James Cree’s Single Malt Whisky, Aber Falls Welsh Whisky & Perfectly Straight Blood & Sand

Und ein weiteres Mal möchte ich gleich zwei Flaschen in den näheren Blick nehmen. Diesmal geht es nicht um Gin, sondern um Whisky. Und natürlich schweifen die Gedanken bei Whisky sofort ins gälische Schottland, was auch heute intuitiv der richtige Impuls ist. Aber auch das gälische Wales produziert Whisky, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß und mit vergleichbarem Renommee. Insofern trifft es sich gut, eben auch eine Flasche walisischen Whisky in den Fokus zu rücken. (zugesandte Testprodukte)*

Um es konkreter zu machen: Zum einen habe ich den James Cree’s Single Malt Scotch Whisky vor mir stehen, zum anderen den Aber Falls Welsh Single Malt Whisky. Beginnen möchte ich hier mit dem James Cree’s Single Malt Whisky und der entscheidenden Frage: was wissen wir Genaueres über diese Abfüllung? Nun, einige Antworten sind aufschlussreich, einige leider weniger. Aus welcher Brennerei der Whisky stammt, zählt z.B. nicht zu den aufschlussreichen Informationen, denn das wird geheim gehalten. Wohl aber erfahren wir, dass der Namensgeber James Cree im 19. Jahrhundert Besitzer einer Destille in Edinburgh war, was evtl. ein Hinweis, vielleicht aber auch bloßes Marketing ist. Jedenfalls wurde der Whisky vollständig in ehemaligen Sherryfässern gereift, was erst einmal für mich ein recht ansprechender Umstand ist. 40% vol. sind natürlich gefühlt ausbaufähig, andererseits aber eben nunmal klassischer Standard. Der James Cree‘s Whisky ist eine Abfüllung der Halewood Wine & Spirits (Germany) GmbH.

Klar, das ist nicht die beste Informationslage, aber für eine NAS-Abfüllung eines Auftragsabfüllers auch nicht ungewöhnlich. Wie also scheckt der James Cree’s Single Malt?

Tasting Notes „James Cree’s Single Malt Whisky“:

Aroma: In der Nase ist der Whisky doch recht zurückhaltend. Man vernimmt zwar eine durchaus typische Sherrycharakteristik, aber so richtig lang wird die Reifung wohl nicht erfolgt sein (oder die Fässer wurden schon ein paar Mal befüllt), denn dafür ist das Aroma doch eher subtil. Natürlich wird er damit schon auch als Lowlander irgendwo seinem Ruf gerecht, dennoch wäre hier sicherlich mit der Zeit auch mehr möglich gewesen. Ich finde zudem Noten von getrockneten Früchten, Getreide- und Malztöne, sowie Anschläge von Vanille und Karamell.

Geschmack: Sherrynoten mit Anklängevon Rotwein, etwas Vanille und wieder Trockenfrüchte (v.a. Rosinen) zeigen sich am Gaumen. Die Eiche wartet mit einer gewissen Würze auf, die sich durchaus harmonisch mit Vanille und Karamell verbindet. Insgesamt bleibt aber auch hier noch Luft nach oben. Gut, es wäre auch vermessen, bei einem Single Malt mit einem Literpreis um die 30 Euro all zu harte Maßstäbe anzulegen, aber natürlich will ich nicht unerwähnt lassen, dass die Jugend dieses Malts mit einem noch nicht ganz so rund eingebundenen Alkohol schon auch durchscheint.

Abgang: Getreidenoten und dunkle Früchte, eher kurz

Dem James Cree’s zur Seite steht heute der Aber Falls Welsh Whisky. Dieser allein schon aufgrund seiner Herkunft sehr spannende Whisky stammt aus der Aber Falls Distillery im Norden des Landes. Wer sich nun auf die Suche nach Aber Falls Single Malt Whisky begibt, wird feststellen, dass es bereits eine andere Abfüllung in einer etwas anders gestalteten Flasche gibt. Die heute hier vorgestellte Flasche ist nämlich die bereits zweite Abfüllung der Destille, welche im Herbst 2021 das Licht der Welt erblickte (daher auch manchmal als Aber Falls Autumn beworben). Auch hier finden wir leider keine Altersangabe, dafür aber umso interessantere Informationen zur Fassreifung, welche in einer spannenden Mischung aus Oloroso-, Pedro Ximenez-, Bourbon und frischen Eichenfässern unter der Aufsicht von Master Blenderin Dr. Kirsty McCallum erfolgte. Die Gerste, aus der der Whisky hergestellt wird, stammt aus Wales selbst.

