Fichtennadeln, Zedernholz und eine ordentliche Portion Limette. Beides verschwimmt zu einem überaus spannenden und sehr interessanten Gesamtbild, das mir wirklich sehr gut gefällt.

Geschmack: Am Gaumen ist die bereits oben beschriebene, aromatische Dichotomie dann auch wieder zugegen. Würzig-erdige Agavennoten verbinden sich mit Fichtennadeln, dabei wieder Zedernholz mit harzigen Nebentönen. Dann ist der weiße Pfeffer da, der so typisch für Tequilas und Mezcals ist, begleitet von einer interessanten Süße, aber auch Noten von hellen Früchten blitzen auf und formen ein sehr komplexes und gefälliges Geschmacksprofil.

Abgang: eine gewisse Süße mit Assoziationen von Zedernöl

Wenn es schnell gehen soll oder man es einfach haben möchte, kann man den Selva Negra wunderbar mit einer Pink Grapefruit-Limonade kombinieren.

Es gibt einen sehr schönen Drink des früheren Artesian-Headbartenders Alex Kratena namens Oye Mi Canto (Hear My Song), der aus einem Blanco Tequila, Mezcal, Rosé Wermut und Orangenbitters besteht. Der Selva Negra ist mit seinem Geschmacksprofil ein derart interessanter Vertreter, dass ich mich an diesem Drink orientiert habe und kurzerhand einen Blackforest Canto kreiert habe. Dazu habe ich mich an die Grundrezeptur gehalten, allerdings neben dem Mezcal etwas Himbeergeist aus dem Schwarzwald hinzugefügt, der mit seinen fruchtig-frischen Noten eine ganz wunderbare Verbindung zum Rosé Wermut aufbaut. Anstelle der Orange Bitters habe ich stattdessen zum Bittermens Hellfire Habanero Shrub gegriffen, der einfach fantastisch mit Himbeere harmoniert. Et voila: Blackforest Canto.

Rezept „Blackforest Canto“:

3,5 cl Selva Negra
6 cl Rosé Wermut
0,5 cl Himbeergeist
2 Dashes Bittermens Hellfire Habanero Shrub

Mezcalnebel aus der Sprühflasche

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf den Mezcal im Rührglas kalt rühren und ins vorgekühlte Glas abseihen. Zuletzt einige Sprühstöße Mezcal auf die Oberfläche des Drinks geben.

Glas: Coupette

Garnitur: ein kleiner Zweig Rosmarin

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir dieses Produkt zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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