Tasting Notes „Aber Falls Welsh Whisky“:

Aroma: Die offiziellen Verkostungsnotizen sprechen von u.a. von Vanille, Toffee, Feigen und Sultaninen. Ja, zugegeben, ich kann Assoziationen von all dem entdecken, aber Vanille und Sultaninen dominieren hier doch stark gegenüber Toffee und Feigen, welche ich selbst nicht angeführt hätte. Stattdessen finde ich eine sehr interessante Orange, die mir durchaus gut im Aroma gefällt und welche sich mit feinen Gewürzen zu einem recht angenehmen Gesamtaroma verbindet.

Geschmack: Am Gaumen zeigt sich die Orange etwas zurückhaltender, hier dominieren zunächst Getreide- und Vanilletöne, die dann aber wieder von fruchtigen Noten eingefangen werden. Tatsächlich tendieren diese eher in Richtung von dunklen Waldfrüchten als in die Zitrusrichtung, was einmal mehr die immer wieder spannende Differenz von Aroma und Geschmack unterstreicht, wie sie bei Single Malts immer wieder zu finden ist. Auch dieser Whisky kann eine gewisse Jugend nicht verbergen, er ist nicht überkomplex, aber gefällig mit Noten von Gewürznelken.

Abgang: mittellang, würzig und mit fruchtigen Sherrynoten

Beide Single Malts sollte man als das sehen, was sie sind: relativ kostengünstige Einsteigermalts, die im Purgenuss nicht mit allzu hohen Erwartungen angegangen werden müssen. Wer das natürlich tun will und vom hohen Ross seines 18-jährigen Macallans nicht abzusteigen bereit ist, für den spielen diese Abfüllungen natürlich nicht im Geringsten auch nur irgendeine nennenswerte Rolle. Aber gerade für den Einsatz in Drinks, in denen eine gewisse Scotch-Charakteristik gefragt ist, kann man hier sicherlich sehr viel erreichen.

Und so habe ich mich heute für einen Cocktail von Simon Difford entschieden, der mir einfach sehr gut gefällt und für den die beiden Whiskys sehr gut geeignet sind. Dabei handelt es sich um den „Perfectly Straight Blood & Sand“, welcher – leicht zu erkennen – eine Variante des klassischen Blood & Sand Cocktails ist. Und weil ich diesen besonders liebe und er für mich auch immer mit meinem ersten Besuch im Le Lion verbunden sein wird, bin ich Twists gegenüber mehr als aufgeschlossen.

Apropos Twist: in einem Punkt bin ich vom Originalrezept von Simon Difford abgewichen: Da ich gerne einen Laphroaig Quarter Cask benutze und ich 1 cl von diesem im Drink besser finde als 1,5 cl, habe ich den Anteil entsprechend reduziert. So komme ich auf eine Whiskybasis auf jeweils 1 cl James Cree’s Single Malt Whisky, Aber Falls Welsh Whisky und Laphroaig Quarter Cask. Achja: der Drink hat sehr viele Zutaten, ja. Er ist es aber wirklich wert, diese zusammenzumischen!

Rezept „Perfectly Straight Blood & Sand“ (adaptiert von Simon Difford):

1 cl James Cree’s Single Malt Whisky
1 cl Aber Falls Welsh Whisky
1 cl Laphroaig Quarter Cask
1,5 cl Kirsch Vieux Morand
1,5 cl Luxardo Cherry Sangue Morlacco
1,5 cl Carpano Antica Formula
1,5 cl Noilly Prat
3 cl frisch gepresster Orangensaft

Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker auf Eis kräftig schütteln und doppelt ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas: Coupette

Garnitur: drei Griottines-Kirschen

Bezugsquellen: Im Fachhandel oder online

*Der Umstand, dass mir diese Produkte zu redaktionellen Zwecken unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind, bedeutet nicht, dass in irgendeiner Weise Einfluss auf den Artikelinhalt oder meine Bewertung genommen wurde. Vielmehr ist es für mich stets unverrückbare Bedingung, völlig frei und unbeeinflusst rezensieren zu können.

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